Bild: Peter Palm
..und warum sie dafür jetzt in England verhaftet wurde

Seit den Kölner Vorfällen in der Silvesternacht wird in Deutschland – endlich – wieder auf politischer Ebene über das nötige Einverständnis zu Sex und Körperkontakt diskutiert. Männer und Frauen, die kein Interesse an Berührungen haben, sollen mit einer Gesetzesänderung besser geschützt werden.

Die für ihre Nacktheit bekannte schweizerische Performance-Künstlerin Milo Moiré hat diese Diskussion gekapert: In mehreren europäischen Städten forderte sie mit einem Megaphon Menschen auf, ihr im Schutze von verspiegelten Boxen unter den Rock zu greifen oder ihre Brüste zu berühren. Damit wollte sie auf sexuelles Einvernehmen und weibliche Lust aufmerksam machen. Vor einigen Tagen wurde sie dafür in London verhaftet.

Was passierte in der Performance?

Moiré trug in Düsseldorf, Amsterdam und Köln anstelle von Rock oder Top verspiegelte Boxen, die an der Vorderseite durch einen Vorhang verdeckt wurden. Mit einem Megaphon und einer Stoppuhr bewaffnet ermutigte sie Passantinnen und Passanten, in die Box zu greifen und für fünf Sekunden ihre Brüste (Düsseldorf) oder für 30 Sekunden ihre Vagina zu berühren (Amsterdam und London). Während der fremden Berührung schaute Moiré den Anfassenden intensiv in die Augen, gab auch Feedback.

All dies wurde von Fotograf und Kameramann begleitet, außerdem befanden sich Kameras in den Boxen. So wurden sowohl die Betrachter als auch die für die Zuschauer unsichtbaren Berührungen dokumentiert. Die Spiegel waren, neben Moirés Körper, die wichtigsten Werkzeuge der Kunstperformance: Allen neugierigen Zuschauern wurde der Blick verwehrt, gleichzeitig konnten sie sich selbst aktiv beim Voyeurismus beobachten.

Die Aktion ist eine Hommage an die Künstlerin und Frauenrechtlerin Valie Export, die eine ähnliche Aktion (allerdings ohne Vagina-Box) bereits 1968 auf dem Münchner Stachus machte.
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Hier gibt es ein Video der Aktion:

Was soll das bringen?

„Ich stehe heute hier für die Rechte der Frau und die sexuelle Selbstbestimmung. Frauen entscheiden selbst, wann und wie sie angefasst werden wollen und wann nicht“, sagte die Künstlerin. In den Debatten der vergangenen Wochen seien Frauen fast immer als Opfer stilisiert worden: "Es ist wichtig, jetzt auch Bilder von starken Frauen zu schaffen und sie nicht nur als Empfänger von männlicher Sexualität darzustellen. Wir haben eine eigene, den Männern ebenbürtige Sexualität. Das drücke ich mit meiner Kunst aus, die Fotos werden zu einem Symbol für die Einvernehmlichkeit."

Der Londoner Polizei ging das allerdings zu weit. Nachdem sie in Amsterdam und Düsseldorf mehr oder weniger von den Behörden in Ruhe gelassen wurde, steckte man Moiré in England für 24 Stunden hinter Gittern und danach wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vor Gericht. Erst nach einer Strafzahlung in Höhe etwa 1300 Euro durfte sie gehen.

Weiße Anführungszeichen
Sex wird digital konsumiert, doch im realen Leben ist ein nackter Körper ein Tabu, etwas Unmoralisches.
Milo Moiré
Wer ist Milo Moiré?

Die 1983 in der Schweiz geborene Künstlerin und Diplompsychologin ist bekannt für Auftritte, die ihren nackten Körper ins Zentrum rücken. Als Konzeptkünstlerin überrascht sie die Menschen in Alltagssituationen mit ihrer Nacktheit. "Ich fühle mich bei meinen Aktionen immer sehr stark. Bei der Mirror Box war ich schon etwas aufgeregt, es war ja meine bisher intimste Performance und dabei kann ja alles Mögliche passieren. Durch den Augenkontakt und das Feedback konnte ich den Menschen aber klar machen, was mir gefällt und dass das ein natürlicher Akt ist", erklärt sie im Interview mit bento.

Schon früher hat Milo Moiré von sich reden gemacht:

  1. Nach den Übergriffen in Köln protestierte sie nackt auf der Kölner Domplatte. In der Hand trug sie ein Schild mit der Aufschrift "Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild selbst wenn wir nackt sind."
  2. Vor der Kunstmesse ART Cologne verwirrte sie die Öffentlichkeit mit der Aktion "PloppEgg Painting Performance", bei der sie mit Farbe gefüllte Eier aus ihrer Vagina auf eine Papierfläche fallen ließ.
  3. Vor der Art Basel 2014 bestieg sie für "The Script System" öffentliche Verkehrsmittel zur morgendlichen Pendlerzeit. Ihre entblößten Körperteile waren beschriftet mit den Namen der Kleidungsstücke, die sie eigentlich bedecken würden:
Kann diese Art der Kunst etwas verändern?

"Es ist paradox: Sexualität zeichnet uns aus, sie ist ein Grundbedürfnis des Menschen, ohne das es niemanden von uns gäbe. Trotzdem sind Nacktheit und Sex mit negativen Etiketten behaftet", sagt Moiré.

"Sex wird digital konsumiert, doch im realen Leben ist ein nackter Körper ein Tabu, etwas Unmoralisches." Mit ihrer Kunst in Alltagssituationen, wolle sie auf diese gesellschaftlichen Widersprüche hinweisen. Da ihre Perfomances auch als Videos oder Bilder verbreitet werden, werde dies aber oft als Pornographie missverstanden:

"Wie die Menschen meine Kunst wahrnehmen, kann ich leider nicht beeinflussen."

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