Bild: EPA/Andrea DiCenzo

Sie kamen auf Pick-ups und nahmen Mossul im Sturm. Die irakische Armee leistete praktisch keinen Widerstand, Offiziere und Soldaten flüchteten überstürzt. Wenige Tage später posierte ein Kämpfer mit Kalaschnikow und schwarzer Flagge auf einem zentralen Platz der nordirakischen Stadt. Das Foto – und die damit verbundene Botschaft – verbreitete sich im Netz: Keiner kann uns aufhalten.

"Uns", das war die Terrormiliz "Islamischer Staat“ (IS). Mit nur 800 Islamisten soll sie Anfang Juni 2014 Mossul erobert haben. Rund 30.000 Soldaten flohen, ließen Waffen, Munition und Fahrzeuge zurück. Jetzt hat der Irak eine Offensive zur Rückeroberung gestartet, nach knapp zweieinhalb Jahren.

Gemeinsam mit der irakischen Armee rücken kurdische Peschmerga-Kämpfer und schiitische Milizen vor, die von den USA geführte Koalition begleitet die Offensive mit Luftschlägen. Gelingt die Einnahme der Stadt, wäre es mehr als ein symbolischer Sieg – es wäre das faktische Ende des IS im Irak.

So begleiten kurdische und irakische Kämpfer den Sturm auf Instagram

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Die Stadt liegt rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris. Von hier aus konnte der IS im Sommer 2014 entlang des Flusses bis auf wenige Kilometer an Bagdad vorrücken. Die irakische Armee brauchte fast zwei Jahre, um die Dschihadisten zurückzudrängen. Erst im Juni war die westirakische Stadt Falludscha zurückerobert worden. Mossul ist nun des IS letzte Bastion.

Die Stadt ist eine bedeutende Wirtschaftsmetropole im Nordirak. Mehrere große Erdölraffinerien liegen im Umland, auch für seine Textilverarbeitung ist die Stadt bekannt. Der Stoff Musselin ist nach ihr benannt. Als historisch bedeutende Stadt beherbergte Mossul im städtischen Museum zudem Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Dutzende davon haben die IS-Extremisten zerstört.

Um die 1,5 Millionen Menschen sollen trotz der Fremdherrschaft noch in Mossul leben, unter ihnen Christen, Kurden, Turkmenen und Jesiden. Die große Mehrheit bilden jedoch sunnitische Araber – sie sind er Grund, warum dem IS die Eroberung so leicht gelingen konnte. Die Terrormiliz gründet sich auf den sunnitischen Islam, sucht dort nach Anhängern. Viele fand sie unter den alten Getreuen von ehemaligen irakischen Diktator Saddam Hussein.

Nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein flohen zahlreiche Anhänger nach Mossul.

Darunter waren Kader seiner Baath-Partei, Ex-Militärs und hochrangige Geheimdienstler, die von der neuen Regierung geschasst worden waren. Viele von ihnen verbündeten sich später mit dem IS, die Miliz konnte so vor ihrem Sturm geheime Zellen in Mossul aufbauen.

Vor allem dieser Rückhalt ermutigte wohl auch IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi zu seinem bislang einzigen öffentlichen Auftritt: Bei einer Freitagspredigt in der Großen Moschee von Mossul rief er Muslime auf aller Welt auf, den IS beim Dschihad zu unterstützen. Erst wenige Tage zuvor hatte er die vom IS eroberten Gebiete im Irak und in Syrien zum sogenannten "Kalifat" erklärt. Neben dem syrischen Rakka gilt vor allem Mossul als Stütze dieses "Kalifats".

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