Jeden Tag sterben in Deutschland Menschen, denen eigentlich hätte geholfen werden können – nur, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt. 

Ich wollte dazu gerne ein Video drehen, in dem ich Werbung für den Organspende-Ausweis mache – oder sogar für den Gesetzesentwurf von Jens Spahn, bei dem alle Deutschen bis zum Einspruch automatisch Spender währen. Im Bundestag wurde das Gesetz zuletzt kontrovers und ohne Fraktionspflicht diskutiert. (Tagesspiegel)

Doch die Zahlen der Spendewilligen sind in den letzten Jahren auch ohne die neue Regelung deutlich gestiegen: zwischen 2010 und 2015 um 14 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der durchgeführten Transplantationen aber um 32 Prozent gesunken. Über ein Drittel aller Deutschen hat aktuell den Spenderausweis. (SPIEGEL ONLINE)

Warum müssen dann immer noch 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ warten?

Das Problem ist nicht die Bereitschaft der Bevölkerung, sondern der wirtschaftliche Druck in den Krankenhäusern.

Rund 1300 Kliniken in Deutschland sind potenzielle Entnahmekliniken und könnten hirntote Patienten bei sich als Spender identifizieren, melden und dann die Organe des Verstorbenen entnehmen. Doch knapp 700 der Kliniken haben im vergangenen Jahr aber nicht einen einzigen Organspender gemeldet.   

Das kann natürlich daran liegen, dass ein in Frage kommender Fall nicht rechtzeitig erkannt wird. Oder daran, dass in einer Patientenverfügung explizit drinsteht, dass man nicht künstlich beatmet werden möchte. 

Denn als Organspender kommt nur in Frage, wer in einer ganz besonderen Situation ist: Der Hirntod muss diagnostiziert werden, während der Patient auf einer Intensivstation noch maschinell beatmet wird. Das passiert zwar selten, aber eben doch regelmäßig. 

2015 gingen Kieler Forscher von über 27.000 Patienten aus, die als potenzielle Spender in Frage gekommen wären. Transplantationen werden im Jahr aber gerade mal um die 800 durchgeführt. (Ärzteblatt)

Viele Krankenhäuser können oder wollen sich die aufwändigen OPs nämlich einfach nicht leisten.

Ein toter Patient ist weg, sein Bett kann am selben Tag von einem anderen eingenommen werden, den man vielleicht noch retten kann. Ein hirntoter Patient, der beatmet werden muss, kostet aber vielleicht noch mehrere Tage Zeit, bis alle notwendigen Untersuchungen abgeschlossen sind. Diese Zeit ist für gestresste Ärztinnen und Klinikbetreiber ein Minusgeschäft. Vor allem kleine Krankenhäuser haben oft auch gar nicht die Kapazitäten und notwendigen Experten dafür. 

Denn eine Klink soll mit Organspenden kein Geld verdienen können, sie bekommt nur eine Aufwandsentschädigung.

Das ergibt Sinn, weil damit verhindert wird, dass rettbare Patienten für Gewinne zu früh als hirntot erklärt werden. Aber es sorgt eben auch dafür, dass Kliniken abgeschreckt werden, überhaupt den ganzen Ärger und die Überstunden auf sich zu nehmen. 

Was können wir ändern? 

Die Politik kann Ärztinnen und Ärzte auf Intensivstationen entlasten, damit sie mehr Zeit für die Betreuung ihre Patienten haben und die potenziellen Spender erkennen. Wir können Kliniken dabei unterstützen, den Aufwand und die Kosten für Organ-Entnahmen zu schultern. 

Und wir können ein Gesundheitssystem entwerfen, das wirklich auf Gesundheit ausgerichtet ist – und nicht auf Profit.

Ein entsprechender Gesetzentwurf, der die Kliniken und Mediziner in einigen Punkten stärker unterstützen soll, wird aktuell im Bundestag diskutiert. Ich kann nur hoffen, dass er schnell umgesetzt wird. Denn bis es soweit ist, sterben jeden Tag Menschen. 


Today

Friedrich Merz schlägt vor, lieber Polizisten als Türsteher vor Klubs einzusetzen
Drei Fragen zu dieser kuriosen Idee

Türsteher tragen zum Kultstatus einiger Klubs bei. Was wäre zum Beispiel das Berghain nur ohne Sven Marquardt? 

Wenn es nach dem CDU-Politiker Friedrich Merz geht, sollte die Politik allerdings darüber nachdenken, die Polizei demnächst für die Kontrolle der Klubtüren einzusetzen. Diese Idee deutete er auf der letzten CDU-Regionalkonferenz in Berlin an, als es um das Thema Innere Sicherheit ging. Merz bewirbt sich derzeit neben Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz.

Marquardt und Co. durch Polizisten ersetzen – wie kommt Merz auf die Idee?

In einer offenen Fragerunde ging es um Clan-Kriminalität in Berlin. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister im Berliner Bezirk Neukölln, Falko Liecke, forderte, es brauche "vernünftige Konzepte", um den Clans entgegenzuwirken – und bat um Antworten. (Video der CDU-Konferenz ab 2:05:00)

Merz machte den Anfang: "Wir müssen klar machen, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt – und nur beim Staat liegt", sagte er zunächst allgemein. Andere Länder hätten das besser im Griff:

"Ich sag mal zum Beispiel diese Ganze in den Großstädten – vor den Discos, vor allem an den Wochenenden – diese Türsteher-Szene. Das ist der Schlüssel zur Eroberung von Stadtvierteln, und zur Eroberung von kriminellen Strukturen, da fängt es an. Da müssen wir uns die Frage stellen, ob das nicht mehr Aufgabe der Allgemeinen Polizei ist als irgendwelcher Clans, die da ihre eigenen Strukturen schaffen."