Bild: https://gershad.com/
Die Regierung in Teheran is not amused.

Modebewusste junge Menschen haben es im Iran nicht leicht: An jeder Ecke könnte die Sittenpolizei lauern, die Frauen und Männern wegen "unmoralischer Bekleidung" anschwärzen kann.

Ob zu viel Make-Up, ein zu lässig getragener Hijab, das Kopftuch der Frauen, oder zu wilde Frisuren bei den Männern: die Strafen der Sittenpolizei Ershad reichen von Verwarnungen über Festnahmen bis zu Körperverletzungen. Meist lädt die Polizei die Beschuldigten in ihren Van und karrt sie zur zuständigen Behörde, wo sie über "richtiges sittsames" Verhalten belehrt werden. Auch westliche Touristen werden immer häufiger Opfer dieser Willkür.

Die Kleidung und die Frisur gefallen der Polizei nicht. Deshalb wird der Mann festgenommen. (Bild: Reuters / Morteza Nikoubazl)

Anonyme Entwickler haben nun die App Gershad entwickelt, um den ganzen Ärger zu umgehen. Sie funktioniert ähnlich wie die auf Crowdsourcing basierende Verkehrsapp Waze, bei der Nutzer Verkehrsstörungen in Karten eintragen und somit Staus leichter umfahren können.

Sobald Iraner die Polizei sehen, können sie den Standort in der App eintragen. Kommen genug Einträge pro Standort zusammen, erscheint eine Polizeifigur in der Karte der App. Werden die Angaben zum Standort wieder weniger, verschwindet das Symbol.

Die Sittenpolizei lässt eine "falsch gekleidete" Frau in ihren Van einsteigen, um sie zur "Belehrung" zu bringen. Meist werden sie am gleichen Tag wieder entlassen.(Bild: Reuters / Morteza Nikoubazl)

Die Nutzer müssten sich dabei nicht vor der Polizei fürchten – die Datenübermittlung erfolge verschlüsselt, versicherten die Macher. Auch befinde sich der private Server der App außerhalb des Landes.

Ihr Erfolg blieb jedoch nicht unbemerkt: weniger als 24 Stunden nach Erscheinen der App am Dienstag blockierte die Regierung sie schon. Angeblich wird an einem Relaunch gearbeitet.

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