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Die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin oder des Bundeskanzlers ist traditionell eine gute Gelegenheit, die Bürger des Landes auf das kommende Jahr einzustimmen. Alte Wunden ein bisschen zu lecken, aber nicht zu viel, es ist ja schließlich Silvester und die Hälfte der Zuschauer ist eh schon angetrunken. Ein guter Moment also, um einigermaßen optimistisch in die Zukunft zu blicken, mit klug gewählten Worten den Ton für das kommende Jahr zu setzen, ein bisschen Hoffnung zu machen.

Das hat Angela Merkel auch in diesem Jahr versucht. Naja, auf ihre Weise.

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Angela Merkels Neujahrsansprache im Video zu schauen, das ist in der Regel wie dem Typen vom Einschlafen-Podcast zuzuhören, wenn er auf Valium ist.

Damit ihr Silvester also nicht verpennt und trotzdem wisst, worum es bei der Zukunft unseres Landes gehen soll, haben wir euch die wichtigsten Punkte ihrer Ansprache rausgesucht.

Denn die Welt wartet nicht auf uns.

Merkel ist ja in diesem Jahr nur geschäftsführende Regierungschefin, eine Art Kanzlerin auf Abruf, weil Christian Lindner und Martin Schulz bisher nicht so richtig Lust hatten mitzuregieren. Das würde Angela Merkel gerne ändern und zwar möglichst schnell. Für das neue Jahr hat sie den Deutschen eine stabile Regierung versprochen. "Zügig" solle das geschehen. 

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Wirklich gut geht es Deutschland, wenn der Erfolg allen Menschen dient und unser Leben verbessert und bereichert.

Relativ schnell gleitet Merkel in eine Art Aufzählung ihrer Vorhaben ab. Dabei sind die allermeisten ziemlich selbstverständlich. Merkel will

  • Arbeitsplätze sichern,
  • unternehmerische Innovationen unterstützen,
  • irgendwas mit Digitalisierung machen
  • und auch was für Bildung und Pflege tun.
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Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht.

Jetzt wird's spannend. 2017 ist die AfD ins Parlament eingezogen und wer auf Facebook in die falsche Kommentarspalte schaut, fühlt sich wie im Zentrum einer Schulhofsprügelei.

Das hat auch Merkel mitbekommen. Sie spricht von Abgehängten, die mit dem Tempo unserer Zeit nicht mehr mitkämen, die "sich fragen, wie wir die Zuwanderung in unser Land ordnen und steuern können". Und andererseits spricht sie von denen, für die Deutschland ein wunderbares Land, in dem die Werte unseres Grundgesetzes gelebt werden.

Die Kanzlerin wünscht sich deswegen, "dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne – aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen –, das sind meine Wünsche für das neue Jahr."

Okay, das wäre schön. Aber ist sie nicht für diesen Riss zumindest mitverantwortlich? Sie hat ja schließlich gefühlt schon regiert, als viele von uns noch auf Tamagotchis standen. Ist es da nicht etwas dünn, den frommen Wunsch zu äußern, dass wir uns alle mal ein bisschen zusammenraufen könnten?

Oder wie Ulf Poschardt sagen würde: Wer soll sich eigentlich noch freiwillig eine Neujahrsansprache ansehen, wenn er am Ende denkt, er habe eine Weihnachtspredigt gehört?

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Uns einen die Werte unseres Grundgesetzes: also die Achtung vor der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen und seiner Freiheitsrechte.

Okay, okay. Zugegeben: Merkel hat an einer Stelle versucht, ein bisschen zu konkreter zu werden. Sie stellt sich klar an die Seite der Menschen, für die das Grundgesetz das ist, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Nicht die deutsche Kultur. Nicht gemeinsame Vorfahren.

An der Stelle beweist die Kanzlerin Standfestigkeit, und zwar genau so viel, dass man es beinahe nicht gemerkt hätte.

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All das wäre natürlich auch schon 2015 und 2016 wahr gewesen, aber das ist ja der Trick bei Merkels Politik. 
(Bild: Giphy )
In diesem Sinne: Auf ein (frohes) Neues!

Lass uns Freunde werden!

PS: Wer die Ansprache doch sehen möchte – sie läuft um 20.10 Uhr in der ARD.


Fühlen

Bleigießen: So sieht die Zukunft aus

Welches Ritual gehört auf jeden Fall zu Silvester? Also, Sekt um Mitternacht, klar. Und Raclette. Und Feuerwerk. Und Dinner for One gucken. Aber vor allem:

Bleigießen.

Denn egal, wie oft man schon versucht hat, aus einem undefinierbarem Blop die Zukunft zu deuten und sich geschworen hat, im kommenden Jahr darauf zu verzichten – irgendwer packt es immer aus. Und irgendwie macht man doch meistens mit. 

Denn genau so wie in unserem Video läuft Beigießen einfach immer ab - das ist unsere Zukunftsprognose!