Bild: YouTube/Muslimgirl
Ihr Hashtag heißt "MosqueMeToo"

Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in vielen arabischen Ländern weit verbreitet. Doch als "MeToo" zu einem weltweiten Aufschrei junger Frauen anwuchs, blieb es im Nahen Osten erst mal still. (bento) Während ausgehend von Hollywood in vielen Ländern Debatten geführt wurden, passierte im arabischsprachigen Twitter: fast nichts.

Nun ändert sich das: mit dem Hashtag "MosqueMeToo".

Seit dem Wochenende macht der Hashtag im Nahen Osten und Zentralasien die Runde, muslimische Frauen berichten auf Englisch, Arabisch und Farsi über ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen.

Initiiert wurde "MosqueMeToo" von der ägyptisch-amerikanischen Journalistin Mona Eltahawy. Eltahawy ist Feministin und setzt sich für eine moderne sexuelle Aufklärung im Islam ein. 

Ihr Buch "Headscarves and Hymens" wurde weltweit bekannt, 2011 sorgte ihre Festnahme auf dem Tahrirplatz in Kairo für Aufsehen. Eltahawy wollte über die Aufstände gegen den ägyptischen Diktator Husni Mubarak berichten, Polizisten nahmen sie fest und misshandelten sie.

Nun hat sie auf Twitter eine Geschichte geteilt, die sie bereits 1982 als 15-Jährige erlebt haben soll:
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Sie erzählt im Thread, wie sie bei der Pilgerfahrt Hadsch mehrmals angegrabscht worden sei. Bei der Hadsch reisen Muslime ins saudische Mekka und besuchen dort die Große Moschee. Es gilt als eine Pflicht im Islam.

Weil jedes Jahr Millionen von Pilgern zusammenkommen, herrscht großes Gedränge. Mona Eltahawy beschreibt, Männer würden Frauen in der Menge wie Freiwild behandeln – obwohl es sich bei der Moschee um einen heiligen Ort handele. Nichts könne die Übergriffe entschuldigen, auch nicht ihre Kleidung, denn sie habe zu dem Zeitpunkt einen Hidschab getragen: "Männer sind für sexuelle Übergriffe verantwortlich, nicht meine Kleidung."

Eltahawy schließt ihren Thread mit dem neu kreierten Hashtag:
Nun haben es ihr Tausende Frauen gleich getan – und schildern ihre eigenen Erfahrungen mit Übergriffen in einem islamischen Kontext.

Sie reden von Männern, die sie als Objekte betrachten. Sie schreiben davon, dass heilige Orte verletzt werden. Und sie schildern, dass ihr Kopftuch dabei keine Rolle spielt – die Ausrede vieler Männer, Frauen sollten sich "züchtig" kleiden, also nichts wert ist.

Das twittern Frauen unter "MosqueMeToo":
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Frauen sind nicht die einzigen, die auf den Hashtag reagieren. Auch Männer mischen sich in die Debatte ein – gleich auf zwei Arten:

  1. Muslimische Männer werfen der Initiatorin Eltahawy vor, das Ansehen des Islam zu beschmutzen. Sexuelle Übergriffe in Moscheen gebe es nicht, jeder Gläubige wisse das. Wenn Eltahawy das behaupte, schade sie damit nur der Religion.
  2. Islam-Gegner hingegen sehen den Hashtag als Beweis, dass der Islam grundsätzlich eine frauenfeindliche Religion sei. Sie wollen Eltahawy und anderen Muslima vorschreiben, dass sie ohne ihre Religion besser dran wären.
Eltahawy selbst hat längst einen weiteren Hashtag ins Leben gerufen: "IBeatMyAssaulter", "Ich habe meinen Angreifer geschlagen". 

Die Idee kam ihr wenige Tage später, als sie Opfer eines Angriffs in einer Disko wurde. In ihr habe sich seit "MosqueMeToo"  so viel Wut angestaut, dass sie dieses Mal nicht klein beigeben wollte – sondern sich gegen den Mann zur Wehr setzte:

Wenige Minuten später schickte sie den passenden Hashtag hinterher – und forderte Frauen auf, Geschichten zu teilen, wie sie sich gegen Grabscher behaupten. Wer sie durchliest, sieht: Es sind Tweets mit Erfahrungsberichten von selbstbewussten Frauen, die nicht länger über das schweigen wollen, was sie erlebt haben.


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