Bild: Unsplash/Jakob Owens
Muss Schauspielerin Roxana Safarabadi sich Luise Müller nennen?

Vor ein paar Wochen bekam Nachwuchsschaupielerin Roxana Safarabadi eine Anfrage für einen neuen Film. Ein bekannter Regisseur – super, dachte sie zuerst. Doch dann las sie die Rollenbeschreibung. "Ich sollte eine junge Frau spielen, die wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert wird", sagt die 27-Jährige und lacht. Nicht, weil sie das lustig findet, eher aus Frust. Denn Roxana ist ziemlich blass und hat Sommersprossen.

Solche Situationen passieren ihr öfter: Auf Castings sei man manchmal verwundert, dass Roxana keine dunkle Haut habe. Roxana ist in Deutschland geboren und in Bielefeld aufgewachsen. Den iranischen Nachnamen hat sie von ihrem Vater. "Was soll ich tun? Mich unter die Sonnenbank legen, damit ich dem Klischee meiner Rolle entspreche?", fragt Roxana.

Roxana hat vor einem Jahr ihre Schauspielausbildung abgeschlossen und arbeitet seitdem als Schauspielerin.

(Bild: Timo Knorr)

Mit diesem Namensproblem ist Roxana nicht allein. 

Namen sind wichtig. Sie öffnen Türen – oder verschließen sie.  

Bei Schauspielerinnen und Schauspielern zeigt sich das ganz besonders gut.

"Vielleicht nenne ich mich Luise Müller und schaue, was passiert", sagt Roxana. Und mit diesem Gedanken ist sie nicht allein: Schauspielerin Alexandra Maria Plătăreanu hat sich Alexandra Maria Lara genannt, Diane Heidkrüger heißt heute Diane Krüger. Für eine Namensänderung gibt es im Schauspiel vor allem zwei Gründe:

Kurze Namen klingen gut 

Will Smith klingt nach einem perfekten Namen, oder? Eigentlich heißt der US-Schauspieler aber Willard Carroll Smith. Viele Schauspieler und Schauspielerinnen kürzen ihren Namen, damit er besser klingt und leicht zu merken ist. Die deutsche Schauspielerin Oona Lea von Maydell sagt: "Ich verzichte auf einen Teil meines Namens, weil er sonst zu lang wäre. Meinen Zweitnamen 'Lea' lasse ich weg." 

Ein kurzer, knackiger Spitzname werde heute bevorzugt. Das hat die Namensforscherin Nikola Kunz schon vor Jahren in ihrer Studie über die Motive für Namensänderungen von amerikanischen Film- und Fernsehschauspielern herausgefunden (FAZ). Kurze Namen erzeugen scheinbar Nähe zum Publikum. Und Menschen sollen zu Marken werden, das ist im Schauspiel umso wichtiger. Mit dem richtigen Namen scheint das leichter zu sein.

2 Diskriminierung durch "fremde" Namen.

Die US-Schauspielerin Natalie Portman hat ihren Geburtsnamen Neta-Lee Hershlag amerikanisiert. Der Nachname Hershlag geht auf ihren israelischen Vater zurück. Ben Kingsley heißt eigentlich Krishna Bhanji, sein Vater hat indische Wurzeln. Mit 19 nimmt er den Künstlernamen an und wird erfolgreich.

Offenbar spielt der Name eines Schauspielers oder einer Schauspielerin eine Rolle bei den Karrierechancen.

Auch Roxanas ehemalige Schauspiellehrerin habe ihr das bestätigt: Es sei nicht unüblich, sich anders zu nennen, wenn der Name die Rollen einschränke. Die Lehrerin habe ihren osteuropäischischen Namen abgelegt, weil Schauspielerinnen aus Osteuropa öfter als Prostituierte angefragt würden.

Sind Namen aus bestimmten Herkunftsländern negativ besetzt?

In einem Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung über Rassismus und Diskriminierung in Deutschland heißt es, dass ein ausländischer Name dazu führen kann, dass Bewerber und Bewerberinnen nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Das bestätigt auch eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Zudem könne ein ausländisch klingender Name dafür sorgen, dass Menschen eine Wohnung nicht bekommen, nicht in einen Nachtclub dürfen oder Ärzte ihnen die Behandlung verweigern (Heinrich-Böll-Stiftung).

"Namen? Die spielen keine Rolle."

Normalerweise wählen Theater die Schauspielerinnen nach Foto und Vita aus, sagt Sabine Lederer, die Leiterin der Freien Schauspielschule in Hamburg. "Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass der Name die Besetzung einer Rolle beeinflusst." Deshalb solle man sich als Schauspieler auch genau überlegen, ob man sich umbenennt. Von Schauspielagenturen kommen ähnliche Antworten. Namen? Die spielen keine Rolle. Nur wenige Schauspieler würden ihren Namen ändern. "Aus meiner Erfahrung benutzen kaum Leute Künstlernamen", sagt Geschäftsführer Janko Danailow von der Berliner Agentur Spielkinder. 

Also fragen wir eine Namensexpertin:

Inga Siegfried ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung und beschäftigt sich an der Universität Zürich mit Namen und ihren Bedeutungen. "Namen sind wie ein Wissensspeicher. Was wir mit ihnen verbinden, ist abhängig von unserer Lebenssituation", sagt sie. Deshalb assoziieren wir bestimmte Eigenschaften mit Namen. Das seien zunächst oft Vorurteile, die nicht der Wahrheit entsprächen. Siegfried sagt, dass Namen eine Frage der Zeit seien: Was heute vertraut klingt, war früher fremd.

Vor dem 18. Jahrhundert war es für Migrantinnen und Migranten üblich, den Namen an die jeweilige Landessprache anzupassen. Noch Anfang der 90er Jahre hat man Spätaussiedlern geraten, die Namen der Kinder radikal einzudeutschen (Spiegel Online).

Heute sehe man das meist anders, sagt Siegfried. "Eine Gesellschaft kann sich mit der Zeit an viele Namen gewöhnen." Je länger Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenleben, desto mehr Namen werden gesellschaftlich akzeptiert. 

Die Expertin glaubt dennoch, dass es eine Diskriminierung aufgrund des Namens gäbe. "Besonders Menschen mit slawischen Namen haben es manchmal schwer", sagt sie. Ein Name müsse außerdem kurz, melodisch und sympathisch sein, sagt Siegfried. "Heute ist der Klang enorm wichtig". Jüngste Namenstrends würden auch zeigen, dass Kinder häufig internationale Namen bekommen. Das spreche für Integration.

Roxana fühlt sich in der Schauspielwelt trotzdem wegen ihres Namens diskriminiert: "Wenn in Ausschreibungen nach 'deutschen Schauspielerinnen' gesucht wird, weiß ich nicht, ob ich mich auf die Rolle bewerben soll." Dabei ist Roxana Deutsche.

Stereotype und Vorurteile schränken ein – nicht nur Roxana, sondern auch die Rollenvielfalt. Könnte also sein, dass, wenn Regisseure und Castingagenturen nicht mehr in Schubladen denken, die Filme besser und spannender werden. Denn wer will schon nur Klischees auf der Kinoleinwand sehen?


Haha

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