Bild: Getty Images

Jeder zweite Deutsche wünscht sich ein Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern. Das geht aus einer neuen Umfrage des britischen Think Tank "Chatham House" hervor. Demnach würden 53 Prozent solch einen "Muslim Ban" nach dem Vorbild von Donald Trump befürworten. Nur 19 Prozent lehnen es strikt ab.

Die Deutschen gehören aber dennoch zu den verhalteneren Befürwortern. "Chatham House" hat insgesamt zehn Länder in Europa befragt: Deutlich mehr Zustimmung erhält der Muslim Ban in Polen, Österreich und Belgien.

Welche Länder wünschen sich eine Einreiseverbot für Muslime?

Befragt wurden Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Großbritannien, Ungarn und Polen. Nur in zwei Ländern – Spanien und Großbritannien – sprach sich keine Mehrheit für den Bann aus. Bei allen anderen Ländern stimmten zwischen 51 und 71 Prozent der Befragten dafür.

Das ist das Ranking:

  1. Polen (71 Prozent dafür)
  2. Österreich (65 Prozent dafür)
  3. Belgien (64 Prozent dafür)
  4. Ungarn (64 Prozent dafür)
  5. Frankreich (61 Prozent dafür)
  6. Griechenland (58 Prozent dafür)
  7. Deutschland (53 Prozent dafür)
  8. Italien (51 Prozent dafür)
  9. Großbritannien (47 Prozent dafür)
  10. Spanien (41 Prozent dafür)
Hier könnt ihr die Stimmen in der interaktiven Grafik anschauen:
Wie genau funktioniert der "Muslim Ban" in den USA?

Trump will Menschen aus ausgewählten muslimischen Ländern die Einreise verbieten. Vor der US-Justiz ist er damit jedoch gescheitert (bento). Richter bewerten das Dekret als verfassungsfeindlich. Diese Punkte hatte Trump geplant:

Das Dekret soll die USA vor einreisenden Terroristen schützen. In den kommenden 120 Tagen sollen daher keine Flüchtlinge aufgenommen werden.
Weiterhin gilt komplettes Einreiseverbot für Bürger aus dem Irak, dem Iran, Syrien, Libyen, Somalia, dem Jemen und dem Sudan.
An Bürger dieser mehrheitlich muslimischen Länder werden keine Visa erteilt.
Die Zeit sollen die US-Behörden nutzen, um neue, schärfere Einreiseregeln auf den Weg zu bringen.
Die Einreise von Flüchtlingen aus Syrien stoppt Trump auf unbestimmte Zeit. Die Gesamtzahl von Flüchtlingen in den USA wird auf 50.000 begrenzt.
Trump begründet die Maßnahme mit der Erinnerung an den Anschlag vom 11. September.
Die damaligen Flugzeugenführer waren jedoch keine Flüchtlinge und stammten aus Ländern, die nicht auf dieser Liste stehen.
Auch in den jüngsten Jahren begangene Anschläge in den USA wurden nicht von Flüchtlingen begangen.
Der Bann hinderte in den ersten Tagen vor allem Geschäftsreisende und US-Bürger mit doppelten Pässen an der Einreise.
1/12
Was fand die Studie noch heraus?
  • Zwischen den Geschlechtern gibt es keine großen Unterschiede in der Ablehnung des "Muslim Ban": 57 Prozent der Männer wollen es, 52 Prozent der Frauen.
  • Je älter, desto mehr Befürwortung: Nur 44 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wollen das Gesetz, aber 63 Prozent der Über-60-Jährigen.
  • Die Befürwortung für ein Einreiseverbot ändert sich auch mit dem Wohnort: 52 Prozent der Städter sind dafür, 58 Prozent derer, die auf dem Land leben.
Wie wurde die Europa-Studie zum "Muslim Ban" durchgeführt?

"Chatham House" hat mehr als 10.000 Menschen online befragt – im Schnitt etwa 1000 pro Land. Die Umfrage kann also als repräsentativ gewertet werden.

Es gibt allerdings einen kleinen Haken: Die Umfrage wurde zwischen Mitte Dezember 2016 und Mitte Januar durchgeführt. Zu dem Zeitpunkt war Trump noch nicht im Amt und sein Dekret daher noch nicht verabschiedet. Mit den Diskussionen um die Verfassungsfeindlichkeit des Einreiseverbotes könnte eine Umfrage heute also schon wieder anders aussehen.


Fühlen

Ich bin eine Frau. Muss ich Angst in der Öffentlichkeit haben?
Laut einer Umfrage hat jede dritte Frau wegen Zuwanderern mehr Angst.
"Jede dritte Frau fühlt sich in den letzten zwei Jahren infolge der Zuwanderung zunehmend unsicherer. 62 Prozent aller Frauen meiden abends bestimmte Straßen, Parks oder Plätze. Ein Drittel tut das nach eigenen Angaben seit zwei Jahren häufiger."