Bild: Tanmoy
Mittendrin eine Friedensnobelpreisträgerin.

Die Friedensnobelpreisträgerin wird nicht kommen. Aung San Suu Kyi hat ihre Teilnahme an der diesjährigen Uno-Vollversammlung in New York abgesagt. Dort treffen sich kommende Woche die Staats- und Regierungschefs der Welt, Suu Kyi hätte die Regierung von Myanmar repräsentieren sollen. (SPIEGEL ONLINE)

Der Grund, warum sie fernbleibt: Die Verfolgung der Rohingya in Myanmar. Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, buddhistische Extremisten vertreiben sie. Hunderttausende haben mittlerweile im Nachbarland Bangladesch Schutz gesucht, die Uno spricht von einer "ethnischen Säuberung". Und Suu Kyi schaut weg. (bento)

Die Friedensnobelpreisträgerin schaut beim brutalen Vorgehen des Militärs zu. 

Der Konflikt um die Rohingya wird von beiden Seiten angeheizt: Die Minderheit hat eine extremistische Widerstandsgruppe gegründet, Arsa genannt. Die Armee von Myanmar antwortet mit brutalem Vorgehen – sowohl gegen Arsa-Anhänger wie Zivilisten.

Auch auf Bangladesch hat die Vertreibung der Rohingya Auswirkungen. Bangladeschs bekanntester Comic-Künstler Tanmoy hat das Schicksal der Minderheit nun in Bildern festgehalten. "Ich hatte das Gefühl, dass die Welt zu wenig von dieser Krise erfährt", sagt er zu bento.

Tanmoys Zeichnungen greifen Suu Kyi und die Armee von Myanmar deutlich an:
1/12

Tanmoy zeichnet Karikaturen für die "Dhaka Tribune" und das bangladesische Satiremagazin "Unmad". Meistens bearbeitet der 30-Jährige politische und soziale Themen, sagt er. "Die Rohingya-Krise beschäftigt uns in Bangladesch schon eine Weile, sie hat mich einfach persönlich bewegt."

Im Land sei die Aufnahme der Flüchtlinge ein großes Thema. Die Regierung spricht von mittlerweile 700.000 Rohingya, die über die Grenze kamen. Die Premierministerin Scheich Hasina Wajed sagte mit Bezug auf die Bevölkerungszahl von Bangladesch: 

Wenn wir 160 Millionen ernähren können, können wir auch 700.000 Rohingya-Flüchtlinge ernähren.
Scheich Hasina Wajed, laut Dhaka Tribune

Die Bilder hätten im Netz für eine große Kontroverse gesorgt, sagt Tanmoy – gerade, weil sie sehr explizit sind. Menschen in Bangladesch hätten ihn gelobt, aus Myanmar gab es hingegen Hasskommentare und Anfeindungen. "Eine Hackergruppe hat mich persönlich bedroht", sagt Tanmoy, "für sie bin ich ein Terrorist, weil ich die Rohingya unterstütze". 

Er gibt selbst zu, dass die Bilder ein schlechtes Licht auf Myanmar werfen und Bangladesch sehr positiv darstellen. "Ich wollte damit die flüchtlingsfreundliche Haltung unserer Regierung zeigen", sagt Tanmoy. Aber natürlich gebe es auch in Bangladesch Menschen, die über den Zuzug nicht glücklich sind.

Aber natürlich ist nicht alles so rosig, wie es Tanmoy schildert. 

Bangladesch hat die Flüchtlinge lange nicht haben wollen, dann wurden sie zu Tausenden in schlammige, versumpfte Gebiete abgeschoben. Viele Familien hausen unter ärmlichen Zuständen, eine Versorgung, wie sie Scheich Hasina Wajed verspricht, gibt es kaum. (taz

Erst jetzt, wo der Konflikt viel Aufmerksamkeit bekommt, wird er von muslimischen Ländern als Beweis genutzt, dass sich der Westen nicht für das Schicksal der muslimischen Minderheit interessiert. Vor allem Autokraten inszenieren sich mit dem Schicksal der Rohingya, Herrscher wie der türkische Recep Tayyip Erdogan und der tschetschenische Ramzan Kadirow, die selbst Minderheiten verfolgen, spielen sich nun als Wohltäter auf. (SPIEGEL ONLINE)

Rund um die Flüchtlingskrise ist so längst ein Netzkampf um die Wahrheit entbrannt.

Anhänger Myanmars werfen den Rohingya und ihren Unterstützern vor, Islamisten zu sein. Medien, die über die Flüchtlingskrise informieren, bezichtigen sie der Lüge. Mit Memes und Cartoons versuchen sie, die vorherrschende Haltung zu drehen.

(Bild: Screenshot: Twitter)

In den vergangenen Tagen sind um die 1500 Twitter-Accounts entstanden, die die Memes verbreiten. Nur wenige dieser Accounts scheinen allerdings echt zu sein. (Global Voices)

Analysten gehen davon aus, dass gezielt Social Bots geschaltet wurden, um Einfluss auf die Sichtweise des Konflikts zu nehmen.

Tanmoy fühlt sich durch die Angriffe im Netz nicht gestört: 

Eigentlich geht es mir nach jeder neuen Drohung besser – dann weiß ich wenigstens, dass meine Karikaturen in Myanmar gesehen werden und Reaktionen hervorrufen.


Today

Wir haben den Kumpel von Christian Lindners Schul-Firma gefunden
Was Christopher heute über Christian sagt.

Das Jahr 1997, zwei Typen stehen mit Anzug vor ihrer Schule. Einer hält einen Aktenkoffer und trägt eine extrabreite Krawatte, dazu hochgegelte Haare. Es ist Christian Lindner, damals 18-jähriger Schüler, heute Spitzenkandidat der FDP. 

Neben ihm steht sein Kumpel Christopher, breiter Hemdkragen, dazu Sakko. Beide haben gerade ihre erste Firma gegründet, sie wollen Unternehmern das Internet erklären. Stern TV hat ein altes Video über die jungen Unternehmer ausgegraben. Es wird gerade im Netz geteilt. (Hier kannst du es dir anschauen)

Wir haben Christopher aufgespürt und nachgefragt: War Christian Lindner tatsächlich so ein Durchstarter?