2009, da war er 27, wurde er zum jüngsten Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen gewählt. Fünf Jahre später gewann er die Wahl erneut – mit  94,64 Prozent der Stimmen.

Heute ist Daniel Zimmermann 35 und hat viel erreicht: Monheim am Rhein hat die Einnahmen durch eine Gewerbesteuer verzehnfacht, bald gibt es flächendeckend öffentliches WLAN – und Zimmermann selbst ist in Talkshows und Fernsehbeiträgen ein beliebter Gast.

Zwischen den älteren Herren in dunklen Anzügen wirkte er wie ein Exot. Auf seine erste Fortbildung für frisch gewählte Bürgermeister begleitete ihn ein Kamerateam. Die älteren Kollegen waren neidisch. "So viel Aufmerksamkeit hätten sie sich auch gewünscht", sagt Zimmermann. Doch er hat auch Situationen erlebt, in denen er und seine jungen Mitstreiter nicht ernst genommen wurden – nur wegen ihres Alters. 

Unter dem von bento initiierten Hashtag #diesejungenLeute berichten seit der vergangenen Woche junge Politiker von genau diesen Situationen: Statt "Frau" ist man das "Mädchen", man wird für den "Praktikanten" oder den "Assistenten" gehalten oder bei Sitzungen in die zweite Reihe verwiesen. 

Zwar kann auch Daniel Zimmermann von solchen Momenten berichten. Doch immer, wenn man ihm kindliche Spitznamen gab oder ihm in politischen Runden nicht zuhörte, machte er sich nichts draus. 

Wie hat Daniel das geschafft? Und was entgeht der Politik, wenn sie die Meinungen der jungen Menschen nicht zulassen? Wir haben Daniel Zimmermann gefragt.
Daniel Zimmermann mit Thomas de Maizière
Was können Sie besser als ältere Politiker?

Lassen wir uns doch gern "Du" sagen. 

Junge Menschen probieren Neues meistens einfach aus. Ich beschränke mich im Voraus nicht, wenn ich Ideen und Pläne habe. Zu viel Erfahrung zu haben, bedeutet oft, dass man denkt: "Das hat früher schon nicht funktioniert, dann müssen wir es ja kein zweites Mal versuchen."  

Monheim ist mittlerweile eine innovativ denkende Stadt geworden. Wir haben zum Beispiel 2014 damit angefangen, überall für Glasfaser und W-Lan zu sorgen. Ende des Jahres werden wir die erste Stadt deutschlandweit sein, in der jedes Gebäude einen Glasfaser-Anschluss direkt bis in den Keller hat. Und all unsere Straßenlaternen werden gerade ans Internet angeschlossen, sodass man sofort am Computer sehen kann, wenn mal eine Lampe kaputt ist.

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Während der Schulzeit gründete Daniel Zimmermann zusammen mit Freunden die Jugendpartei PETO, deren Vorsitzender er bis 2004 war. Zuerst ging es PETO vor allem um bessere Infrastruktur in Monheim am Rhein – Ausbau von Fahrradwegen, Busverbindungen. Dann wurde auch Kinder- und Familienpolitik zu einem Hauptthema. 

2009 wählte die Stadt Zimmermann zu ihrem Bürgermeister. Zuvor hatte er an der Universität Köln Französisch und Physik auf Lehramt studiert.

Ältere verweisen oft auf ihre Erfahrung. Wann ist es sinnvoll, darauf zurückzugreifen?

Erfahrung spielt – ehrlich gesagt – eine immer geringere Rolle, vor allem in einer Welt, die sich immer schneller verändert.

Ein Beispiel aus unserer Stadt: Wir haben unsere Gewerbesteuer vor einigen Jahren um ein Drittel gesenkt. Jeder, der sich lange mit Kommunalfinanzen beschäftigt hat, hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Aber siehe da: Trotz der Absenkung haben wir die Gesamteinnahmen verzehnfacht, weil sich so viele Unternehmen bei uns angesiedelt haben.

Wie fühlt sich das an, wenn solch ein Erfolg erst einmal belächelt wird?

Ich habe es immer auch als Vorteil gesehen, wenn man als junger Mensch erst einmal nicht ernst genommen wird. Bei der Debatte im Stadtrat wurde uns teilweise gar nicht zugehört. Wir haben aber auch einige Fehler gemacht. Wir wussten am Anfang gar nicht, wie man einen Antrag stellt und wo man ihn einreicht, damit er auf der Tagesordnung landet. Aber weil wir so unbedeutend waren, hat das einfach niemanden interessiert. 

Diese Freiheit ist etwas Tolles.

Für viele ist der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert nur der Kevin, der wahrscheinlich noch in der WG wohnt und sich mit Mama und Papa berät. Findest du dich darin wieder?

Auch ich habe erlebt, dass Fernsehsender unbedingt in meinem Studenten-Apartment Aufnahmen drehen und meine Eltern interviewen wollten. 

Es ist dämlich, Frauen zu fragen, wie sie Beruf und Familie vereinbaren. Und genauso dämlich ist es, junge Leute zu fragen, was denn ihre Eltern über sie denken.

Unter #diesejungenleute haben wir junge Politiker aufgefordert, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Was denkst du, wenn du die Tweets darüber liest?

Ich konnte mich darin wiederfinden. Von einem unserer Landtagsabgeordneten habe ich gelesen, dass sein älterer Referent für den Abgeordneten und er für den Praktikanten gehalten wurde. So was habe ich auch mal auf einer Messe erlebt, als ein älterer städtischer Mitarbeiter für den Bürgermeister gehalten wurde. 

Solche Situationen sehe ich aber gelassen. Für das Gegenüber ist das oft peinlicher als für einen selbst.

Das Jung-Sein kann man auch marketingtechnisch nutzen. Ich wurde mal von RTL als der "Bubi-Bürgermeister" bezeichnet. Natürlich ist das albern. Aber ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, das Interview abzusagen. Diesen Bericht haben Tausende gesehen. 

Stellst du Alterserscheinungen an dir fest? 

Spurlos gehen die acht Jahre im Amt nicht an einem vorbei. In dieser Legislaturperiode geben wir 70 Millionen Euro für den Bau neuer Schulen, einer neuen Feuerwehrwache, für Straßenbauprojekte und Mensabauten aus. 

Das macht sich auch in meiner Arbeit bemerkbar. Ich arbeite strukturierter und effizienter. Mir fällt es leichter, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Was entgeht der Politik, wenn sie Jüngere nicht ernst nimmt? 

Menschen muss man nach Talenten und Fähigkeiten bewerten – nicht nach Alter, Religion oder Herkunft. Demokratie bedeutet, dass jeder mitmachen soll. 

Junge Menschen können nicht nur etwas zur Digitalisierung beitragen. Gerade wenn es um Renten geht, ist ihre Meinung gefragt. Außerdem haben Jüngere viel weniger Vorbehalte, wenn es um Integration geht. Es ist für Kinder selbstverständlich, dass sie Klassenkameraden aus verschiedenen Ländern haben und mit ihnen gemeinsam lernen. 

Die ganze Gesellschaft täte gut daran, die Meinung von jungen Menschen mehr mit einzubeziehen.


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