Bild: Getty Images/Scott Olson
Jetzt hat auch Amerika eine Aufschrei-Debatte.

Sexismus, Verachtung, peinliche Protzerei: Mit dem von ihm gerühmten "Griff an die Pussy" angeblich williger Frauen hat sich Präsidentschaftskandidat Donald Trump ein weiteres Mal für das von ihm angestrebte Amt disqualifiziert – und sich nebenbei den Unwillen von Frauen weltweit eingehandelt.

Die kanadische Schriftstellerin und Bloggerin Kelly Oxford wollte es genauer wissen: Wie oft werden Frauen tatsächlich Opfer massiver sexueller Übergriffe? Via Twitter bat sie Geschlechtsgenossinnen, ihr erstes entsprechendes Erlebnis unter #notokay zu posten. Die Autorin machte selbst den Anfang und schrieb: "Alter Mann greift im Stadtbus nach meiner "Pussy" und lächelt mich an, ich bin 12."

Ich war 14, mein Stiefvater begrapschte mich, das und Schlimmeres für zwei Jahre, bevor ich anfing mich zu wehren.

Was folgte, war eine Welle von Zeugnissen kriminellen männlichen Verhaltens. Kelly selbst war schockiert über die Massen von Meldungen, die sie erreichten. Ganz naiv habe sie am Anfang gedacht, "wenn keiner diskutiert, kann ich die Debatte ja wieder schließen". Dann hätten sie bis zu 50 Postings in der Minute erreicht.

Mehr als 721.000 Menschen folgen Oxford inzwischen - die Reaktion ist gewaltig und hat eine Debatte losgetreten, die an die in Deutschland unter dem Hashtag #Aufschrei geführte Auseinandersetzung mit männlichen Übergriffen erinnert.

Viele Zeugnisse der Userinnen sind erschütternd und gehen weit über sexuelle Belästigung hinaus: "Ich war 14, mein Stiefvater begrapschte mich, das und Schlimmeres für zwei Jahre, bevor ich anfing mich zu wehren. Mit 18 war ich obdachlos & wurde zweieinhalb Wochen lang in einem Zelt vergewaltigt", schreibt eine Frau.

Ein weiteres Opfer kann sich noch nicht einmal mehr an den ersten sexuellen Übergriff erinnern – sondern nur an den schlimmsten.

Mehr als 8,5 Millionen Antworten hat Oxford laut eigener Aussage bisher erhalten. "Wenn mein Aufruf ein Nachrichtenticker wäre, sähe es so aus, als gäbe es einen Krieg gegen Frauen", schreibt Oxford.

Die Dunkelziffer solcher Delikte ist naturgemäß riesig, gerade wenn die Opfer minderjährig sind und Zeugen fehlen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Fünftel der Frauen mindestens einmal im Leben sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist.

Die Täter sind auch bei #notokay Männer von nebenan, aus allen Schichten: Stiefväter, Klassenkameraden, Sportlehrer, militärische Vorgesetzte oder Ärzte. "Das Überraschende war die große Zahl involvierter Ärzte", sagte Oxford im Interview mit der "Washington Post". "Auch zwei meiner Täter waren Mediziner, ich hatte immer gedacht, ich habe Pech gehabt."

Auch viele Männer meldeten sich zu Wort, darunter der britische Schauspieler Jason Isaacs, bekannt durch seine Rolle als Lucius Malfoy in den "Harry Potter"-Filmen: Er empfahl die Debatte als Pflichtlektüre für jedermann und fragte: Wie kann ich als Mann Teil der Lösung des Problems sein?

Was wünscht sich die Initiatorin von #notokay? "Es passiert fast jeder Frau. Wir müssen davon wegkommen, Frauen als Objekt zu betrachten, um das zu stoppen." Es sei wichtig, die Reaktionen als politische Bewegung zu sehen. Zwar habe Trump die Debatte mit seinen Kommentaren in Gang gesetzt. "Aber hier geht es nicht um ihn. Es geht um uns."

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Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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