Bild: dpa/Arno Burgi
"Er muss bewusstlos gewesen sein, dann hat ihn jemand angezündet. "

Der Fall ist mittlerweile 13 Jahre alt – und noch immer nicht aufgeklärt. 2005 starb der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle. Laut der Beamten vor Ort soll er sich selbst angezündet haben.

Doch im vergangenen Jahr tauchten Ermittlungsakten auf, die nahelegen, dass Jalloh getötet wurde.

Und jetzt meldet sich ein Gutachter zu Wort, der damals an dem Fall gearbeitet hat, der sagt: Oury Jalloh kann sich gar nicht selbst angezündet haben.

1.

Wer war Oury Jalloh?

Ein Asylbewerber aus Sierra Leone. Er wurde von der Dessauer Polizei in Gewahrsam genommen, weil er mehrere Frauen belästigt haben soll. Außerdem stand er laut Aussagen der Polizei unter Drogeneinfluss.

Er wurde mit gefesselten Händen auf eine Matratze in einer Zelle gelegt. Am 7. Januar 2005 verbrannte Jalloh auf dieser Matratze. Bis heute ist unklar, ob er sich selbst angezündet hat – oder ein Dritter. (bento)

2.

Was sagt die Polizei zu dem Fall?

  • Sie behauptet, Jalloh habe Selbstmord begangen. Alle halbe Stunde habe ein Beamter nach ihm gesehen – zwischen zwei Kontrollgängen habe er sich angezündet.
  • Das erste Verfahren zur Aufklärung vor dem Dessauer Landgericht endete 2008 mit einem Freispruch für zwei angeklagte Polizisten.
  • Später wurde ein Polizist wegen fahrlässiger Tötung in einem zweiten Prozess zu einer Geldstrafe verurteilt. (Stern)

Seit Ende 2017 wird der Fall neu aufgerollt. Bekannt gewordene Ermittlungsakten legten den Verdacht nahe, dass Jalloh doch gezielt getötet wurde:

3.

Was sagt nun der Gutachter?

Der Toxikologe Gerold Kauert hat Messungen von Stresshormonen im Körper Jalloh vorgenommen. Als Rechtsmediziner hat er bereits beim Verfahren vor dem Landgericht Dessau teilgenommen. Nun sagt er erstmals in einem Interview mit dem MDR über den Fall Jalloh:

Er muss bewusstlos gewesen sein, hat aber natürlich noch geatmet. Und dann hat ihn jemand angezündet. ​

Wie kommt Kauert zu der Einschätzung? 

  • Er hat die Konzentration des Stresshormons Adrenalin im Urin von Oury Jalloh gemessen. Wenn sich ein Mensch in einer lebensbedrohlichen Situation befindet, wird Adrenalin massiv ausgeschüttet. In Oury Jallohs Urin gab es jedoch keine erhöhte Konzentration – was dagegen spricht, dass er sich selbst angezündet hat. Sondern dafür, dass er bei Ausbruch des Feuers bereits bewusstlos war. 
  • Dass er zu dem Zeitpunkt bereits tot war, hält der Gutachter jedoch ebenfalls für unwahrscheinlich, da in seinem Körper Rußspuren gefunden wurden.

4.

Wie reagieren die Behörden auf das Gutachten?

Die Generalstaatsanwalt Naumburg wollte die Aussage Kauerts nicht kommentieren. Ein Sprecher der Behörde sagte, an Mutmaßungen und Spekulationen beteilige man sich nicht. 

Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft sollen jedoch derzeit den Fall neu bewerten – und auch frühere Todesfälle untersuchen, die mit dem Dessauer Polizeirevier in Verbindung stehen. Außerdem sollen Prozessakten und Brandversuche erneut analysiert werden. Das kann aber noch mehrere Wochen dauern.

Das heißt: Auch nach 13 Jahren bleibt unklar, was wirklich in der Zelle geschehen ist.


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