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Warum Aussagen wie "Da stehen sich Rechte und Linke bei Protesten gegenüber" gefährlich sind

Wenn ich die Bilder der glatzköpfigen, grauhaarigen, teils betrunkenen, radikalen, aufgebrachten Männer in Chemnitz sehe, werde ich wütend. Menschen, die für sie nicht wie Deutsche aussehen, werden angefeindet und angegriffen. Sie skandieren ihren Hass gegen die Menschen, gegen den Rechtsstaat.

Das sind Nazis.

Aber alle, die gegen sie protestieren, sind nicht automatisch links. Sie sind erst einmal nur eines: für die Demokratie. Der- oder diejenige hat erst einmal schlicht ein offenes, tolerantes und positives Weltbild.

Immer wieder wird "links" als Schimpfwort verwendet.

Die Nazis, die AfD und auch andere Politiker bauen dieses Feindbild auf. Selbst Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete vor wenigen Wochen Kraftklub als eine "unmöglich linke" Band. "Rechtsextremismus bekämpft man nicht mit linken Chaoten", sagte er. (Sächsische Zeitung)

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Wenn man sich die Videoaufnahmen aus dem Bürgerdialog  mit Kretschmer aus der vergangenen Woche anschaut, erkennt man ein Grinsen, als er sagt: Er freue sich, dass die Band Kraftklub sich für das Festival einsetze und auch junge Menschen die Möglichkeit gebe, sich politisch zu zeigen. Er scheint es wohl nicht ganz ernst zu meinen. (bento)

Dabei ist Kraftklub schlicht eine Band, die zahlreiche junge Fans hat – aus vielen politischen Lagern und Denkrichtungen. Sicher sind die wenigsten davon Linksextreme, Teil der Antifa oder auch nur Wählerinnen und Wähler der Linken.

Ich glaube, dass Aussagen wie "Da stehen sich Rechte und Linke bei Protesten gegenüber" gefährlich sind. Sie bauen zusätzliche Hürden auf, sich am friedlichen Protest gegen Nazis zu beteiligen, wenn man die Zuschreibung "links" für sich als unpassend empfindet. 

Ich finde, wir müssen aufhören, in politischen Lagern zu denken, wenn es gegen Nazis geht.

Wir müssen für Freiheit, Frieden, Gleichberechtigung und positive Stimmung eintreten – egal, welche weltoffene Partei wir wählen.

In der CDU/ CSU und FDP gibt es rechte, konservative Denkweisen, es gibt gar schon rechtspopulistische, genauso existieren dort aber auch linke Positionen. Dasselbe gilt für die SPD oder die Grünen.

Die Vorsitzende der Jungen Liberalen Ria Schröder hat zuletzt gezeigt, wie man für Menschenrechte und Gerechtigkeit eintritt – obwohl der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki daran nicht immer festzuhalten scheint.

Er hatte zu den Vorfällen in Chemnitz gesagt: "Die Wurzeln für die Ausschreitungen liegen im 'Wir schaffen das' von Kanzlerin Angela Merkel". Schröder entgegnete: "Ich halte es für einen schlechten Ansatz, Frau Merkel dafür verantwortlich zu machen. Für diese Ausschreitungen sind die rechtsextremen Täter verantwortlich, die leider sehr stark sind und auch immer wieder junge Leute für ihre Ideologie begeistern können. Ich warne davor, diese Gewalt zu verharmlosen oder zu rechtfertigen." (Zeit Online)

Rechtsradikale Gewalt muss auch so benannt werden, ebenso sollten friedliche Gegenproteste unterstützt werden. Auch ich will Probleme und Herausforderungen in unserem Land friedlich und tolerant lösen. Das ist nicht links – das ist so, wie es in einer Demokratie Grundsatz sein sollte.


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