Bild: Tobias Hase/dpa
Warum das wichtig ist, erklärt in 2 Zitaten

Wer keine eigene Wohnung hat, ist oft schutzlos. Erst am vergangenen Wochenende wurde zwei Obdachlose vor den Fahrstühlen in einem Berliner S-Bahnhof angezündet und lebensgefährlich verletzt, der Täter konnte fliehen (bento). Jetzt wollen sich Wohnungs- und Obdachlose in Deutschland besser organisieren und eine eigene Interessensvertretung aufbauen.

Was steckt hinter der Initiative?

Anlass für die Initiative war das Bundestreffen der Wohnungslosen in Freistatt in Niedersachsen, das vergangene Woche fast zeitgleich zum Angriff in Berlin begonnen hatte. An dem Treffen nahmen etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil. Sie hatten sich über die Homepage Wohnungslosentreffen.de und über Facebook organisiert und vernetzt. Unterstützt wurden sie unter anderem von Kirchen und Sozialverbänden.

In einer Erklärung solidarisierten sich die Teilnehmenden mit den beiden Opfern des Angriffs in Berlin. Dabei machten sie aber auch deutlich, dass viele Menschen ohne eigene Wohnung bereits ähnliche Erfahrungen mit Gewalt gemacht haben: 

"Für uns ist Gewalt eine alltägliche Erfahrung - Gewalt als Folge der Verrohung des menschlichen Miteinanders und des allgemeinen Rechtsrucks."
Erklärung des Wohnungslosentreffens

Weiter hieß es in der Erklärung: "Warum sind Menschen so schutzlos? Warum gelingt es nicht, allen dort lebenden Menschen würdigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen?"

Um die Rechte von Menschen ohne Wohnung besser vertreten zu können, wollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer künftig stärker vernetzen. Der Koordinator des Wohnungslosentreffens, Stefan Schneider, kündigte außerdem an, erstmals eine bundesweite Selbstvertretung aufbauen zu wollen (taz). 

Was ist der Unterschied zwischen wohnungs- und obdachlos?

Obdachlos sind Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben und auf der Straße oder an öffentlichen Plätzen leben. Gleichzeitig sind damit aber auch Personen gemeint, die in Notunterkünften, Wärmestuben oder ähnlichen Einrichtungen unterkommen. 

Wohnungslos sind Menschen, die dort leben, wo ihr Aufenthalt zeitlich begrenzt ist, weil kein dauerhafter Wohnplatz zur Verfügung steht. Das kann etwa in Wohnheimen der Fall sein, aber ebenso, wenn man nur für begrenzte Zeit bei einer anderen Person in der Wohnung unterkommt. 

Wohnungslos sind etwa Geflüchtete, die in Erstaufnahmeeinrichtungen leben, oder Frauen, die in einem Frauenhaus unterkommen. (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe)

Was soll damit erreicht werden?

Die Situation obdachloser und wohnungsloser Menschen werde in der Öffentlichkeit häufig nur als Problem beschrieben, sagte Schneider. Was dabei nicht beachtet werde:

"Wir haben aber auch Stärken und Fähigkeiten."
Stefan Schneider

Diese wollen die Wohnungs- und Obdachlosen verstärkt in politische Debatten und soziale Initiativen einbringen.

Worum geht es?

  • Eine auf sie zugeschnittene medizinische Versorgung mit mehr Arztmobilen und kostenlosen Medikamenten 
  • Die bessere Behandlung von chronischen Krankheiten 
  • Die Versorgung psychisch kranker Wohnungsloser 
  • Einen höhere Unterstützung durch Sozialhilfe für Menschen, die auf der Straße leben
  • Mehr Möglichkeiten, den Kontakt zu getrennt lebenden Kindern aufrecht zu erhalten (Domradio)

Außerdem forderten die Teilnehmer des Treffens, dass das Recht auf eine Wohnung im Grundgesetz verankert wird. Wohnungslose Menschen sollten künftig auch in Bauvorhaben einbezogen werden. 

Bislang geht es in vielen Städten eher darum, Armut und Obdachlosigkeit möglichst unsichtbar zu machen.


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