Bild: Ulrike Delfs
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit der Poetry Slammerin und Journalistin.

Nemi El-Hassan, 25, kann man als Mutbürgerin bezeichnen: Als angehende Ärztin will sie Menschen das Leben retten. Als Poetry Slammerin und Mitbegründerin der "Datteltäter", eines YouTube-Kollektivs, nimmt sie Vorurteile über Muslime und Integration aufs Korn. Und als Moderatorin bei "Jäger & Sammler" hat sie Neonazis besucht.

Wir haben mit Nemi El-Hassan über ihre Erfolge und ihre Wünsche fürs kommende Jahr gesprochen.

(Bild: Ulrike Delfs / bento)

Was war dein größter Erfolg im letzten Jahr?

Dass wir, also "Jäger & Sammler", im Juni den Civis Medienpreis verliehen bekommen haben – für unser Video "Die neue rechte Welle". In dem Beitrag habe ich über ein Rechtsrockfestival in Thüringen berichtet.

6000 bekennende Neo-Nazis hatten sich 2017 im thüringischen Themar eingefunden. Nemi konfrontiert im Video unter anderem vor Ort den Veranstalter – mit Kopftuch. 

Welche Herausforderung gab es dabei – und wie hast du sie bewältigt?

Der Dreh war sehr anstrengend, das stimmt schon. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Wir waren zu viert dort und konstant angespannt, weil man sich in so einer feindlichen Umgebung aufgehalten hat. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Beschimpfung "Kopftuchschlampe". Angst hatten wir keine, aber wir waren schon sehr viel vorsichtiger. Niemand aus unserem Team ist jemals allein unterwegs gewesen, Security hatten wir aber trotzdem nicht dabei. Wir haben uns aber immer an die Anweisungen der Polizei gehalten. 

Manchmal war ich aber auch sprachlos. An einer Raststätte kam ich von der Toilette, eine Besucherin des Festivals wollte daraufhin nicht dieselbe benutzen und hat das lautstark verkündet. Meine Kollegin und ich haben dann einfach nur laut losgelacht. Ich kann es auf einer rationalen Ebene immer noch nicht verstehen, dass Menschen von ganzem Herzen dieser Ideologie anhängen. Und, dass sie andere so stark abwerten und hassen, dass sie sogar Gewalt anwenden würden.

Was ist dein Wunsch für 2019?

Ich würde gerne eine Videoserie zu persönlicheren Themen machen, vor allem über das Glück. Wie können wir heute glücklich werden? Das ist auch eine politische Frage. Vor allem in der jungen, muslimischen Community, aus der ich komme.

Viele von uns sind so überladen mit weltpolitischen Angelegenheiten und es geht immer darum: Was passiert irgendwo auf der Welt, wie wird man hier wahrgenommen, und was kann man tun, um dazuzugehören? Wir hatten viel zu wenig das Privileg, uns zu fragen, was wir eigentlich selbst wollen und wie wir glücklich werden können in dieser Gesellschaft, die uns nicht immer akzeptiert.

Was brauchst du, um das Projekt umsetzen zu können?

Ein tolles Team als Unterstützung: bei der Produktion, bei der Recherche, Social Media und Vertrieb. Und nebenbei brauche ich Zeit, weil ich auch endlich mein Medizinstudium abschließen und mein Hocharabisch verbessern will. Es kann schon sein, dass ich etwas anderes für die Pläne aufgeben muss, aber ich denke, dass es mir das wert sein wird. 

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Gerechtigkeit

19 für 2019: "Mein Grundeinkommen" macht unsere Welt ein bisschen gerechter
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit Meera Leilani Zaremba und den Verfechtern des Grundeinkommens.

Die Grundidee ist schnell erklärt: Alle Bürgerinnen und Bürger bekommen ein bedingungsloses Grundeinkommen – vom Kassierer bis zur Top-Managerin. Ähnlich wie beim Kindergeld, das alle Eltern bekommen, egal wie viel sie verdienen. 

Meera Leilani Zaremba, 27, ist Verfechterin so eines Grundeinkommens. Sie hat Politische Soziologie an der London School of Economics und Sozialwissenschaften in Düsseldorf studiert und engagiert sich im Vorstand von "Mein Grundeinkommen".

Das Team forscht, stößt Debatten an und will noch mehr Leute zum Mitmachen bewegen. Außerdem verlosen sie ein Grundeinkommen. Ihre Vision: Eine Gesellschaft, die sich für alle gut anfühlt.