Bild: dpa / Aaron M. Schreiber
Wir haben sieben Gründe zusammengetragen.

Schärfere Waffengesetze wird es in den USA wohl so schnell nicht geben, der Kongress wehrt sich. Jetzt versucht Obama im Alleingang, trotzdem etwas zu verändern. In einer Rede hat er am Dienstag neue Maßnahmen zur Waffenkontrolle angekündigt: In Zukunft sollen Käufer und Verkäufer von Schusswaffen mithilfe von Hintergrund-Checks besser überprüft werden. Außerdem sollen Waffen technisch sicherer gemacht und Kontrollen verbessert werden.

Dazu schlägt Obama mehr Ermittler im Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe vor sowie zusätzliches Personal für das FBI. Dafür ist er nicht auf die Zustimmung des Kongresses angewiesen. (SPIEGEL ONLINE)

Hier sind die sieben größten Missstände:

1. In den USA gibt es fast so viele Schusswaffen wie Menschen

Einer Statistik des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) aus dem Jahr 2012 zufolge entfallen auf 100 US-Amerikaner durchschnittlich fast 89 Schusswaffen. Damit ist der Anteil dort weltweit am höchsten – und zwar mit Abstand. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf 100 Menschen 30 Waffen. (Guardian) Ein Bericht des US-Kongresses zählte Ende 2012 gar 310 Millionen Waffen für die USA auf - damit kommt auf jeden US-Bürger eine Waffe.

2. Jeder darf eine geladene Waffe bei sich haben

Um sich selbst zu schützen, dürfen US-Bürger eine schussbereite Waffe führen. Das gilt seit 2010 auf Entscheid des Obersten Gerichts für alle US-Bundesstaaten. Die Richter orientieren sich am 2. Zusatz der Bill of Rights, verabschiedet im Jahre 1791. Dort heißt es:

A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms shall not be infringed.
Second Amendment

Kritiker argumentieren zwar, dass sich "Militia" auf Sicherheitskräfte beziehe und mit "Arms" im 18. Jahrhundert sicher was anderes gemeint war als heutige automatische Gewehre. Die Stadt Chicago hatte gar über lange Zeit das Tragen bestimmter Waffen verboten. Mit dem umstrittenen Urteil des Obersten Gerichts war das jedoch alles hinfällig: Das Bedürfnis, sich zu verteidigen, sei "sehr akut", heißt es im Grundsatzurteil. Und: "Für Amerikaner ist die Handfeuerwaffe der Inbegriff der Selbstverteidigung."

3. Immer wieder geraten die Waffen in die Hände von Kindern und Jugendlichen

2015 schossen Minderjährige durchschnittlich fünfmal pro Woche versehentlich auf sich selbst oder jemand anderes. Das zeigen Analysen der Lobby-Organisation "Everytown for Gun Safety“. In der Erhebung wurden nur Unfälle berücksichtigt, keine Amokläufe oder Suizide. Meist ereigneten sich die Schießereien beim Opfer zu Hause (148 Fälle), gefolgt vom zu Hause eines Freundes (31-mal) oder eines anderen Familienmitglieds (28-mal). (bento)

4. Jeder darf sich seine eigene Waffe basteln

Für den persönlichen Gebrauch dürfen sich US-Bürger eigene Waffen lizenzfrei basteln. Das definiert das Bureau of Firearms in einer Bürgeranfrage. Verboten ist allein: sich eine Waffe basteln, die nicht von Metalldetektoren entdeckt werden kann; ein Gewehr aus zehn oder mehr Teilen zusammen zu basteln; eine Waffe für den Verkauf zu bauen.

5. Die Magazine sind zu fett

Die meisten in den USA verkauften Pistolen fassen zehn bis 17 Schuss. Zu viel, finden Kritiker und fordern eine Begrenzung. Diese gibt es allerdings in 42 der 50 Bundesstaaten nicht. Der Staat New York war unter anderem vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, Magazine auf sieben Patronen zu beschränken. Im SAFE Act von 2013 sind nun zehn Schuss festgeschrieben. Die National Rifle Association nannte das Gesetz "drakonisch". (NBC)

6. Die Gesetze bei Hausfriedensbruch sind ein Chaos

Das Gute zuerst: Niemand darf in den USA tödliche Gewalt gegen einen Eindringling anwenden. Nun das Aber: Es ist in fast jedem Bundesstaat erlaubt, auf Einbrecher zu schießen, um sich und sein Grundstück zu beschützen.

Wer wann zum Einbrecher wird, und was als Grundstück gilt, ist je nach Bundesstaat unterschiedlich. In Florida ist es okay, zu schießen, wenn sich jemand gewaltsam Zutritt zum Haus verschaffft - aber nicht, wenn er nur im Garten steht. Einige Staaten verlangen eine "Pflicht zum Rückzug" bei Gefahr, andere - wie zum Beispiel Texas, Alaska oder Kansas - ermöglichen Stand-your-Ground-Aktionismus. Schießt jemand, der "seinen Platz behauptet", muss er sich später nicht zwingend vor Gericht verantworten.

#myhousemyrules #ihavetherighttobeararms #mindyourdamnbusiness #proudgunowner

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7. Waffen töten Menschen

Rund 33.000 Amerikaner werden jährlich durch Schusswaffen getötet (Tötungen, Selbstmorde und Unfälle). Allein zwischen 2001 und 2013 starben mehr US-Bürger durch eine Waffe als zusammengenommen an AIDS, an einer Überdosis, in Kriegseinsätzen oder durch Terrorangriffe. (Vox) Darunter sind nach Angaben des Brady Center to Prevent Gun Violence auch rund 3000 Kinder jährlich - oder durchschnittlich neun Kinder pro Tag.

Quellen:

  • Urteil des Obersten US-Gerichts vom 28. Juni 2010 zur Selbstverteidigung (Supreme Court)
  • States That Have Stand Your Ground Laws (FindLaw)
  • Gun Control Legislation (US Congress)
  • Infografik zu Kindern und Waffenbesitz in den USA (Brady Center)