Metoo hat es neue Kraft verliehen.

Die Frau stoppt kurz, atmet tief ein. Es wirkt, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Sie tut es nicht. Spricht ruhig und betont weiter: "Sie haben uns angefasst und verletzt." Der riesige Mann, der für sie aussah wie ein Monster. Und der etwas kleinere, der von ihr verlangte, sich hübsch anzuziehen. (SPIEGEL ONLINE)

Nadia Murad ist da 21 Jahre alt und spricht vor dem Uno-Sicherheitsrat über die Vergewaltigung und Misshandlungen durch IS-Kämpfer. Es ist ein Auftritt, der die ganze Welt bewegt – und der die Jesidin zu einer Botschafterin für ihr ganzes Volk macht. Und zu einer weltweit beachteten Aktivistin gegen sexuelle Gewalt auf der ganzen Welt.

"Alle Verbrechen gegen Frauen und Kinder in Syrien, im Irak, in Somalis oder Nigeria müssen ein Ende finden", sagt sie am Ende der Rede. "Überall auf der Welt. So schnell es geht."

Heute ist Murad 25 Jahre alt, Uno-Sonderbotschafterin – und bald Trägerin des Friedensnobelpreises. 

Zum Jahrestag der Metoo-Debatte könnte es keine bessere Entscheidung geben (bento). Ihre Ehrung ist das richtige Zeichen, zur richtigen Zeit. Murad stammt aus einem Dorf im Nordirak und überlebte einen Monat in Gefangenschaft des "Islamischen Staates". Sie wurde vergewaltigt und schaffte die Flucht – weil einer der Männer eine Tür nicht abschloss. Tausende Jesiden starben, Tausenden Jesidinnen erging es wie Murad.

Jetzt redet Murad über ihre Geschichte – und macht Frauen auf der ganzen Welt Mut, frauenfeindliche Machtstrukturen aufzubrechen, gegen Vergewaltigung zu kämpfen und stark zu sein.

Neben Murad bekommt Denis Mukwege in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Auch seine Wahl ist genau die Richtige. Der kongolesische Arzt hat in den vergangenen 20 Jahren mindestens 50.000 vergewaltigte Frauen operiert – und vielen das Leben gerettet.

Metoo hat Diskussionen über Gewalt und Dominanz von Männern auf der ganzen Welt ausgelöst – aber das allein reicht nicht.

Wer will, dass die Bewegung das Verhältnis von Frauen und Männern für immer verändert, der muss immer wieder Vorbilder fördern. Und ja, der muss sie auch auszeichen. Das hat das Nobelpreis-Kommittee nun getan und damit auch der Metoo-Bewegung neue Kraft verliehen.

Erst am Wochenende verspottete US-Präsident Donald Trump die Frau, die dem Richterkdandidaten Brett Kavanaugh vesuchte Vergewaltigung vorwirft. Und erklärte dann: "Es ist eine beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika, wenn du für etwas schuldig bist, was du vielleicht nicht getan hast." (bento)

Es ist nur ein Beispiel, das zeigt: Frauen auf der ganzen Welt müssen weiter und wohl noch sehr lange für Gerechtigkeit kämpfen. Viele Männer können und wollen nicht verstehen, um was es geht. Sie fürchten, ihre Machtposition zu verlieren, reagieren mit Trotz, reden Frauen klein – das alles bedroht die Errungenschaften von Metoo. 

Gerade deshalb sind solche Auszeichnungen wichtig. Vielen Frauen dürfte es leichter fallen zu kämpfen, wenn Heldinnen wie Murad es ihnen vormachen. Jeden Tag ringen Frauen mit sich, überlegen, ob sie Missbrauch und Belästung öffentlich machen.

Deswegen darf es nicht ruhig werden um Metoo. Stimmen wie die von Nadia Murad dürfen nicht verstummen. Frauen wie ihr muss eine Bühne geboten werden, sie müssen mit Preisen überschüttet werden.


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