Bild: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Hallo 2018

Frauen lieben Frauen, Männer lieben Männer, Menschen lieben, wen sie wollen – das war schon immer so. Viele aber halten ihre Liebe geheim – oder müssen das sogar. Dass sich die Kirche immer noch mit Homosexualität schwer tut, hat Papst Franziskus jetzt wieder einmal bewiesen – vor allem, wenn es um Menschen in den eigenen Reihen geht.

Was hat er genau gesagt?

Er mache sich Sorgen um Homosexuelle im Klerus und in Priesterseminaren. Es sei eine "sehr ernste Angelegenheit". Menschen mit "dieser tiefverwurzelten Tendenz" sollten seiner Meinung nach nicht in Seminaren zugelassen werden, sagt er in einem Interview auf Spanisch, das am Montag in einem Buch veröffentlicht werden soll.

Seine Aussagen zeigen, dass er Homosexualität wie eine Ausnahme sieht:

In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche."
Papst Franziskus

Die katholische Kirche lehnt Homosexualität ab, Franziskus spricht sich jedoch immer wieder gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben aus.

Mit solchen Aussagen trägt er allerdings nicht dazu bei.

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Zum Weltaidstag wünschen wir uns Kondome gratis für alle
Her damit!

2700 Menschen haben sich 2017 in Deutschland mit HIV infiziert, das belegen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts. Das sind 200 weniger als noch 2016. (SPIEGEL ONLINE

In Frankreich fällt die Zahl deutlich höher aus. Dort sind es laut Gesundheitsministerium des Landes jährlich rund 6000 neue HIV-Infektionen. Am Dienstag teilte die französische Regierung mit, wie sie die Verbreitung in Zukunft eindämmen will: Ab dem 10. Dezember können Französinnen und Franzosen sich von einem Ärzt, einer Ärztin oder einer Hebamme Kondome ein Rezept verschreiben lassen. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. (SPIEGEL ONLINE

Gratis Kondome? Die brauchen wir auch! 

Im Interview mit der "taz" sagt Holger Wicht, der Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe: "Wir brauchen eine große Debatte dazu, wie man Menschen Verhütungsmittel zur Verfügung stellt. Es gibt Versorgungslücken, zum Beispiel bei Menschen mit wenig Geld, und dafür brauchen wir Antworten." 

Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der Ende 2017 veröffentlicht wurde, zeigt, dass 2015 acht Millionen Menschen in Deutschland am Existenzminimum gelebt haben. (Zeit Online) Gerade für Menschen, die wenig Geld haben, bleibt häufig weniger für Verhütung übrig. 

Darum braucht auch Deutschland eine neue Regelung. Oder wir gehen noch einen Schritt weiter. Warum nicht Kondome gratis herausgeben? Aber wäre ein Modell wie in Frankreich bei uns überhaupt möglich?

Nein, sagt das Gesundheitsministerium auf eine Anfrage der taz. Laut der derzeitigen Rechtslage dürfen Krankenkassen die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel nicht übernehmen, auch dann nicht, wenn Ärztinnen oder Ärzte sie verschreiben. 

Krankenkassen unterstützen schon heute Sportkurse und zahlreiche andere Maßnahmen, um Krankenheiten vorzubeugen – wieso nicht auch Kondome, damit sich Geschlechtskrankheiten nicht weiter verbreiten? 

Wenn also die Krankenkassen den Posten nicht übernehmen können – wer dann?

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, will dafür in Zusammenarbeit mit den Ländern eine Lösung finden, "um den kostenlosen Zugang zu Kondomen über geeignete Stellen wie Gesundheitsämter, öffentliche Gesundheitsdienste, Familienberatungsstellen, Familienplanungszentren und die Aids-Hilfe sicherzustellen." (taz)

Unter Jens Spahn hat das Gesundheitsministerium immerhin schon dafür gesorgt, dass HIV-Schnelltests seit Oktober für den Verkauf freigegeben wurden. Außerdem will Spahn die Krankenkassen verpflichten, für Menschen mit größerem HIV-Ansteckungsrisiko die Kosten für die Präventiv-Medikamente zu übernehmen. (bento) Aber das reicht noch nicht: Es geht weiterhin um noch mehr Aufklärung und mehr Schutz.

Eine Finanzierung von Kondomen von öffentlichen Stellen würde zum einen das finanzielle Problem lösen – zum anderen wäre es auch ein Zeichen dafür, wie wichtig Schutz und Verhütung ist

Heute, am 1. Dezember, ist Weltaidstag – eine Gelegenheit, um auf Maßnahmen hinzuweisen, die es noch zu ergreifen gibt.

2017 ist die Zahl von HIV-Infektionen zwar auf 2700 gesunken – aber das sind immer noch 2700 Infektionen zu viel.