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#IchbinDresden – Tausende Dresdner zeigen im Netz, dass ihre Stadt mehr ist als Pegida. Einer der Initiatoren erzählt.

Tausende Botschaften sind in den Twitter- und Facebook-Feed #IchbinDresden bereits eingelaufen – von Wissenschaftlern, Politikern, ganz normalen Bürgern. Dresdner haben Angst, dass der Hass viele Mitbürger aus der Stadt vertreibt. "Ausländer und Menschen, die anders aussehen, wurden in Dresden schon lange stärker angefeindet als in anderen Städten. Durch Pegida hat es sich noch verschlimmert", sagt Hubertus Grass. Der Ex-Grünen-Politiker hat die #IchbinDresden-Aktion mitinitiiert.

Die "#IchbinDresden"- oder auch "#HerzstattHetze"-Aktion hat in zwei Tagen bereits große Aufmerksamkeit bekommen. Jeden Tag besuchten 100.000 Menschen die Facebook-Seite des "Bündnisses für ein offenes Dresden, sagt Grass. Zuletzt stellte sich Sachsens Ministerpräsident Stansilaw Tillich an die Seite der #IchbinDresden"-Dresdner. "Wir haben die Übersicht verloren, wie viele Leute uns unterstützten".

Und doch kann die Aktion höchstens Schadensbegrenzung leisten für die sächsische Landeshauptstadt und ihre Menschen. Grass erzählt von einem Pakistani, der auf seiner Pendelstrecke nach Dresden an jedem einzelnen Tag offen angefeindet und beleidigt wird. "Selbst Menschen, die nur Englisch in der Straßenbahn sprechen, müssen mit Beleidigungen rechnen."

Auch der Ruf der Stadt hat unter Pegida gelitten. Die Zahl der Touristen ist in den vergangenen Monaten eingebrochen. "Das kostet Dresden und Sachsen richtig viel Geld", fürchtet Grass.

Es ist auch kein Zufall, dass viele Forscher – etwa vom örtlichen Max-Planck-Institut – #IchbinDresden-Bilder posten. Die Wissenschaft ist stark international vernetzt und auf Talent aus dem Ausland angewiesen. Dass Dresden in der Welt nun mit pöbelnden Fremdenfeinden assoziiert wird, richtet ganz konkrete Schäden an. Grass erzählt vom Fall eines Wissenschaftlers aus den USA, der der Uni Dresden bereits zugesagt hatte: "Seine Frau, eine Lateinamerikanerin, schaute sich die Stadt nochmal an und bat ihren Mann, nicht dorthin ziehen zu müssen. Er ist dann nicht gekommen."

Nach der erfolgreichen Social-Media-Aktion wartet die nächste Herausforderung auf Grass und die anderen Initiatoren von #IchbinDresden: Sie müssen ihren Protest aus dem Netz auf die Straße bringen. Am morgigen Montag erwartet die Stadt eine große Pegida-Demonstration. "Wir wollen, dass viele Menschen, die sich im Internet gezeigt haben, mit Ihren Schildern demonstrieren", sagt Grass.
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