Bild: Pixabay/bento
Lovestorm statt Shitstorm

Auf Twitter trendet heute der Hashtag #organisierteliebe. Wir erklären, was dahinter steckt und wie er das Netz verändern soll.

Woher kommt der Hashtag #organisierteliebe?

Die Bloggerin und Aktivistin Kübra Gümüşay hat sich auf der re:publica mit einem emotionalen Appell an das Publikum gewendet. Gümüşay, die auf ihrem Blog ein fremdwörterbuch unter anderem über Feminismus und den Islam schreibt, muss sich täglich mit Hasskommentaren auseinander setzen. "Manchmal bin ich stundenlang damit beschäftigt, Leute auf Twitter zu muten." Damit muss jetzt Schluss sein, findet sie. Gümüşay möchte, dass der Hass Liebe weicht. Organisierter Liebe.

Was ist das Problem mit den Hasskommentaren?

Inzwischen haben wir uns schon fast daran gewöhnt, dass in Kommentarspalten und Facebook-Diskussionen geschimpft, gehetzt und beleidigt wird. Gümüşay warnt jedoch: "Auch digitaler Hass ist realer Hass." Anschläge auf Flüchtlingsheime zeigten, wie sich diese Wut in echter Gewalt entladen kann.

Auch beeinflusst und beschäftigt der Hass jene Menschen, die im Internet veröffentlichen: Im besten Fall kostet die Beschäftigung mit Hasskommentaren nur Zeit, im schlimmsten Falle schlägt sie Bloggern und Journalisten auf die Psyche. "Wir haben unsere Leichtigkeit verloren", schreibt Gümüşays Kollegin Anne Wizorek. Viele Bloggerinnen schildern ähnliche Erfahrungen.

(Bild: dpa/Britta Pedersen)
Warum soll sich jetzt Liebe organisieren?

Bisher versuchen die meisten Internetnutzer, Hasskommentare einfach zu ignorieren. Gümüşay sagt aber: Wir können es uns nicht mehr leisten, leise zu sein. "Wenn sich Menschen für ihre rassistischen Äußerungen nicht mehr schämen, sind wir mit unserer Empörung zu spät dran." Deshalb will sie dem Hass nun aktiv mit Liebe begegnen.

Wieso gibt es im Netz zu wenig Liebe?

Wir sind "zu kritisch, zu meta, zu arrogant", um diejenigen, die wir gut finden, so richtig zu feiern, meint Gümüşay.

Natürlich müssten wir weiterhin kritisch sein. Trotzdem sollten wir ehrlich sein – auch im positiven Sinne: "Wenn du etwas gut findest, dann sag’ das doch!"

Wie soll sich Liebe organisieren?

Wo sonst der Shitstorm tobt, soll jetzt ein Lovestorm einsetzen. Gümüşay fordert Internetnutzer auf, die Kommentarspalten zu stürmen, und statt Beleidigungen Komplimente zu verteilen. "Wir müssen Liebe organisieren."

Wie kann ich meine Liebe zeigen?
  • Teilen, teilen, teilen: Wenn du etwas Interessantes liest, hörst oder siehst: Sag's weiter! Poste es auf Facebook, retweete es, schick es deinen Freunden per WhatsApp. Die Share-Buttons sind meist nur einen Klick entfernt.
  • Kommentieren, kommentieren, kommentieren: Die meisten Websites haben eine Kommentarfunktion. Dir gefällt ein Artikel, Post oder Foto? Dann schreib's drunter. Vielleicht kommen dann noch mehr positive Kommentare dazu.
  • Such' den Kontakt zu Leuten, die dich inspirieren: Beim Surfen kann man schnell vergessen, dass hinter den Buchstaben auf dem Bildschirm Menschen stecken, die in diese Buchstaben Mühe gesteckt haben. Belohne ihre Bemühungen. Mach ihnen Komplimente! So bleiben die Menschen motiviert, weiterzumachen.

Auf Twitter erfährt Gümüşays Aufruf aktuell viel Zuspruch.

Unter dem Hashtag häufen sich aber auch fremdenfeindliche und sexistische Kommentare – was einmal mehr beweist, dass das Netz vielleicht tatsächlich etwas mehr Liebe gebrauchen könnte.

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