Die gruselige Geschichte einer ungeklärten Verbrechensserie
Achtung: Dieser Text thematisiert Morde und sexuelle Gewalt gegen Frauen

Golden State Killer.
East Area Rapist.
Diamond Knot Killer.
Original Night Stalker.

Vier Pseudonyme, doch dahinter verbirgt sich immer dieselbe Person: Ein Serienmörder, Serienvergewaltiger und Serieneinbrecher, der ab 1976 in Kalifornien 45 Frauen vergewaltigte, zwölf Menschen tötete und in mehr als 120 Häuser einbrach. Manche Frauen waren erst 13, andere schon 41. Einige lebten allein, andere mit ihren Kindern oder ihrem Partner zusammen.

Zehn Jahre lang mordete er, dann verschwand er plötzlich.

Das FBI hat in der vergangenen Woche eine gewaltige Kampagne gestartet, um den Mann – 40 Jahre nach seiner ersten Tat – aufzuspüren. In den Sozialen Medien, hochwertig produzierten YouTube-Videos, Podcasts und Radiospots rufen sie US-weit Menschen auf, Hinweise zu geben. 50.000 Dollar sind für den entscheidenden Tipp ausgeschrieben.

Seine Vorgehensweise: rücksichtslos und brutal

Am Anfang seiner Karriere brach er nur in Häuser ein und bestahl die Bewohner, später vergewaltigte und mordete er auch. Erst DNA-Untersuchungen brachten die vielen verschiedenen Verbrechen mit ihm in Verbindung.

Aus den Akten lässt sich seine Vorgehensweise rekonstruieren: Der "Original Night Stalker" betrat im Schutz der Dunkelheit die Wohnhäuser, während die Bewohner schliefen. Dabei trug er eine Skimaske. Wenn er das Schlafzimmer betrat, blendete er mit einer Taschenlampe die Augen seiner verwirrten Opfer. War ein Mann anwesend, ließ er ihn von der Frau fesseln.

Dann fesselte er selbst die Frau, mit Schnürsenkeln oder anderen herumliegenden Haushaltsartikeln. Er ließ sich Zeit: Manchmal bediente er sich am Kühlschrank seiner Opfer, während sie im anderen Raum angebunden waren.

Weiße Anführungszeichen
Er sorgt sich nicht um Menschenleben. Er genießt die Angst, er genießt es, diesen emotionalen Schmerz zu verursachen.
Sergeant Paul Belli, Sacramento Sherriffs Department

Er führte die Frauen in ein anderes Zimmer und legte vorher Tassen oder Teller auf die Rücken der angebundenen Männer. "Wenn ich hier etwas zu Bruch gehen höre, komme ich zurück und töte dich", soll er ihnen gedroht haben. Schließlich vergewaltigte er die Frauen. Manchmal tötete er sie danach.

Kleinere "Souvenirs" wie Schmuck, Ausweise, Münzen oder Bargeld nahm er sich mit, wahrscheinlich als Andenken oder Trophäe. Wenn er fertig war, sprang er über den Zaun auf der Rückseite des Hauses, versteckte sich in den Büschen und verschwand.

Nicht immer war er allerdings so vorsichtig: Einmal überfiel er einen Polizisten und dessen Frau, als sie ihren Hund spazieren führten. Er erschoss sie beide auf offener Straße, inmitten eines Wohngebiets.

„"Egal, wieviel Zeit vergangen ist, das Sheriffs Department hat die Untersuchung niemals aufgegeben. Diese Person hat vielen Menschen großes Leid angetan, und sie sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden."“
Sgt. Paul Belli, Sacramento Sherriffs Department

14 verschiedene Landkreise umfasste das Revier des Original Night Stalkers, rund um die kalifornischen Städte Sacramento und Rancho Cordova. 14 verschiedene Polizeibehörden und das FBI sind deshalb auf der Jagd nach ihm, seit 40 Jahren.

Es existieren Phantombilder von ihm, viele verschiedene. Auf jedem sieht er anders aus. Die Ermittler haben seine DNA, die er an den Tatorten zurückließ. Und es gibt, so vermuten die Behörden, eine einzige Aufnahme seiner Stimme:

Trotzdem bleibt der Mann ein Geist. Vielleicht hat er als Bauarbeiter gearbeitet, als Maler oder als Immobilenmakler, mutmaßen die Behörden. Denn seine Opfer lebten oft in der Nähe von Baustellen, an einigen Tatorten wurden dieselben Farbspritzer gefunden. Er ist weiß, etwa 1,78 Meter groß und heute wahrscheinlich 60 bis 75 Jahre alt, sofern er noch am Leben ist. Sie kennen sogar seine Schuhgröße und sogar seine Lieblingsschuhe.

"Die Leute haben sich Hunde gekauft und mit Schrotflinten unter dem Kissen geschlafen", beschreibt FBI-Agent Marcus Knutson seine Kindheit in Sacramento – es war genau die Zeit, als der Golden State Killer aktiv war. "Die Menschen hatten Angst, und sie hatten gute Gründe dafür. Dieser Typ hat die Region terrorisiert. Er hat schreckliche Dinge getan."
In der Fotostrecke zeigen wir die verschiedenen Phantombilder
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Mord verjährt nicht

Beeindruckend ist die Vorgehensweise der amerikanischen Behörden, die nun hochwertige Videos, Bilder, Karten und Interviews ins Netz gestellt haben, um den Night Stalker doch noch zu finden. Auf YouTube, Facebook und Twitter rufen sie zur Mithilfe auf. Es ist eine beispiellose Aktion. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich auch das ungebrochen große Interesse der Öffentlichkeit, Magazine, Bücher und Blogs treiben die Suche nach dem Täter voran.

"Es ist unglaublich, dass er so viele Verbrechen begehen konnte, ohne jemals einen großen Fehler zu begehen", wundert sich der ehemalige Mordermittler Ray Biondi, der 17 Jahre an dem Fall mitgearbeitet hat. Damals waren Verfahren wie die DNA-Analyse, in einigen Gegenden sogar die 911-Notrufnummer, nicht verfügbar. Und trotzdem: Einer von Biondis anderen "kalten Fällen" wurde erst jüngst durch alte DNA-Beweise gelöst. Er denkt, dass das auch im Fall des Night Stalkers passieren kann: "Es wäre eine gigantische Erleichterung."

Das FBI durchsucht nun auch viele andere Fälle, die bisher nicht mit dem Night Stalker in Zusammenhang gebracht wurden, nach Verbindungen. FBI-Ermittler Knutson ist optimistisch: "Manchmal macht ein Anruf den Unterschied. Wenn wir diesen einen Anruf bekommen und die DNA stimmt, dann haben wir ihn.

Deshalb brauchen wir die Hilfe der Öffentlichkeit."

Viele Bilder, Videos, Interviews und Audiodateien aus Befragungen und Aussagen gibt es auf der extra eingerichteten der Website des FBI. Auch die Zitate der Ermittler aus diesem Artikel stammen aus dieser Quelle.

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Art

Justin Trudeau ist ein Superheld – jetzt auch offiziell

Wenn es Politiker in einen Comic schaffen, dann meist als Karikatur oder Bösewicht. Aber ein Staatschef als Superheld? Absolute Ausnahme.

Nur bei Justin Trudeau ist alles anders. Trudeau ist seit etwas mehr als einem halbem Jahr Kanadas neuer Premierminister – und in etwa ebenso lange der neue Posterboy internationaler, lieberaler Politik. Wie ein junger Obama betreibt er Politik als Show, ohne dabei auf Inhalte zu verzichten. Für den guten Zweck lässt er sich schon mal beim Boxen livestreamen. Er begrüßte persönlich die ersten syrischen Flüchtlinge im Land, kuschelte mit Pandabären und setzt sich vehement für LGBT-Rechte ein (mehr bei bento).

Vielleicht adelt ihn deshalb Marvel nun mit diesem Cover: