Der Anschlag von Christchurch hätte in Europa passieren können. In einer Moschee in Frankreich, Schweden oder Deutschland. Vielleicht in Duisburg oder Stuttgart. Vielleicht in der Moschee, in der meine Familie ihr Freitagsgebet verrichtet. Ich wusste, dass es passieren könnte. Es macht mich wütend, dass bislang kaum jemand diese Sorge ernstgenommen hat. 

In Deutschland werden islamfeindliche Straftaten erst seit wenigen Jahren gesondert registriert. 2017 gab es nach Angaben der Behörden 1060 Straftaten, in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres waren es 578 (Tagesspiegel). Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher. Darunter sind auch Attacken auf Moscheen: Hasserfüllte Graffitis, eingeschlagene Fenster, Beschmutzungen von Gebetsräumen mit Schweineköpfen, aber auch Brand- und Bombenanschläge gehören zur Realität (Tagesspiegel). 

Autorin Merve Kayikci – sie hat nach dem Attentat von Christchurch Angst. 

Fast alle Moscheegemeinden in meiner Umgebung sind davon betroffen. Häufig erstatten die Gemeindemitglieder aber auch gar nicht erst Anzeige. Weil es frustrierend ist, sich damit auseinanderzusetzen. 

Sie wischen die Spuren weg, räumen auf, reparieren und versuchen, den Vorfall schnell wieder zu vergessen. 

Ich erfahre von solchen Angriffen meist über Facebook. Ich sehe, dass einer meiner muslimischen Facebook-Freunde Geld sammelt, um ein beschädigtes Moscheetor zu ersetzen. Oder es werden in einer muslimischen Facebook-Gruppe Bilder von Graffitis an Moscheewänden geteilt, um die Botschaft zu entziffern. Wenn ich online danach suche, finde ich häufig keinen Artikel dazu. Nicht mal eine Meldung.

Es gibt fast überall in Deutschland Moscheen, weil es auch überall in Deutschland Muslime gibt. Wenn ich übergangsweise in einer fremden Stadt bin, suche ich auf dem Handy nach einer Moschee, um mein Gebet verrichten zu können. Kürzlich war ich zum ersten Mal in einer Stadt, in der es keine einzige Moschee gab, nicht einmal einen Gebetsraum. Eine kopftuchtragende Frau, die ich auf der Straße ansprach, erklärte mir, dass sie geschlossen wurde. Wegen vermehrter Angriffe. Es machte mich fassungslos.  

In den vergangenen Jahren wurde viele Moscheen in Deutschland geschlossen, die vor Jahrzehnten von unseren Großeltern – manchmal sehr provisorisch – gegründet wurden. Neue Moscheen in Deutschland zu eröffnen ist sehr schwierig. Dann heißt es: Das Gebäude entspreche nicht den Feuerschutzrichtlinien. Die Nachbarschaft könnte von parkenden Autos gestört werden. Es sei im städtebaulichen Sinn kein Bereich, in dem ein Gebetshaus stehen dürfe. Oder die Einwohner starten eine Petition gegen den Bau. (Zeit Online)

Dabei sind Musliminnen und Muslime auf Gebetsräume angewiesen. Allein schon, weil wir täglich mehrmals beten, dafür eine Gebetswaschung durchführen müssen und einen sauberen Untergrund brauchen. Mit einem Gebetsteppich in der Öffentlichkeit oder auch versteckt in Treppenhäusern zu beten, trauen sich nur wenige. Häufig wird das von Teilen der Gesellschaft als störend oder bedrohlich aufgefasst. In einigen Universitäten in Deutschland wurde das Beten für muslimische Studierende in Bibliotheken sogar verboten (Stuttgarter Nachrichten). Unter Muslimen werden Tipps ausgetauscht über Arbeitsstellen und Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern erlauben, im Büro zu beten.

Ich frage mich, ob die Musliminnen und Muslime, die gestern in Christchurch getötet wurden, diese Sorgen und Nöte mit europäischen Muslimen geteilt haben.

Der mutmaßliche Täter schrieb ein Manifest vor seiner Tat (Spiegel Online). Eine verwirrende Mischung aus Drohungen und Anspielungen, doch wenn es konkret wird, geht es weniger um die USA, Neuseeland oder Australien, sondern um Europa. Er ruft dazu auf, Muslime zu deportieren, Moscheen zu schließen und Kanzlerin Angela Merkel zu töten, weil sie Muslime ins Land gelassen habe. 

Er hat nicht aus Angst vor Muslimen zur Waffe gegriffen. Er handelte aus Hass. Er wollte Angst schüren. Ich habe Angst. Davor, dass dieser Attentäter mehr Anhänger in Deutschland hat, als wir wahrhaben wollen. Angst um das freiheitlich-demokratische Miteinander. Das Attentat von Neuseeland sollte ein Weckruf sein. Wir sollten enger zusammenstehen. Die Botschaft an die Muslime in Deutschland und Europa sollte jetzt erst recht sein: Jeder darf hier seinen Glauben leben – und gehört dazu. 


Tech

Warum es in Düsseldorf jetzt einen Darkroom voller Sexroboter gibt
"Es geht nicht um Sex, wirklich"

Wer wissen will, wie sich der Sex der Zukunft anfühlt, muss nach Düsseldorf fahren. Denn im dortigen NRW-Forum gibt es derzeit einen Darkroom, der voller Sexroboter sein soll. Wer will, darf sie auch ausprobieren, berichtet der WDR. Der Raum ist Teil des zweitägigen Digitalfestivals "META Marathon". Das Ausstellungsgebäude hat rund um die Uhr geöffnet, 42 Stunden am Stück. Wer will, kann zwischen Robotern auf einem Feldbett schlafen, mit ihnen "leben, lieben, feiern und arbeiten", wie die Veranstalter schreiben.

Bilder von vor Ort zeigen (aus dem beleuchteten Teil des Festivals) unbeholfen mit Robotern flirtende Besucher und eindrucksvoll benannte Sexmaschinen wie den "Nekropneum Fuckenbrust Neckhammer 40k", der offenbar die Vorzüge von dicken Silikonbrüsten und hydraulik-betriebenen Riesendildos an einem Ort verbinden soll. 

Sieht so die Zukunft aus?