Bilder bei Facebook und Twitter zeigen, wie überall Laptops und Kaffeebecher stehen, einige Leute bringen Proviant. Im Ankunftsbereich des New Yorker Flughafens JFK tummeln sich gerade viele junge Menschen. Weil sie helfen wollen.

Denn seit dem US-Einreiseverbot werden einige Menschen aufgrund ihrer Herkunft an amerikanischen Flughäfen in Gewahrsam genommen (bento). Doch sofort versammelten sich Hunderte Juristen an den Airports, um ihnen helfen.

So auch in New York. "Ich bin jetzt seit 14 Stunden hier", sagt Roman, einer der vielen Freiwilligen, zu bento. Der 29-Jährige hat jahrelang als Anwalt für Einwanderungsrecht gearbeitet, lebt in New York – und hat jetzt seine erste Nacht am JFK-Airport verbracht. Über die sozialen Medien ist er auf die Gruppe "No Ban JFK" gestoßen und sah einen Hilferuf wie diesen:

Was war passiert?

Am Sonntag schockierte die Trump-Regierung mit einem plötzlichen Einreiseverbot für Bürger aus sieben Ländern. Seitdem sind Menschen in der ganzen Welt an Flughäfen gestrandet, weil ihnen die Weiterreise verwehrt wird. In den USA selbst wurden viele direkt nach der Ankunft in Gewahrsam genommen, völlig unabhängig von jeglichem Verdacht, nur weil sie Pässe der entsprechenden Länder (Irak, Syrien, Libyen, Somalia, Jemen, Sudan und Iran) haben.

"Ich bin hier, weil mich das Verbot sehr betroffen macht und ich mit meiner Arbeitserfahrung ein wenig helfen kann", sagt Roman. Andere kämen über Anwaltskanzleien, die sich dem Widerstand gegen den Einreisestopp angeschlossen haben. Alle sind freiwillig hier, opfern ihre Zeit und ihren Schlaf, um denen zu helfen, die im Raum zwischen Ankunftsgate und Einreiseschalter festhängen.

Die Juristen geben den Ankommenden rechtliche Beratung, klären sie über ihre Rechte auf und achten darauf, dass niemand Dokumente unterschreiben muss, die demjenigen später zum Verhängnis werden könnten.

So sieht es im Ankunftsbereich aus:

At JFK terminal 4 #NoBanJFK #NoBanUSA

Posted by Afnan Ay on Sonntag, 29. Januar 2017
"Sie wurden gezwungen, ihre eigene Ausweisung zu unterschreiben."
Roman

Die Geschichten erschüttern, klingen nach Willkür: "Ein iranischer Vater und sein Sohn wurden 33 Stunden lang in Gewahrsam gehalten – ohne Bett", sagt Roman. Danach habe man sie gezwungen, ein Dokument für ihre eigene Ausreise zu unterschreiben, wonach sie fünf Jahre lang nicht mehr in die USA zurückkehren dürften. Durch das Eingreifen der Freiwilligen konnte die Abschiebung verhindert werden.

Inzwischen wurden nach Regierungsangaben alle festgehaltenen Einreisenden wieder freigelassen. Doch die Situation für Ankommende bleibt unsicher und die Juristen suchen weiterhin Unterstützung: "Wir brauchen mehr Freiwillige, aber selbst wenn jemand nur in den sozialen Medien auf die Sache aufmerksam macht, hilft uns das sehr!"

Dieses Video ist das perfekte Gegenmittel zum Trump-Hass:

Was du jetzt gerade wissen musst:

Ist der Einreisestopp wirklich anti-islamisch?
Alle der betroffenen Staaten sind mehrheitlich islamisch. Dadurch entsteht der Eindruck, der Einreisestopp richte sich gezielt gegen Muslime. Trump bestreitet dies zwar (SPIEGEL ONLINE) und sagt, es habe nichts mit der Religion, sondern mit der Terrorismusgefahr durch Bürger dieser Länder zu tun. Doch gleichzeitig erleichterte die Regierung die Einreise für Christen aus den entsprechenden Ländern – was übrigens selbst von christlichen Geistlichen in den USA als menschenfeindlich verurteilt wurde (New York Times).

Hat Trump Rückendeckung in der eigenen Partei?
Auch Republikaner sprechen sich gegen den Einreisestopp aus. Indem Muslime gezielt ausgeschlossen werden, würde die Terrorismusgefahr gegen die USA sich eher erhöhen statt sich zu verringern, sagten die Senatoren John McCain und Lindsey Graham. Trump reagierte darauf via Twitter, nannte die Senatoren "schwach" und ihre Aussagen falsch.

Was sagen die Gerichte zum Einreiseverbot?
Eine Bundesrichterin aus New York erließ am Sonnabend nach der Klage mehrerer Bürgerrechtsorganisationen einen Beschluss, der Teile des Einreiseverbots aufhob (SPIEGEL ONLINE II). So dürfen beispielsweise Bürger der genannten Länder weiterhin in die USA einreisen, wenn sie bereits eine Green Card haben. Auch die sofortige Abschiebung von einreisenden Flüchtlingen wurde vorerst gestoppt. Trotzdem bleibt die rechtliche Lage vieler Betroffener unklar.

Wie viele Menschen sind betroffen?
Die genauen Zahlen sind unklar. Die Trump-Regierung spricht von 109 Menschen, die in den USA in Gewahrsam genommen wurden. New Yorks Generalstaatsanwalt fragte bei den Behörden eine Liste aller Menschen an, die an New Yorker Flughäfen festgehalten wurden. Die Antwort war lediglich: Man halte sich an die Gerichtsurteile. Trotzdem gibt es Berichte, dass die Verantwortlichen an einigen Flughäfen eben genau das nicht tun (New York Times II).

Das Dekret soll die USA vor einreisenden Terroristen schützen. In den kommenden 120 Tagen sollen daher keine Flüchtlinge aufgenommen werden.
Weiterhin gilt komplettes Einreiseverbot für Bürger aus dem Irak, dem Iran, Syrien, Libyen, Somalia, dem Jemen und dem Sudan.
An Bürger dieser mehrheitlich muslimischen Länder werden keine Visa erteilt.
Die Zeit sollen die US-Behörden nutzen, um neue, schärfere Einreiseregeln auf den Weg zu bringen.
Die Einreise von Flüchtlingen aus Syrien stoppt Trump auf unbestimmte Zeit. Die Gesamtzahl von Flüchtlingen in den USA wird auf 50.000 begrenzt.
Trump begründet die Maßnahme mit der Erinnerung an den Anschlag vom 11. September.
Die damaligen Flugzeugenführer waren jedoch keine Flüchtlinge und stammten aus Ländern, die nicht auf dieser Liste stehen.
Auch in den jüngsten Jahren begangene Anschläge in den USA wurden nicht von Flüchtlingen begangen.
Der Bann hinderte in den ersten Tagen vor allem Geschäftsreisende und US-Bürger mit doppelten Pässen an der Einreise.
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