Bild: Screenshot / Edeka
Ironie zum Muttertag

Werbung über Väter hat das Zeug, die Menschen zu spalten und Unternehmen virale – und damit billige – Reichweite zu verschaffen. Manchmal schafft Werbung das, indem sie Männer für ihr Potenzial lobt, so wie Gillette. Seit Sonntag ist in Deutschland das Gegenteil der Fall. Edekas neuer Clip "Danke" geht in die komplett andere Richtung und nimmt Väter, vorgeblich ironisch, aufs Korn: 

Weil sie in allen Bereichen des Lebens schlechter, grober und unfähiger seien als Mamas. 

Über eine Million Views hat der kurze Werbeclip allein auf Facebook am ersten Tag nach seiner Veröffentlichung angesammelt, fast 700.000 bei YouTube. Die meisten Männer sind, zumindest den erbosten Kommentaren nach zu urteilen, nicht gerade erfreut über diese unfaire Kritik. 

Dabei trifft die Edeka-Werbung einen wahren Kern. Auch, wenn den Machern das wahrscheinlich nicht bewusst war. 

Denn nur einer von zehn Vätern nimmt mehr als zwei Monate Elternzeit, viele Väter schieben nach der Geburt eines Kindes sogar Überstunden, um ihre Familie finanziell zu versorgen. Neben dem Zu-Bett-Bringen oder Abladen bei der Krippe ist da oft nicht viel Zeit für emotionale Bonding-Momente. (bento)

Meist ist das aber nicht die Schuld der Väter: Die würden sehr gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, wie Studien belegen. Hausarbeit und Kindererziehung werden in Deutschland aber immer noch als “Frauenarbeit” kleingeredet. Väter, die sich daran versuchen, werden daher oft ausgelacht oder vom Arbeitgeber ausgebremst. ("Väterreport" des Bundesministeriums für Familie)

Und selbst, wenn sie von Frau und Jobgeber unterstützt werden, fehlt Familien mit Elternzeit-Papas oft das Geld. Weil Väter in drei Vierteln aller deutschen Haushalte immer noch Hauptverdiener sind, allen Gleichstellungsbestrebungen zum Trotz. Solange Frauen (und angebliche Frauenberufe) schlechter bezahlt werden als Männer (und angebliche Männerberufe), wird sich dieser Zustand nicht ändern. (Studie "Männer-Perspektiven")

Dass sich ein Unternehmen, das “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” als kulturellen Wert auf die Fahnen geschrieben hat, nun Salz in diese Wunde streut, ist zwar geschmacklos. Dennoch hat es damit auch Recht. Denn Kinder, die im System “Papa-ist-immer-auf-Arbeit” aufwachsen, werden auch weiterhin ihren Vater als denjenigen erleben, der häufiger gestresst ist und die Bedürfnisse des Kindes nicht so gut kennt wie die Mutter. 

Ein Lichtblick: Junge Eltern haben das erkannt und teilen sich immer öfter die Erziehungszeit. (bento) Bei diesen Paaren gewinnen und verlieren Mütter und Väter gemeinsam bei den kleinen und großen Aufgaben des Alltags.

Die Macher der Edeka-Werbung ignorieren diesen Fakt – und werden sich über den wahrscheinlich kalkuliert eingetretenen Shitstorm freuen. Und wenigstens greift er die Hauptkundschaft nicht all zu so sehr an.

Denn Einkaufen gehört ja zur Hausarbeit, und ist damit "Frauensache". Von daher: Danke, Mama.


Future

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Wir haben uns die Ergebnisse genauer angeschaut und junge Studierende gefragt, wie sie ihre Auswahl treffen.