Drei nicht-weiße Menschen erklären, was die Angst vor rechtem Terror für ihr Leben heißt

Ob wir in der Großstadt in die U-Bahn steigen oder überlegen, ob das Festival das Risiko Wert ist: Angst vor Terroranschlägen ist für uns fast alltäglich geworden.

Die Gefahr, Opfer von Terrorismus zu werden, ist statistisch sehr niedrig. (SPON) Trotzdem hatte 2018 mehr als jeder Zweite Angst vor Anschlägen, so die Studie eines Versicherers. (R+V)

Vor allem für nicht-weiße Menschen betrifft das auch die Angst vor Rechtsterror, nicht erst seit dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch.

Seit Monaten wird über Drohmails berichtet, die an Politikerinnen, Journalisten und Anwältinnen gerichtet waren. Unterschrieben von einem "NSU 2.0". Bisher konnten die Absender nicht ermittelt werden (SPIEGEL ONLINE). Gleichzeitig gibt es Meldungen über rechtsextreme Netzwerke bei der Bundeswehr (taz). Und obwohl Beate Zschäpe verurteilt wurde, konnte der NSU-Prozess viele Fragen nicht beantworten.

Was macht das mit People of Color, die in Deutschland leben? Wir haben mit drei Menschen gesprochen.

Jasmin, 23

(Bild: Privat)

Ich frage mich, ob wir uns hier überhaupt noch sicher fühlen dürfen. Ich bin jetzt nicht zu Tode verängstigt, aber es gibt mir ein extrem ungutes Gefühl im Bauch.

Ich hatte nach dem NSU das Vertrauen in den Staat verloren. Da wurde Aufarbeitung versprochen, die hat aber nicht wirklich stattgefunden. Jetzt ist die Politik damit beschäftigt, die Wählerschaft zurückzuholen, die zur AfD übergelaufen ist – statt  bei uns darum zu kämpfen, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Es ist eine Mischung aus Angst, Furcht und Vertrauensbruch.

Vor ein paar Jahren war ich allein in der S-Bahn unterwegs und vor mir saß eine Klischee-Glatze, der hatte sich sogar "White Pride" auf den Hals tätowiert. Irgendwann ist er aufgestanden und hat sich zu mir gesetzt. Kurz danach sind einige People of Color zugestiegen und ich konnte mich mit ihnen verdrücken.

Aber ich frage mich in solchen Situationen, ob ich mich überhaupt noch an unsere Sicherheitsorgane wenden kann, wenn etwas ist? Ob zum Beispiel die Polizei schon unterwandert ist von rechten Strukturen?

Akin*, 27

Ich weiß noch, als der NSU bekannt wurde. Gerade kleine Gastronomiebetreiber waren damals sehr verunsichert. Meine Mutter hat während der Mordserie noch eine Kneipe betrieben und damals ernsthaft überlegt, sich einen Waffenschein zuzulegen.

Die Angst, die der NSU verbreiten wollte, ist also tatsächlich auch angekommen.

Mich hat das damals gar nicht überrascht. Und ich kann mich nicht an einen meiner Verwandten oder Bekannten erinnern, der damals an eine Art türkische Mafia geglaubt hat, wie es die Polizei vermutete. Ich war da gerade 18 und weiß noch, dass mich das Wort "Dönermorde" schon damals genervt hat. Uns war klar, dass das die Taten von Rassisten gewesen sein müssen.

Ich glaube, die waren schon immer da, aber eher still im Hinterzimmerchen, und treten jetzt öffentlich immer stärker in Erscheinung.

Dass mir heute persönlich etwas passiert, glaube ich nicht. Aber das sage ich auch aus der Perspektive eines jungen Mannes: Ich fühle mich recht fit, habe eine sehr helle Haut und bin sehr angepasst. Und ich versuche, meine Ethnizität so stark wie möglich in den Hintergrund zu rücken.

Ash, 33

Mich macht es wütend, dass alle so überrascht tun: Rechtsextremismus und rassistische Gewalt haben eine historische Kontinuität. Bei mir kommen da auch alte Gefühle hoch. Ich bin in den Neunzigerjahren groß geworden, die rechtsextremen Taten von Mölln, Solingen, Rostock und Hoyerswerda habe ich alle mitbekommen.

Ich habe das Gefühl, die Dinge wiederholen sich. Wir haben seit über 60 Jahren Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter und eine Geschichte voller rassistischer Gewalt. Und ich glaube, es gibt viel zu wenig Aufarbeitung. Dabei benennen schwarze Menschen und People of Color in Deutschland die Probleme mit rassistischer Gewalt seit Jahren.

Ich wurde selbst auch schon bedroht: anonym über Social Media. Als Experiment habe ich dann einmal Tellonym benutzt, ein Tool, mit dem man mir anonym Nachrichten zukommen lassen kann.

Da haben mir Leute sehr oft Drohungen geschrieben, wie "Bald brennen wieder die Öfen".

Andere schrieben "Wir sind schon gut aufgestellt" oder sprachen von einem "Tag X". Im Alltag habe ich verschiedene Strategien entwickelt, um mit solchen Drohungen umzugehen. Ich versuche es meist mit Ignorieren – manchmal aber auch mit Gegenrede.

*Name von der Redaktion geändert

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Streaming

Nackedei und Streiterei: Die siebte Folge von GNTM im Speed-Check
DRAMA!

7 von 15 Folgen der mittlerweile 14. Staffel "Germany's Next Topmodel" haben wir bereits überstanden. Das ist definitiv ein Grund zum Feiern. Keinen Grund zum Feiern hatten wir nach der eher bescheidenen sechsten Folge. Zu viel Harmonie, zu viel Jasmin. In Folge 7 gab es zwar auch viel Jasmin, aber dafür sehr, sehr wenig Harmonie

Was in Folge 7 von GNTM 2019 alles passiert ist, kannst du hier in unserem Speedcheck nachlesen.

Die Schnellzusammenfassung: 

Hoher Besuch in der Modelvilla: Heidi Klum hat es irgendwie geschafft, ihre Topmodel-Kollegin Gisele Bündchen dazu zu überreden, mit ihr die Kandidatinnen in der Modelvilla zu besuchen. Die Freude ist riesig. Kandidatin Melissa ist sogar so begeistert, dass sie keinen geraden Satz mehr sprechen kann. 

Die Freude hält nicht lange an, am nächsten Morgen schaut noch jemand in der Villa vorbei – der Produktionsleiter. Er muss Enisa abholen, die es vor lauter Heimweh nicht mehr aushält und gerne ihren Freund, einen eher durchschnittlich lustigen YouTube-Prankster, sehen möchte. Sie verlässt freiwillig die Show.

Außerdem: Das große Nacktshooting steht an. Diesmal bekommen die Kandidatinnen sogar tierische Unterstützung.

Der Dialog, der alles sagt:

Heidi Klum braucht Kaffee, Theresia nimmt ihre Bestellung auf:

"Normaler Kaffee oder Espresso?"

"Ne, am liebsten mit Milch, wenn ihr habt. Blond und süß – so wie ich."

Der emotionale Tiefpunkt:

Während des Entscheidungswalks kommt es im Backstage-Bereich zum Streit zwischen den Wackelkandidatinnen, Jasmin und Lena. Nach dem Wortgefecht wird Jasmin handgreiflich, der Bildschirm schwarz. Die anderen Kandidatinnen stehen unter Schock und Heidi eilt herbei, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was gerade passiert ist.

Der emotionale Höhepunkt: 

Heidis Gespräch mit Jasmin nach ihrem Ausraster. So ehrlich, nahbar und menschlich hat man Heidi in 14 Staffeln noch nie erlebt. Wie eine Mutter erklärt sie geduldig und ruhig, warum Jasmins Verhalten nicht richtig war und dass sie auch mal weghören muss, wenn jemand mit Worten um sich schießt. 

Noch ein Höhepunkt, weil nicht alles schlecht war:

DIE. WELPEN. Die kleinen Flauschbälle haben jeder einzelnen Kandidatin die Show gestohlen.

Der empowerndste Satz: 

"Die ist 17, die soll erstmal erwachsen werden!" – Jasmin, 18.

Die überraschendste Erkenntnis: 

Erfolg misst man im Jahr 2019 nur noch an Instagram-Followerzahlen.

Das schönste Product-Placement: 

Die saftige Ananas, die Theresia kurz vor dem Besuch von Gisele Bündchen liebevoll zerschneidet.

Wer fliegt als Nächstes raus: 

Lena. Wer mit einem süßen Hund im Arm noch immer so emotionslos vor der Kamera steht, verdient es nicht, Topmodel genannt zu werden.

Wer kommt aufs Cover der deutschen Harper’s Bazaar: 

Die Welpen. Für mehr Hunde in Modezeitschriften!