Bild: Tim Schrock
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit Mister Gay Germany.

Jedes Jahr auf's Neue wird der "Mister Gay Germany" gekrönt. Dieses Jahr ging der Titel an den 29-jährigen Marcel Danner aus Berlin. Für ihn ist die Wahl mehr als eine Spaßveranstaltung: Er möchte den Titel nutzen, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das seiner Meinung nach noch viel zu wenig thematisiert wird. 

Wir haben mit Marcel Danner gesprochen, wie er das 2019 ändern will.

(Bild: Mirko Plengemeyer)

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr?

Ich habe mich ganz spontan dazu entschieden, an der Wahl des "Mister Gay Germany 2019" teilzunehmen und tatsächlich gewonnen. Nachdem es für mich jetzt auf die 30 zugeht, dachte ich, es sei nun endgültig an der Zeit, dass ich mich politisch engagiere. Deshalb möchte ich mit meinem Titel auf ein mir sehr wichtiges Thema aufmerksam machen: Ich will erreichen, dass schwule Männer endlich auch Blut spenden dürfen.

Welche Herausforderung gibt es dabei? 

Momentan ist die Rechtslage schwierig und diskriminierend: Bis 2017 durften schwule Männer in Deutschland überhaupt kein Blut spenden. Mittlerweile dürfen wir spenden – aber nur, wenn wir mindestens zwölf Monate lang keinen Sex hatten. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, was für absurde Bedingungen da an schwule Männer gestellt werden. Menschen, die unsafen Sex mit vielen wechselnden Partnerinnen und Partnern haben, zählen zu einer Risikogruppe und sollten auch weiterhin nicht spenden – aber schwule Männer so zu pauschalisieren, finde ich komplett falsch.

Wie begründet die Bundesärztekammer die Richtlinien für Blutspender?

In einer Veröffentlichung von 2016 schreibt die zuständige Arbeitsgruppe:

"Die medizinisch-wissenschaftliche Diskussion um die Zulassungskriterien zur Blutspende wird teilweise von gesellschaftspolitischen Fragen überlagert. Unabhängig von diesem Diskurs um die Gleichstellung von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben, dient die [...] Risikobewertung der Wahrung der Sicherheit von Blut und Blutprodukten."

Man wolle also niemanden diskriminieren:

"Eine Bewertung des Sexualverhaltens oder der sexuellen Orientierung im Sinne einer Diskriminierung wird damit nicht vorgenommen. Unstrittig ist, dass risikobehaftetes Sexualverhalten von Blutspendern, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Auswirkungen auf die Virussicherheit der aus der entsprechenden Spende hergestellten Blutprodukte haben kann."

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019?

Ich wünsche mir eine Neuregelung der Richtlinien, ähnlich wie in Spanien und Portugal: Hier wurden die Fragebögen, die man vor einer Spende ausfüllen muss, geändert. So wird nicht mehr nach der Sexualität der Spenderinnen und Spender gefragt, sondern nach dem Sexualverhalten. Hier können also auch schwule Männer, die safen Sex haben, spenden. Ich selbst kann kein Blut mehr spenden, seitdem ich mich vor neun Jahren geoutet habe. Dabei bin ich ein sehr wertvoller Spender, weil ich die Blutgruppe Null negativ habe. Nur 6 Prozent der Weltbevölkerung haben diese Blutgruppe: Mein Blut ist mit allen anderen Gruppen kompatibel – damit kann ich theoretisch jedem Menschen, der eine Transfusion braucht, helfen. 

Was muss geschehen, damit du dieses Ziel erreichst?

Ich unterstütze die Petition für bessere Blutspendebedingungen von Daniel Zimmermann. Gemeinsam sammeln wir Unterschriften, damit wir uns an das Bundesministerium für Gesundheit wenden können – das Ministerium entscheidet nämlich über die Bedingungen der Blutspende. Bislang haben wir knapp 20.000 Unterschriften zusammen bekommen, wir brauchen aber insgesamt 50.000, um einen entsprechenden Antrag stellen zu können.

Wenn auch dir gerechte Bedingungen zur Blutspende wichtig sind, kannst du die Petition hier unterzeichnen.

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Gerechtigkeit

19 für 2019: Ruben Neugebauer rettet Menschen
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit dem Mitglied von Sea-Watch.

Ruben Neugebauer hat Sea-Watch mit aufgebaut. Seit Anfang 2015 war die ständig wachsende Organisation für Seenotrettung an der Rettung von weit über 35.000 Menschen beteiligt. Sea-Watch besteht vor allem aus engagierten Freiwilligen aus ganz Europa und finanziert sich komplett über Spenden. 

Bei Sea-Watch kümmert sich Neugebauer neben der Kampagnenarbeit auch um den Bereich Luftaufklärung. Der Fotojournalist machte extra einen Flugschein, um für Sea-Watch aus der Luft nach Menschen in Seenot suchen zu können. 

Wir haben mit Ruben Neugebauer über die größten Herausforderungen für das kommende Jahr gesprochen.