Bild: Imago
Vier Fragen zur absurden Wendung

Eine Frau bekommt obszöne Beleidigungen geschickt, sexuelle Gewalt angedroht. Sie macht Screenshots der Nachrichten und veröffentlicht diese im Netz. Sie gehören zum Betreiber eines kleinen Craft-Beer-Ladens. Dieser verklagt sie nun – wegen übler Nachrede.

Was auf den ersten Blick absurd klingt, geschieht in Wien so gerade wirklich. Es geht um den Streit zwischen der ehemaligen Grünen-Abgeordneten Sigi Maurer und dem Betreiber eines Bierladens. 

Worum geht es?

Sigi Maurer hatte Anfang Juni mehrere Posts öffentlich gemacht, in denen sie von der Facebook-Seite des Bierladens beleidigt wird. Sie nennt dazu den Namen des Geschäfts – und auch den des Inhabers. (bento hatte hier darüber berichtet)

Ihre entsprechende Kampagne unter dem Hashtag #mindyourcraftbeer hatte sich tausendfach im Netz geteilt.

Nun wehrt sich der Inhaber: Er klagt gegen Maurer wegen übler Nachrede und Kreditschädigung. Ein Anwalt bestätigte den Schritt gegenüber der österreichischen Zeitung "Standard".

Was sagt der Beschuldigte vom CraftBeer-Shop?

Er streitet ab, die Belästigungen verfasst zu haben. Bereits Anfang Juni behauptete er via Posting, dass "mehrere Leute den PC" in seinem Betrieb nutzten. Er selbst würde so etwas nicht tun.

Was sagt Sigi Maurer?

Sie ist genervt, nun vom Opfer zur Täterin zu werden. Private Nachrichten mit persönlichen Beleidigungen sind in Österreich bislang nicht strafbar. Sie kann den Schreiber oder die Schreiberin also nicht belangen. Aber werde nun selbst belangt, sie schreibt auf Twitter von einem "Angriff":

Ihr drohen 20.000 Euro Strafe – oder gar 40.000 Euro, wenn sie die Prozesskosten tragen soll. Ein Gutes habe der Fall aber: Nun muss vor Gericht geklärt werden, ob der Ladeninhaber der Verfasser der Nachrichten ist.

Was stimmt?

Das wird das Gericht klären. Aber viele glauben, der Craftbeer-Inhaber hat die Nachrichten tatsächlich selbst geschrieben. 

Sie machen es unter anderem daran fest, dass sowohl die Nachricht an Maurer, als auch die spätere Distanzierung auf Facebook alle eine gemeinsame "orthographische Eigenheit" vorweisen: Jedes Satzzeichen ist von dem vorangehenden Wort im Satz mit einem Leerzeichen getrennt – was eher untypisch und grammatikalisch auch nicht korrekt ist.

Vor Gericht wird der Fall höchstwahrscheinlich noch diesen Sommer verhandelt. 

Sigi Maurer war bis 2017 bei den Grünen in Österreich. Sie zog sich im vergangenen Jahr aus der Politik zurück und arbeitet seither am Institut für Höhere Studien in Wien. Unabhängig davon wer recht bekommt, zeigt ihr Fall: Auch nach "MeToo" ist es für Frauen immer noch nicht leicht, einfach gegen Belästigung vorzugehen. 


Tech

Warum WhatsApp jetzt anzeigt, wenn eine Nachricht weitergeleitet wurde
4 Fakten zu einem kleinen Update

Ob sinnlos Angst verbreitet wird wie beim Martinelli-Video, oder Stimmungsmache gegen Angela Merkel und Flüchtlinge wie bei diesem Kettenbrief betrieben wird, oder ob Falschmeldungen und Phishing-Versuche weitergeleitet werden wie bei dieser angeblichen Schokoladen-Verlosung – über WhatsApp verbreiten sich oft Fehlinformationen. Genau dagegen möchte der Messenger-Dienst vorgehen.