Bild: dpa/Wong Maye
Drei Szenarien für den Konflikt mit den USA

Fast täglich neue Drohungen und Raketentests, die USA schicken Kriegsschiffe, die Nordkoreaner halten eine dicke Militärparade ab. Selten war der Konflikt mit Nordkorea so angespannt wie in den vergangenen Tagen.

Nun warnen Experten vor einer militärischen Eskalation – mit ungeahnten Folgen. Denn Nordkorea arbeitet an Atomwaffen und sein Staatsoberhaupt Kim Jong Un gilt als unberechenbar.

Wie groß ist die Gefahr eines Krieges? Und welche Optionen gibt es, um den Konflikt zu entspannen?
Was ist passiert?

Nordkorea hat am Samstag eine Rakete getestet, der Test war allerdings nicht erfolgreich. Das berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Auch das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte das Scheitern des Tests.

Nordkorea habe anscheinend versucht, eine sogenannte ballistische Rakete abzufeuern, die jedoch "fast sofort explodiert" sei, erklärte ein Sprecher des US-Pazifik-Kommandos.

Uno-Resolutionen untersagen Nordkorea den Abschuss ballistischer Raketen. Südkorea verurteilte den Test "scharf". Man werde "entschieden" auf weitere nordkoreanische Provokationen reagieren, hieß es in einer Stellungnahme. (SPIEGEL ONLINE)

Nordkorea testet seit Jahren Raketen und Wasserstoffbomben – und will damit vor allem den Nachbar Südkorea provozieren (bento). Inzwischen haben die USA einem der jüngsten Tests einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe vor die koreanische Küste geschickt.

Seitdem überbieten sich sowohl der nordkoreanische Diktator Kim als auch US-Präsident Donald Trump mit Kriegsrhetorik. Nordkorea sei zu "jeder Art von Krieg" bereit, sagt der eine (SPIEGEL ONLINE). "Maximum pressure", verspricht der andere ("Washington Post") – und hofft vor allem auf Unterstützung Chinas (bento).

Den Konflikt fasst Trump so zusammen:

Was steckt dahinter?

Nordkorea arbeitet seit Jahren an einer eigenen Atombombe. Auch internationaler Druck und schwere Sanktionen konnten das Regime bislang nicht bremsen. Die neue US-Regierung hat mehrfach angekündigt, mit der Nordkorea-Strategie ihrer Vorgänger zu brechen. Bislang ist aber völlig unklar, was außer Drohungen damit gemeint ist. Obama hatte eine zeitlang auf Dialog mit Nordkorea gehofft (Council on Foreign Policy), dann aber zunehmend den Druck erhöht.

Nachbarland China fürchtet nun eine Eskalation und hat beide Seiten zur Mäßigung aufgerufen. China unterstützt Nordkorea seit langem, vor allem wirtschaftlich. Wirklich sympathisch sind sich beide Länder allerdings nicht – China fürchtet eher, dass eines Tages US-Truppen an der chinesischen Grenze stationiert werden könnten. Nordkorea gilt der Großmacht als Puffer (Tagesschau).

Wie ernst ist die Lage?

Die Situation ist derzeit vor allem deshalb schwierig, weil niemand wisse, was die US-Regierung vorhat, sagt Prof. Aurel Croissant von der Universität Heidelberg. Der Politikwissenschaftler hat längere Zeit in Südkorea gelebt.

Schwierig ist der Konflikt auch deshalb, weil niemand ausschließen kann, dass es auf einer Seite zu Kurzschlussreaktionen kommt. Nordkorea gilt als eines der am stärksten militarisierten Länder der Welt und verfügt über Raketen, die Japan erreichen könnten.

Diese Karte zeigt, welche Länder nordkoreanische Raketen erreichen könnten:

Allerdings haben die Drohungen Nordkoreas eine lange Geschichte. Anfang der 90er drohte Kim Jong Uns Großvater, der Staatsgründer Kim Il Sung, damit, Südkorea in ein Flammenmeer zu verwandeln – keine zehn Jahre arbeiteten sein Land und der Süden im Rahmen der "Sonnenscheinpolitik" eng wie nie zusammen. Vielen Südkoreaner hätten sich deshalb an die Drohungen gewöhnt, meint Croissant.

Die Lage ist ernst – das war sie aber bereits vor 23 Jahren, als ich als Student nach Seoul kam.
Prof. Aurel Croissant
Wie irre ist Nordkorea wirklich?

"Für Westler wirkt Nordkorea mit seinen Symbolen und seiner Sprache oft sehr bizarr", sagt der Politikwissenschaftler. "In Wahrheit sitzt in Pjöngjang aber eine rational handelnde Führung, die alles tut, um ihr Ziel – das eigene politische Überleben – zu erreichen."

Für dieses Überleben ist das Atomwaffenprogramm nach Ansicht von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un unverzichtbar. Experten schätzen, dass er sie für den einzigen Weg hält, um eine US-amerikanische Militärintervention wie in Libyen oder im Irak zu verhindern.

Um dieses Ziel zu erreichen, geht das Regime sehr kalkuliert vor und droht immer wieder mit neuen Waffen oder Manövern. (BBC)

Und wie irre sind die USA?

Nicht wirklich "irre" – aber auch nur wenig deeskalierend. Was ihre Nordkorea-Politik betrifft, ist die US-Regierung unter Trump nicht anders als zuvor unter Obama.

Nachdem Obamas Dialogversuche gescheitert waren, hatte er gemeinsam mit Südkorea den Druck auf den Norden erhöht – unter anderem mit militärischer Aufrüstung und Verteidigungssystem für Südkorea. Auch China wollte Obama in stärkere Verantwortung zwingen.

Abraham Denmark, der unter Obama Militärberater für Ostasien war, sagt, Trump führe genau das fort. Nur mit härterer Sprache:

Wie geht es jetzt weiter?

Nach Ansicht von Korea-Experte Croissant gibt es drei Möglichkeiten, wie sich der Konflikt weiter entwickeln könnte:

  • Verhandlungen

Der vielleicht einzige Weg, um den Konflikt zu entschärfen – und die derzeit wohl unrealistischste Variante. In Südkorea finden bald Wahlen statt und kein Politiker will dem Norden im Wahlkampf fahrlässig Zugeständnisse machen. Auch die USA und Nordkorea selbst dürften derzeit wenig Interesse an (verbaler) Abrüstung haben.

  • Neue Sanktionen

Eine Lösung, die auch China mittragen könnte, wenn die Sanktionen nicht zu hart sind. Erst kürzlich schickten die Chinesen nordkoreanische Kohlefrachter demonstrativ zurück, um sich von Nordkorea zu distanzieren. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder neue Sanktionen – die weitere Raketentests aber offensichtlich auch nicht stoppen konnten.

  • Ein militärischer Konflikt

Der Ausgang, den angesichts der unabsehbaren Folgen keiner will. Südkorea und Japan liegen in der Reichweite nordkoreanischer Artillerie oder Raketen und müssten bei einer Eskalation mit schweren Schäden rechnen. Zu einer Eskalation könnte es vor allem dann kommen, wenn die USA eine Seeblockade einführen oder militärisch direkt eingreifen. Pjöngjang betont immer wieder, dass es sich dann mit allen Mitteln wehren würde.

Klar ist nur, dass der Konflikt sobald nicht enden wird.

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BVB-Anschlag: Neues Bekennerschreiben aus der rechten Szene

Nach dem Sprengstoffanschlags auf den Teambus des BVB ist ein weiteres angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht. Das Schreiben ging per Mail in der Redaktion des Berliner "Tagesspiegel" ein, die Zeitung berichtet von einem rechtsextremen Inhalt. Die Bundesanwaltschaft prüfe nun die Mail auf Echtheit.

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