Bild: dpa/KCNA
Was ist passiert?

Nordkorea hat nach eigenen Angaben am Mittwoch einen Atomtest mit einer Wasserstoffbombe durchgeführt. Eine Nachrichtensprecherin hatte dies im staatlichen Fernsehen verkündet. Doch Untersuchungen von Experten zeigen, dass es sich gar nicht um eine solche gehandelt hat. Die Messungen der Erdbebenstärke bestätigen zwar einen Kernwaffentest, aber nicht den einer Wasserstoffbombe. Dort liegt die Sprengkraft deutlich höher. (Süddeutsche)

Der US-Geologiedienst USGS meldete ein Beben der Stärke 5,1. Das deutet auf eine Bombe mit einer Sprengkraft von 14 Kilotonnen hin. Die Atombombe von Hiroshima, die 1945 über Hiroshima niedergegangen war, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 15 Kilotonnen. (SPIEGEL ONLINE) Die erste jemals getestete Wasserstoffbombe, von den USA im Jahr 1952 gezündet, kam auf eine Sprengkraft von 10,4 Megatonnen.

Welche Reaktionen gibt es?

International wurde das Vorgehen des autoritär regierten Landes scharf kritisiert. Der Uno-Sicherheitsrat hat Schritte gegen Nordkorea angekündigt. Der Atomtest sei "ein klarer Verstoß gegen die Resolutionen des Sicherheitsrats", sagte der amtierende Vorsitzende des Gremiums, Uruguays Uno-Botschafter Elbio Rosselli, am Mittwoch nach einer Dringlichkeitssitzung. (SPIEGEL ONLINE)

Auch der US-Präsidialamtssprecher Earnest betonte, dass jede Form von Atomtests ein Verstoß gegen die Auflagen der Vereinten Nationen sei. Der Atomtest sei eine enorme Provokation, die den Frieden und die Sicherheit in der Welt gefährde, sagte US-Außenminister John Kerry. (Süddeutsche)

Hat Nordkorea bereits Atomwaffen getestet?

Zwischen 2006 und 2013 hat Nordkorea drei herkömmliche Atomtests unternommen, auf die der Uno-Sicherheitsrat jeweils mit Strafmaßnahmen reagiert hatte. 2013 handelte es sich um den ersten Test unter dem Diktator Kim Jong Un.

Damals lag das Epizentrum nur einen Kilometer unter der Erdoberfläche. Laut US-Geologen erreichten die Erschütterungen eine Stärke von 4,9. Die Bombe im Jahr 2006 hatte eine Sprengkraft von einer Kilotonne, die 2009 von zwei Kilotonnen. (SPIEGEL ONLINE)

Zu Beginn des Jahres 2015 besaßen neun Staaten – die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – rund 15.850 Atomwaffen. (Stockholm International Peace Research Institute)

Warum fürchtet sich die Welt vor Nordkorea?

Nordkorea ist auf dem Papier eine Demokratie, wird aber seit mehr als 60 Jahren von der Familie Kim diktatorisch regiert. Mit Südkorea befindet sich das Land in einem ständigen Spannungsverhältnis – und droht schon mal gerne mit einem Atomkrieg. Da nur wenige Nachrichten über die tatsächliche Militärkraft Nordkoreas nach außen dringen, wird jedes Manöver mit Sorge beobachtet: Hat Pjöngjang das Zeug zum Krieg?

Zumindest innenpolitisch trimmen die Herrscher ihre Bevölkerung seit Jahrzehnten auf Alarmzustand. Die regelmäßigen Bombentests sollen auch von der sozialen Schieflage ablenken: Die medizinische Versorgung im Land ist unzureichend, Lebensmittel sind ständiger Mangel. Immer wieder verschwinden Menschen, die dem Regime nicht passen. Eine freie Meinungsäußerung ist nicht möglich. (Amnesty International)

Hier ein Video der nordkoreanischen Agentur KCNA mit angeblichen Bildern des Tests:

Welche Beziehungen gibt es zu Nordkorea?

Erzfeind Südkorea hatte 2000 mit der sogenannten "Sonnenscheinpolitik" eine Entspannung mit Nordkorea angestrebt. Erstmals konnten sich Familienmitglieder nach Jahrzehnten der Teilung wiedersehen. Auch international öffnete sich Pjöngjang: Ein Expertenteam wurde 2007 ins Land gelassen, um Atomanlagen zu zerstören. Noch wenige Jahre zuvor hatte der damalige US-Präsident George W. Bush Nordkorea gemeinsam mit Irak und Iran zur Achse des Bösen gezählt.

Mit der Annäherung war es jedoch wieder dahin, als die Nordkoreaner 2010 ein südkoreanisches Kriegsschiff vor der eigenen Küste versenkt haben soll. (NZZ)

Wer sind die Kims?

Die Diktatur in Nordkorea begann mit Kim Il Sung, der das Land ab 1948 regierte. Das Land wurde nach sozialistischem Vorbild aufgebaut: Kim Il Sung war Generalsekretär der Staatspartei und Staatspräsident in einem. Zugleich schuf er einen Heldenkult um sich und seine Familie und ließ sich als "Großer Führer" ansprechen.

Nach seinem Tod 1994 übernahm Sohn Kim Jong Il die Führung – allerdings nur noch als Generalsekretär und auch erst nach einer dreijährigen Trauerphase. Der Vater blieb "Ewiger Präsident", der Sohn durfte sich jedoch "Geliebter Führer" nennen.

2011 starb Kim Jong Il und die dritte Generation Kim übernahm die Macht im Land: Kim Jong Un, Enkel des ersten und Sohn des zweiten Kims, wurde mit nur 28 Jahren zum neuen Generalsekretär. Er wird als "Oberster Führer" bezeichnet.

Quellen

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