Bild: Lars Baron/Bongarts/Getty Images
Geboren 1988 in Banja Luka, damals Jugoslawien. Seit 2008 bei Borussia Dortmund.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Flucht Ihrer Familie?

An die Flucht selbst habe ich keine Erinnerungen. Ich war damals erst ein Jahr alt, meine Familie verließ 1989 das ehemalige Jugoslawien. Damals hatte der Krieg noch nicht begonnen, aber es zeichnete sich schon ab, dass es dazu kommen würde. Meine Eltern flüchteten dann mit mir und meiner Schwester. Wir zogen in ein kleines Dorf im Schwarzwald.

Wir wurden geduldet. Manchmal ging eine Duldung über sechs Monate, manchmal über drei.
Neven Subotic

Wie wurden Sie dort aufgenommen?

Sehr gut. Wir hatten dort Bekannte, die uns unterstützten. Die größte Unterstützung bekamen wir aber von der deutschen Bevölkerung. Eine verwitwete Nachbarin ließ uns sogar bei sich wohnen. Sie selbst schlief in dieser Zeit im Wohnzimmer auf der Couch. Es war ein Dorf, wo jeder jeden kannte. Ich habe Freunde gefunden und mich ganz schnell wohl gefühlt.

Wie war der Aufenthaltsstatus Ihrer Familie?

Wir wurden geduldet. Manchmal ging eine Duldung über sechs Monate, manchmal über drei. Später wurden die Zeiträume immer kürzer. Wir hatten keine Klarheit, konnten nicht planen. Meine Eltern wussten nicht: Packen wir jetzt die Taschen? Schaffen wir jetzt etwas an, das wir eigentlich brauchen, aber vielleicht in drei Monaten mit Verlust verkaufen müssen? Damals ließen sie es sich nicht ansehen, aber heute weiß ich: Es war eine sehr schwere Zeit für sie.

1999 zog ihre Familie in die USA. Sie waren zehn Jahre alt.

Ja. Wir wollten der Abschiebung nach Bosnien entgehen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass auch ich persönlich es schwer hatte. Ich hatte ja bis dahin zehn Jahre im selben Dorf gelebt und da eine glückliche Kindheit gehabt. Dann musste ich aber alle meine Freunde verlassen. Die nächsten Jahre lebten wir in Amerika, erst in Utah, dann in Florida. 2006 wechselte ich dann zu Mainz 05 und kam so nach Deutschland zurück. Meine Aufenthaltsgenehmigung ist mittlerweile unbefristet. Ich habe ja 19 Jahre meines Lebens in diesem Land verbracht.

Was empfehlen Sie jemandem, der heute nach Deutschland flieht?

Nutze die Angebote, die Sprache und Kultur kennenzulernen. Da gibt es ja ziemlich viel. Ich war selbst in Flüchtlingsheimen und habe gesehen, wie viele Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Und, auch wenn es extrem schwerfällt, behalte die Geduld. Europa hat ja noch kein richtiges Konzept, weil niemand mit so vielen Flüchtlingen gerechnet hat.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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