Ganze 438 Sitzungstage lang haben die Richter am Oberlandesgericht in München das Böse verhandelt. Ein rechtsextremes Trio tötet über sieben Jahre hinweg insgesamt zehn Menschen. Neun davon aus purem rassistischem Hass. Das Trio verübt zwei Bombenanschläge, zieht Raubüberfälle durch – dann tauchen sie für mehrere Jahre ab. 

Der "Nationalsozialistische Untergrund", kurz NSU, ist Deutschlands größte rechte Terrorzelle der Nachkriegszeit. 

Die Frage, wie die Taten des NSU zu bewerten sind, beschäftigte die Justiz fünf Jahre – fünf Jahre, in denen sich Deutschland selbst sehr verändert hat.

Beim NSU-Prozess ging es um eine einfache Frage: Warum? Und es ging um die Erkenntnis, dass es darauf keine einfache Antwort geben kann. 

Der Prozess war monströs, denn er musste ein gesellschaftliches Monster verarbeiten: Ist Deutschland auf dem rechten Auge blind? 

Die Angehörigen der Überlebenden fragen sich genau das. Wie kann es sein, dass Verfassungsschützer und Polizei über mehrere Jahre nichts mitbekamen von Neonazis, die mordend durch Deutschland reisten. Die andere Mitbürger aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft umbrachten.

Ermittler dachten viele Jahre, die Toten müssen in ein "Milieu" verstrickt sein, Medien schrieben abwertend von den "Döner-Morden". Ein Maschinenbauer aus Nürnberg, ein Gemüsehändler aus München, ein Kioskbesitzer aus Dortmund – alle deutschlandweit vernetzt in Drogengeschäfte?

Wer das ohne Stirnrunzeln annimmt, offenbart sein Schubladendenken: Hier die "guten Deutschen", dort die "kriminellen Zuwanderer". Als der NSU aufflog, als die Opfer plötzlich keine Täter mehr waren, war die Überraschung groß. 

Doch das Denken in Vorurteilen ist zurück. Es gibt in Deutschland wieder ein 'wir' gegen 'die'.

Denn Deutschland ist in den fünf Jahren deutlich rauer geworden. Rechter geworden.

Zwei Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses gab Bundeskanzlerin Angela Merkel Schutzsuchenden entlang der Balkanroute die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Deutschland feierte kurz seine "Willkommenskultur", dann änderte sich mit der Silvesternacht in Köln vieles. Flüchtlinge wurden pauschal zu Gewalttätern, die AfD machte mit Ausländerfeindlichkeit Wahlkampf und wurde im Herbst 2017 zur stärksten Oppositionskraft im Bundestag (bento).

Seitdem hat sich vieles verschoben. Politiker benutzen Begriffe wie "Asyltourismus" und "Rückführung", es geht nicht mehr um menschliche Schicksale sondern um Verwaltungsaufgaben. Deutsche, die hier geboren und aufgewachsen sind, werden wieder ausgegrenzt – wenn sie nicht weiß genug aussehen oder ein Kopftuch tragen. Ein Innenminister kann sich freuen, wenn an seinem Geburtstag Menschen in ein Bürgerkriegsland abgeschoben werden. 

Aber der Prozess hat seine Aufgabe erfüllt – denn er bleibt ein Zeichen für den starken Rechtsstaat.

Vor Gericht wurde nicht verhandelt, was die Flüchtlinge mit uns machen, die hier eine neue Heimat finden wollen. Oder was der Heimatminister, der diese Flüchtlinge nicht hier haben will, mit unserem Miteinander macht.

Vor Gericht wurde verhandelt, wie es einem rechtsextremen Trio gelingen konnte, über Jahre hinweg Hassmorde begehen zu können. Die Verteidiger hatten dabei die Chance, Zweifel zu sähen. Die Täterin zu schützen. Das muss ein Rechtsstaat aushalten. 

Im Urteil muss diese Täterin nun lebenslänglich ins Gefängnis. Die Richter erlauben ihr keine Bewährung – wegen einer "besonderen Schwere der Schuld". Dieses Urteil bringt die Toten nicht zurück. Noch beantwortet es alle Fragen zum NSU. 

Aber es gibt eine klare Antwort: Rechter Terror bleibt nicht ungesühnt.


Art

"Almost Famous" zeigt Menschen, die sich ihren Namen mit berühmten Persönlichkeiten teilen
Sieben Menschen und ihre Porträts.

Im Urlaub von Fans belagert zu werden. Einen Tisch im Restaurant reservieren zu wollen, aber nicht zu können, weil die Person am anderen Ende der Leitung den Anruf für einen schlechten Witz hält. Und einfach auflegt. 

Diese Probleme kennen Schauspielerinnen und Schauspieler, Sportlerinnen und Sportler und Menschen, die zwar nicht in der Öffentlichkeit stehen, sich den Namen aber mit berühmten Schauspielerinnen und Sportlern teilen.