Bild: EPA/Alex Hofford

Hongkong hat zum ersten Mal seit den Regenschirm-Protesten wieder gewählt – und vor allem die Jugend hat dieses Mal einen deutlichen Eindruck hinterlassen. Drei junge Aktivisten der Occupy-Bewegung von 2014 wurden in den Legislativrat der Stadt gewählt. Sie stehen für eine chinakritische Politik und mehr lokale Selbstbestimmung. In den Medien werden sie daher auch als "Lokalisten" bezeichnet. (South China Morning Post)

Worum ging es bei der Wahl?

Hongkong war eine ehemalige britische Kolonie und ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone. China regiert seitdem mit starkem Einfluss in der Stadt, ein allgemeines Wahlrecht gibt es nicht. Der Übergang zur eigentlich versprochenen Selbstbestimmung läuft schleppend.

Nun standen Parlamentswahlen an. 40 Abgeordnete durften die Hongkonger wählen, 30 wurden von chinatreuen Berufsverbänden festgelegt (Zeit). Viele Hongkonger wollen aber alle Abgeordneten wählen dürfen – damit vor allem die China-Kritiker im Rat der Stadt mehr Gewicht bekommen.

Allerdings verfügt der Legislativrat in Hongkong nur über wenig Macht. Die Stadtregierung bräuchte nicht mal eine Mehrheit im Legislativrat.

Warum ist das trotzdem wichtig?

Hongkong wurde bei der Übergabe von Großbritannien an China weitreichende Autonomierechte zugesagt. Viele Bürger werfen China vor, sich daran nicht zu halten und zu viel Einfluss auf Hongkong auszuüben. China legt unter anderen die Kandidaten fest, die zum Verwaltungschef der Stadt gewählt werden können – die Kandidaten sind also ganz auf Linie mit der chinesischen Regierung.

Die Beteiligung lag bei knapp 60 Prozent, so hoch wie noch nie (Hong Kong Free Press). Besonders viele junge Menschen gingen zur Wahl – es ist ihre erste Möglichkeit auf Mitbestimmung. In Hongkong werden sie "Generation 97" genannt, weil sie kein Hongkong vor der chinesischen Übernahme von 1997 kennen.

Mit der Wahl hofften vor allem junge Hongkonger, die sich bereits in den Regenschirm-Protesten engagiert hatten, auf echte unabhängige Politiker. Bisher sitzen dort nur Gefolgsleute Chinas.

Was genau sind die Regenschirm-Proteste?

Vor allem Studenten und Schüler legten vor zwei Jahren für zwei Monate Teile des öffentlichen Lebens lahm. Die Demonstranten besetzten einen zentralen Teil Hongkongs – deswegen auch "Occupy Central". Weil sie sich mit Regenschirmen vor dem Pfefferspray der Polizei schützten, wird ihre Bewegung oft als "Umbrella-Movement" bezeichnet.

Hier erfährst du mehr über die Hintergründe der Bewegung:

Mit Regenschirmen gegen Pfefferspray – die Bilder der Proteste
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Wer sind die neuen Abgeordnete und was wollen sie?
  • Der bekannteste ist der 23-jährige Nathan Law Kwun-chung, er holte 90 Prozent der Stimmen in seinem Bezirk. Law ist eine der Schlüsselfiguren aus der Occupy-Bewegung und Gründer der daraus entstandenen Partei "Demosisto". "Demosisto" ist mitte-links und kämpft für mehr direkte Demokratie. "Die Hongkonger wollen wirklich Veränderung", sagte Law in der Wahlnacht.
  • Einen Überraschungssieg holte auch der 38-jährige Eddie Chu Hoi-dick. Er gewann in einem Randbezirk von Hongkong, in dem bisher eher pro Peking gewählt wurde. Chu setzte sich für den Erhalt eines Dorfes ein, dass die chinesische Regierung planieren wollte (South China Morning Post). Von Gegnern erhält er mittlerweile Drohungen. Beim Wahlergebnis brach er in Tränen aus, in Sorge um die Sicherheit seiner Familie.
Wie reagierte China auf das Wahlergebnis?

In chinesischsprachigen Medien findet die Berichterstattung über die Wahl nicht statt. Diskussionen auf Social-Media-Plattformen werden gelöscht oder zensiert, berichtet das Hongkonger Medienblog China Media Project.

Auch englischsprachige Medienangebote in China können nicht frei berichten (Hong Kong Free Press). Die auf englisch erscheinende "Globas Times" berichtete hingegen über die Wahl, maß aber der außergewöhnlich hohen Wahlbeteiligung kaum Bedeutung bei. Kein Wunder: Die Zeitung steht fest an der Seite der chinesischen Regierung.

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"See you on the 7th", heißt es doppeldeutig in der Einladung von Apple. Denn obwohl das Event am 7. September stattfindet, kann man den Satz auch so interpretieren, dass damit das iPhone 7 gemeint ist. Zudem sind im Hintergrund verschwommene Lichter zu erkennen. Eine klare Andeutung auf ein neues Kamerasystem in der nächsten iPhone-Generation.

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