Bild: Marc Röhlig

Lasst Muslime in Deutschland einfach Steuern für ihren Glauben zahlen! 

Der Unions-Bundestagsfraktionsvize Thorsten Frei schlug die Idee einer Moscheesteuer in der "Welt" vor – und sie könnte tatsächlich sinnvoll sein. Das findet unter anderem auch die türkische Gemeinde Niedersachsen (NDR). 

Denn deutsche Moscheen werden vor allem aus der Türkei und aus Saudi-Arabien finanziert.

Viele Moscheen in Deutschland gehören zum Ditib-Verband. Der untersteht Diyanet, der türkischen Religionsbehörde. Andere Gemeinden werden vor allem aus Saudi-Arabien finanziert. Das erzkonservative Königreich spendet Moscheebauten in aller Welt – und will so seine Lesart des Islam überall durchsetzen.

Dafür werden auch nicht nur die Gebäude finanziert, sondern auch Imame aus der Türkei oder Saudi-Arabien hergeschickt. Deshalb wird nur in wenigen Moscheen auf deutsch gepredigt. Viele arabische Imame sind Wanderprediger, die mit Touristenvisa hier sind. Sie sind weder in Deutschland aufgewachsen, noch sprechen sie die deutsche Sprache. An der Lebenswirklichkeit der Muslime im Land predigen sie also einfach vorbei.

Eine Moscheesteuer könnte dem entgegenwirken und deutschen Islam-Gemeinden helfen, vom Ausland unabhängig zu werden. Die SPD nannte Freis Vorschlag deshalb "diskussionswürdig". Frei sagt, so eine Steuer würde es Muslimen in Deutschland erlauben, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. 

Die Idee findet Anhänger und Gegner. Burhan Kesici, der Vorsitzende des Islamrates, lehnt sie ab – Politikerinnen und Politiker würden sich in die Belange der deutschen Muslime einmischen (Bild).

Eine Moscheesteuer könnte ganz ähnlich wie die Kirchensteuer funktionieren: In Deutschland drücken Christen eine Kirchensteuer an den Staat ab – dieser gibt das Geld an die christlichen Gemeinden weiter. Für muslimische Gemeinden gilt das jedoch noch nicht.

Für den Islam in Deutschland ginge es bei einer solchen Steuer um viel mehr als nur um Geld: Es ginge auch um die Repräsentation auf der institutionellen Ebene, darum, muslimisches Leben in verschiedenen Bereichen in die Mitte der Gesellschaft tragen zu könnnen und eigene Vorstellungen vertreten zu sehen. Wenn man den  Gedanken weiterspinnt, könnte eine neue deutsch-muslimische Gemeinde entstehen, die es in dieser Form noch nicht gibt. 

Durch die Moscheesteuer könnten zum Beispiel auch in größeren Maßstäben muslimische Kindergärten, Friedhöfe, Altenheime und der Koran-Unterricht in Gemeinden finanziert werden. 

Das klingt für viele vielleicht eher nach Abgrenzung als nach Integration. Tatsächlich könnte aber das Gegenteil der Fall sein. Denn Koran-Unterricht gibt es in vielen Gemeinden längst, auch die ersten muslimischen Kitas existieren schon. Die Projekte sind ein wichtiger Pfeiler muslimischen Lebens in Deutschland. Bisher bleiben viele Gemeinden allerdings für sich oder fühlen sich in ihrer Arbeit maximal den ausländischen Finanziers verpflichtet.

Durch die Moscheesteuer wären diese Projekte von deutschen Muslimen für deutsche Muslime finanziert. Menschen hier könnten Einfluss nehmen auf Imame, Kindergärtner und Lehrer, sie könnten Prioritäten beeinflussen und ihre Perspektive auf die Gesellschaft und den Islam in Predigten, Unterricht und Alltag einfließen lassen. 

Das hätte auch Einfluss auf die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Islam. Angefangen bei der Interpretation einzelner Suren bis hin zu dem Konzept von Ehre – viele wichtige Bausteine eines Glaubens werden durch die Perspektive der Gläubigen stark beeinflusst. Und die Perspektiven eines deutschen und eines saudischen Imams könnten sich stark unterscheiden.

Kritiker können nun mit Recht einwenden, dass Religion und Staat in einem säkularen Deutschland eigentlich getrennt werden sollten, nicht noch stärker vermischt. Das stimmt natürlich. 

Allerdings sind bei uns Kirche und Staat so eng verwoben, dass es nahezu unmöglich scheint, die Kirchensteuer einfach abzuschaffen. Zu viel Gemeindearbeit und soziales Leben hängen in Deutschland an der Kirchensteuer und dem Konzept der Kirche als Arbeitgeber. Wenn diese Gemeindearbeit in Deutschland an Religion gekoppelt ist, gilt es, auch anderen die Chance zu geben, daran Teil zu haben – zum Beispiel, indem man eine Moscheesteuer einführt, und die Moschee damit stärker in Deutschland verankert.

Ein weiterer Kritikpunkt, den vor allem die SPD bei einer möglichen Moscheesteuer einbringt: Um die Gelder klar verwalten zu können, fehlt es bislang an Strukturen und Ansprechpartnern. Zu viele Verbände und Vereine nehmen in Deutschland auf die Islamgemeinden Einfluss. Aber auch hier kann eine Moscheesteuer helfen; Geld bekommt, wer sich transparent organisiert.

Unsere Gesellschaft baut auf ein Miteinander, Muslime werden darin aber zu wenig repräsentiert. Natürlich gibt es den deutschen Islam längst (bento) – bisher muss ihn aber jeder Muslim und jede Muslima für sich selbst leben. 

Mit der Moscheesteuer würde endlich auch eine deutsch-islamische Identität auf Gemeindeebene möglich.

Und die Frage, ob und wie viel "der Islam" nun zu Deutschland gehört, wäre ein für alle Mal geklärt.


Streaming

Der Trailer zum ersten "Black Mirror"-Film ist da – und wir hätten da mal 3 Fragen
Was heißt hier "interaktiv"?

Jetzt ist es offiziell: Am Freitag, dem 28. Dezember 2018, erscheint "Black Mirror – Bandersnatch" auf Netflix. Ein Trailer hat das Veröffentlichungsdatum verraten. Doch "Bandersnatch" soll keine normale "Black Mirror"-Folge sein.

1 Was ist das Besondere an "Black Mirror – Bandersnatch"?

Jede "Black Mirror"-Folge zeigt eine abgeschlossene Geschichte mit eigenen Protagonisten. Einzelne Folgen hatten dabei durchaus auch schon Überlänge. Den bisherigen Rekord hält die Episode "Von allen gehasst" (Staffel 3, Folge 6) mit 89 Minuten. 

"Bandersnatch" soll mit 90 Minuten jetzt als Netflix-Film gelten (The Hollywood Reporter). Der Film soll dabei für sich alleine stehen und nicht ein Teil der für Anfang 2019 erwarteten fünften Staffel sein. 

2 Dieser "Black Mirror"-Film soll erstmals interaktiv sein. Was heißt das?

Wie Esquire herausgefunden haben will, soll "Bandersnatch" die erste interaktive, beziehungsweise "choose your own adventure"-Geschichte von "Black Mirror" sein. So soll der Film zwar 90 Minuten lang sein, es soll allerdings über 300 Minuten Material geben. Zuschauer sollen während des Films an mehreren Stellen die Möglichkeit bekommen, selbst zu entscheiden, wie es weiter geht.