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"Was passiert ist, war längst überfällig."

An keinem Abend zeigen sich die Gräben in Hollywood so deutlich wie zur Preisverleihung der Oscars. Die Show voller Gold und Glitzer gilt als Klassentreffen der schicken und glamourösen Filmindustrie – aber auf den Gruppenfotos der vergangenen Jahrzehnte standen vor allem: alte, weiße Männer.

Ein Preis, der Hollywoods beste Filme und Filmschaffende auszeichnen soll, spiegelt also einen großen Teil der Industrie gar nicht wider – nämlich Frauen, Schwarze, kreative Nachwuchstalente.

Nun hat Hollywood im vergangenen Jahr mit der "MeToo"-Debatte eine neue Diskussion um Frauenrechte und Machtmissbrauch begonnen, in noch die da gewesener Lautstärke. 

Der Filmproduzent Harvey Weinstein gilt als geächtet und mit der "Time's up"-Bewegung hielt die Debatte auch bei Preisverleihungen von den Golden Globes bis zu den britischen Baftas Einzug.

  • Und die Oscars? 

Waren tatsächlich nicht so altbacken wie in den vergangenen Jahren. Die Preise werden von der "Academy" vergeben, einer Vereinigung von rund 7000 Kulturschaffenden. Viele Mitglieder sind alt und männlich – entsprechend fielen immer die Preise aus.

Vor zwei Jahren sorgte der Protest #OscarsSoWhite für ein Umdenken. Seitdem wurden 1500 Filmschaffende neu angemeldet, vor allem viele Frauen und Afroamerikaner. Und das hat sich gelohnt.

Diese 6 Augenblicke der Oscar-Nacht zeigen, wo Frauen punkten konnten:

1. Die Rede von Frances McDormand

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Frances McDormand wurde für ihre Rolle in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Darin spielt sie eine wütende Mutter, die sich gegen Rassisten und Polizeiwillkür zur Wehr setzt. (Hier findest du alle Gewinner im Überblick)

In ihrer Dankesrede machte McDormand die Oscar-Bühne zum Lichtkegel für alle Frauen in Hollywood. Die Frauen im Saal sollten aufstehen: 

"Schaut euch um. Wir haben alle Geschichten zu erzählen und Projekte zu verwirklichen. Ich habe nur zwei Worte: inclusion rider."

Ein "inclusion rider" ist ein Paragraf, den Schauspieler in ihren Vertrag schreiben können. Wenn eine Filmproduktion nicht gleichberechtigt genug durchgeführt wird, erlaubt der "rider" dem Schauspieler, wieder auszusteigen. Also: Ist eine Produktion zu männlich, kann eine Schauspielerin den Vertrag wieder kündigen. (The Wrap)

Es war eine Kampfansage an das alte Hollywood der Männer. Und ein Appell an weibliche Filmschaffende, ihre Geschichten ins Kino zu bringen. 

2. Die nominierten Frauen

Mit Greta Gerwig und Rachel Morrison waren dieses Mal junge Frauen in wichtigen Kategorien nominiert. Auch wenn sie am Ende leer ausgingen – ihre Anwesenheit war ein wichtiges Signal. Immer wieder wurden beide in Reden erwähnt und gelobt.

  • Greta Gerwig ist 34 hat nie eine Schauspielschule besucht. Dieses Jahr war sie als Regisseurin und Drehbuchautorin von "Lady Bird" nominiert. Sie ist eine Queraufsteigerin – der Coming-of-Age-Film war ihr Regiedebüt. 
  • Rachel Morrison ist 39 und die erste Frau, die in der Geschichte des Oscars für die beste Kamera nominiert wurde. Sie hat für Netflix "Mudbound" gedreht, aktuell ist ihre Kameraarbeit mit "Black Panther" in den Kinos. Ebenfalls für "Mudbound" ist die Autorin Dee Rees für das beste Drehbuch nominiert – als zweite Afroamerikanerin überhaupt.
  • Meryl Streep ist 68 Jahre und wurde bei der Verleihung als "beste Schauspielerin Hollywoods" bezeichnet. Sie hat mittlerweile 21 Oscar-Nominierung, drei davon gewonnen. Dieses Mal war sie für ihre Rolle in "Die Verlegerin" nominiert.

Hier findest du alle Oscar-Nominierten 2018:

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3. Das Fehlen von Casey Affleck

Bei den Oscars ist es Tradition, dass die beste Hauptdarstellerin den Oscar vom besten Hauptdarsteller vom Vorjahr überreicht bekommt. In diesem Jahr wäre das Casey Affleck gewesen.

Doch er war weder auf der Bühne, noch im Publikum. Bereits 2010 hatten ihm zwei Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Das war vor "MeToo" kaum interessant, als er den Preis im vergangenen Jahr bekam, gab es kaum Kritik. Nun wurde alles anders – Affleck kündigte an, der Show fern zu bleiben. (Deadline)

Ersetzt wurde er durch zwei Frauen: die Oscar-Preisträgerinnen Jodie Foster und Jennifer Lawrence.

4. Die Weinstein-Statue

(Bild: dpa/AP/Damian Dovarganes)

Zwei Straßenkünstler haben wenige Tage vor der Preisverleihung eine Statue auf dem Hollywood Boulevard enthüllt. Sie zeigt: Den wegen sexueller Übergriffe angeklagten Weinstein breitbeinig auf einer Castingcouch. In der Hand hält er einen Oscar, er sieht aus der Ferne wie ein erigierter Penis aus. Bissiger könnte eine Sexismus-Kritik im prüden Hollywood kaum sein. 

  • Pünktlich zur Statue kam außerdem folgende News: Eine Investorin hat Teile der Weinstein-Company gekauft und will daraus ein neues von Frauen geführtes Filmstudio formen. Mit dem Deal sollen bis zu 90 Millionen Dollar in einen Entschädigungsfonds für Weinsteins Opfer fließen. (New York Times)

5. Jimmy Kimmels Eröffnungsrede

Im Vorfeld gab es Kritik, dass Kimmel zum zweiten Mal die Oscars moderiert; kann ein Mann die Probleme von "MeToo" auf den Punkt bringen? Ja, kann er. "Was passiert ist, war längst überfällig", sagte Kimmel gleich zu Beginn und betonte Hollywoods herausragende Frauen im Publikum.

Mit "Black Panther" und "Wonder Woman" seien nun zwei Filme erfolgreich gewesen, von denen viele Hollywood-Männer dachten, das sei unmöglich: "Filme mit Frauen oder Nichtweißen in der Hauptrolle!"

Dann bringt Kimmel mit Blick auf eine riesengroße Oscar-Statue am Bühnenrand noch einen dieser Kimmel-Sätze:

Lässt seine Hände, wo man sie sehen kann und hat keinen Penis. Solche Männer brauchen wir mehr in Hollywood.

6. Die Witze von Tiffany Haddish und Maya Rudolph

Die beiden Comedians hatten ein kurzes Stand-up während der Show – und sich herrlich schwarzhumorig über den Hashag #OscarsSoWhite ausgelassen. Mittlerweile gebe es so viele Schwarze, dass manche schon Angst hätten, die Oscars werden nun "zu schwarz". Aber keine Angst:


Fühlen

Das sind die Männer, die in Hollywood nicht mehr mitfeiern dürfen

In Hollywood hat sich im vergangenen Jahr viel verändert. Und die diesjährige Oscar-Verleihung zeigt das: Frauen standen im Mittelpunkt, der Cast von "Black Panther" wurde umjubelt.

Wer keine große Rolle spielte: Männer, die denken, ihnen gehört die Welt. Dank "MeToo".

Die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein starteten Diskussionen um Sexismus und Machtmissbrauch in der Filmindustrie, mehrere Schauspieler und Filmschaffende gelten in Hollywood nun als geächtet.