Bild: NDR
Das zeigt die Doku "Der kleine Unterschied".

Was Mädchen genauso gut können wie Jungs: Fußball spielen, operieren, Autos reparieren, rumschreien. Das denkt Julia, zehn Jahre alt. 

Ihr Fazit: "Ich glaube, es gibt keinen Unterschied, was Mädchen werden können und was Jungs werden können."

Das wäre schön, das wäre das Ziel. 

Julia wird wohl im Laufe der Zeit feststellen müssen, dass sie mit ihrer Annahme falsch liegt. Wie falsch, das zeigt die NDR-Dokumentation "Der kleine Unterschied 2018". 

Die Autorinnen Pia Lenz und Anna Orth haben 18 Frauen aus unterschiedlichen Berufsfeldern befragt, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Im Beruf. Im Alltag. Als Elternteil. 

Sie haben alle eines gemeinsam: Als Frau haben sie es oft schwerer als Männer. Ja, tatsächlich, weil sie einfach nur ein anderes Geschlecht haben. Ein anderes Rollenbild erfüllen müssen. 

Pia Lenz, 31, ist deutsche Dokumentarfilmerin und Journalistin. Für das politische Fernsehmagazin "Panorama" hat sie sich des Themas Gleichberechtigung angenommen.

Wir haben mit ihr gesprochen.

Pia, wie weit sind wir in Deutschland mit der Gleichberechtigung?

"Ich glaube auf jeden Fall, dass wir noch nicht so weit sind, wie wir alle gerne wären. Am Anfang der MeToo-Debatte habe ich nicht sofort einen Bezug zu mir persönlich gesehen. Das hat sich dann mit der Zeit verändert: Es sind die alltäglichen Erlebnisse, die wir alle kennen, über die wir aber nicht reden, weil sie so selbstverständlich dazugehören. In der Debatte ist ein kleiner Raum entstanden, in dem man auch wieder anders auf persönliche Erfahrungen schaut. In diesem Raum ist mir bewusst geworden, dass es in der Arbeitskultur noch immer ein hohes Maß an Sexismus gibt."

(Bild: David Diviak)

Du und deine Kollegin haben in Hamburg Plakate mit Zahlen aufgehängt, die zeigen, wie unterrepräsentiert Frauen in gewissen Berufen sind. Warum braucht es mehr Frauen mit Verantwortung?

"Wir brauchen mehr Chefinnen, die Vorbilder für junge Frauen sind, sie ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Das ist wichtig, damit sich die Arbeitskultur verändert. Es gibt einen Zusammenhang zwischen alltäglichem Sexismus und der bestehenden Machtverteilung."

Männliche Experten in TV-Beiträgen werden häufiger gezeigt als weibliche. Das ist dir auch in deinen eigenen Beiträgen aufgefallen. Was denkst du, wie kommt das?

"Das passiert unbewusst, da wirken Mechanismen und Rollenbilder, die einem selbst oft gar nicht bewusst sind. Ganz praktisch habe ich die Erfahrung gemacht, dass männliche Experten oft leichter zu finden sind. Sie kamen bislang immer mehr zu Wort, deshalb stoße ich auch in meiner Recherche eher auf männliche Experten. Der erste Schritt ist also: Wir müssen uns dessen bewusst werden – und gezielt Frauen sichtbarer machen. Es gibt die weiblichen Expertinnen."

Was kann die Politik tun?

"Politik und Unternehmen müssen Strukturen schaffen, die Frauen und Männern den gleichen Entscheidungsspielraum geben. Wir müssen auch weiter über Quoten diskutieren, wenn wir sehen, dass es so langsam vorangeht. In unserem Film geht es uns aber ganz bewusst darum, erstmal sichtbar zu machen, wo wir gerade stehen."

Was können Frauen selbst tun, um mehr wahrgenommen zu werden?

"Wenn man sich die ganzen Ratgeber und Coachingangebote für Frauen anschaut, dann bekommt man einen sehr merkwürdigen Eindruck. So nach dem Motto: Frauen, ihr müsst nur die vermeintlich männlichen Kommunikationsregeln übernehmen, dann wird das schon mit der Karriere."

"Auch hier finde ich es wichtig, dass wir uns erstmal bewusst machen, was da passiert und uns fragen: Wollen wir das? Geht es nur so? Generell sollte man sich bewusst sein, wer man ist, wie man sein möchte, und sich ein Umfeld suchen, in dem man so arbeiten kann."

Wie schwer war es, 18 Frauen zu finden, die offen reden?

"Sehr. Uns war eine gewisse Bandbreite wichtig. Wir wollten nicht nur mit Frauen sprechen, die sich schon lange mit der Thematik auseinandersetzen, wir wollten 'normale' Frauen. Also sind wir rausgefahren und haben Frauen auf der Straße angesprochen, haben manche übers Internet gefunden oder über Berufsverbände. Über diese Gespräche haben wir gemerkt: Es gibt ganz viele Parallelen zwischen den Frauen. Die Managerin hat ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Köchin, die Polizistin wie die Professorin."

(Bild: NDR)

Was denkst du: Bis wann sind Frauen und Männer tatsächlich gleichgestellt? 

"Das hängt von uns ab. Wir sind ja schon einen weiten Weg gegangen, wenn wir die Entwicklung mit den Generationen vor uns vergleichen. Es ist also nicht nichts passiert. Aber es gibt noch immer große Unterschiede. Alte Rollenmuster aufzubrechen ist viel anstrengender, lästiger, schmerzhafter als wir dachten. 

Wenn wir wollen, dass sich das schneller ändert und wir nicht noch immer in 40 Jahren davon sprechen, dann müssen wir uns jetzt unserer Lebensrealität stellen. Frauen bekommen zum Beispiel halb so viel Rente wie Männer. Diese Entscheidung treffen sie auch selbst, wenn sie aufhören Vollzeit zu arbeiten. Wir müssen also auch selbst die Veränderung anstoßen. Wir können den Moment der MeToo-Debatte nutzen, wir sollten weiter miteinander sprechen."


Streaming

Hier ist der Trailer zum ersten "Spider-Man"-Film mit Miles Morales!
Das ist mal ein Comicfilm!

Wer steckt hinter der Spinnenmaske? Kennt man nur die "Spider-Man"-Kinofilme, kann man hier nur eines antworten: Peter Parker. Der nette Junge aus Brooklyn wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen und hat seitdem übernatürliche Kräfte, das weiß fast jeder. 

Was aber nur eingefleischte Comic-Fans wissen: Es gibt nicht nur einen Spider-Man. Sondern Dutzende. 

Der wohl beliebteste davon ist derzeit der Junge Miles Morales.

Miles Mutter hat lateinamerikanische Wurzeln, sein Vater afroamerikanische – was Miles selbst zur Identifikationsfigur für unterdrückte Communities macht – und nun kommt er Ende 2018 mit einem eigenen Film in die Kinos.