Bild: John T/Unsplash
Immer weniger junge Menschen schaffen den Aufstieg in die Mittelschicht.

Wir gelten oft als eine Generation, die etwas ganz anderes will vom Leben als ihre Eltern – die sich mehr um die richtige Work-Life-Balance kümmert, statt auf ein Eigenheim zu sparen. Für mehr Sinn im Job stecken wir bei der Bezahlung eher zurück, um uns selbst erstmal zu finden, schieben wir die Familienplanung hinaus.

Das alles geschieht aber nicht ganz freiwillig. Denn entgegen dieser Vorurteile sind Millennials durchaus leistungsorientiert und wollen erfolgreich sein. Doch einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge wird es für uns immer härter, den Lebensstil unserer Eltern auch nur ansatzweise zu erreichen. 

Unter 30-Jährigen gelingt es demnach immer seltener, in die Mittelschicht aufzusteigen.

Während unsere Eltern sich noch ein Haus im Grünen leisten konnten, sind wir froh, wenn wir unsere winzige Stadtwohnung bezahlen können. Obwohl wir oft besser ausgebildet sind, verdienen wir nicht mehr. Gleichzeitig steigen unsere Ausgaben. So wird der Traum vom sozialen Aufstieg für unsere Generation zunehmend ungreifbarer.

Die OECD-Studie mit dem Titel "Under Pressure: The Squeezed Middle Class" untersucht den Anteil der 20 bis 29-Jährigen mit mittlerem Einkommen zu verschiedenen Zeitpunkten in 36 Industrienationen sowie Südafrika, China, Russland und Brasilien. Mittelschicht ist, wer zwischen 75 und 200 Prozent des nationalen Medianeinkommens verdient.

Bei unseren Eltern, den Babybommern, gehörten noch 68 Prozent in diesem Alter zu einem Mittelschicht-Haushalt. Bei den Millennials sind es heute nur noch 60 Prozent. In Deutschland liegt der Wert mit 71 und 61 Prozent nur knapp über dem OECD-Durchschnitt.

Die Forscher sehen dafür drei Gründe:

  • Zum einen sind mittlere Einkommen trotz Wirtschaftswachstum um ein Drittel weniger gestiegen als die Durchschnittseinkommen der oberen zehn Prozent.
  • Zum anderen sind die Kosten des für die Mittelschicht typischen Lebensstil gestiegen. Dazu gehört in vielen Ländern, ein eigenes Zuhause zu besitzen. Doch die Hauspreise sind in den letzten zwei Jahrzehnten dreimal so schnell gestiegen wie das mittlere Einkommen der Haushalte. Auch steigende Preise machen es immer schwerer zu sparen. Mehr als jeder fünfte Haushalt mit mittlerem Einkommen gibt mehr aus, als er verdient. Die Überschuldung ist höher als für Haushalte mit niedrigem oder hohem Einkommen.
  • Als dritten Grund nennen die Forscher unsere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind immer unsicherer geworden: Jeder sechste Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen hat einen Arbeitsplatz mit einem hohen Automatisierungsrisiko."

Die OECD fordert die Politik nun auf, der Mittelschicht mit einem umfassenden Aktionsplan zu helfen.

Die Mittelschicht bildet den Kern einer kohärenten, blühenden Gesellschaft. Wir müssen auf ihre Bedenken hinsichtlich der Lebenshaltungskosten, der Fairness und der Unsicherheit eingehen.
Gabriela Ramos, OECD

Um die Lebenshaltungskosten in den Griff zu bekommen, sei es notwendig, erschwinglichen Wohnraum zu fördern und den Wohnungsbau gezielt zu bezuschussen. Und angesichts der Herausforderungen eines sich verändernden Arbeitsmarkts, brauche es zudem mehr Investitionen in der beruflichen Bildung und Ausbildung.

Für Deutschland heißt das: In einer alternden Gesellschaft haben Millennials es besonders schwer. 

Denn schon lange ist klar: Der demografische Wandel bewirkt, dass der Generationenvertrag irgendwann nicht mehr aufgehen wird – und wir von unseren eingezahlten Rentenbeiträgen später nur wenig haben. Viele schrauben ihre Erwartung an eine Generationengerechtigkeit deshalb bereits runter.

Zudem ist der soziale Aufstieg in Deutschland grundsätzlich schwieriger als in vielen anderen Industrieländern, wie eine andere OECD-Studie gezeigt hat. Wer Deutschland gerechter gestalten will, muss deshalb die Millennials fördern – und mit ihnen den Mittelstand der Zukunft.


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