Bild: imago/Rainer Unkel
Nach Weinstein und #MeToo schildern die Frauen in der "Sunday Times" ihre Erlebnisse.

Mehrere Mitarbeiterinnen des Europäischen Parlaments haben der "Sunday Times" anonym geschildert, wie sie von Mitgliedern des Europäischen Parlaments in Brüssel sexuell belästigt worden seien. 

Die Frauen berichten von einer frauenfeindlichen Atmosphäre, unerwünschtes Grapschen soll den Schilderungen zufolge kein Einzelfall sein. Das Europäische Parlament sei eine "Brutstätte der Belästigung", wird eine Mitarbeiterin des Parlaments zitiert. Politiker würden gezielt junge Frauen anstellen und sich nicht rechenschaftspflichtig fühlen.

Keine der Frauen sei mit den Anschuldigungen bisher zur Polizei gegangen. Die Zeitung nennt auch die Identität der mutmaßlichen Täter nicht. Der "Sunday Times" zufolge fürchten viele der Frauen um ihren Job. Es soll sich laut der Zeitung um ältere Männer handeln, einige seien ehemalige Minister.

Der Skandal um Harvey Weinstein habe die Frauen ermutigt, mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen, heißt es.

Jahrzehntelang soll Weinstein seine Macht-Position im Filmbusiness ausgenutzt haben, um Frauen sexuell zu belästigen und zu missbrauchen. Mittlerweile wurde Weinstein von seiner eigenen Firma entlassen. Auch die Oscar-Academy schloss den Produzenten aus. (bento)

Seit den Enthüllungen erzählen Frauen unter dem Hashtag #MeToo von sexuellen Belästigungen (bento), millionenfach wurde der Hashtag bereits genutzt. Jetzt scheint der Skandal auch im Europäischen Parlament angekommen zu sein.

Einige der Vorwürfe der Mitarbeiterinnen im Detail:

  • Ein Parlamentarier habe vor den Augen einer Frau masturbiert.
  • Ein deutscher Parlamentarier habe einer 22-jährigen Assistentin beim Arbeitslunch an den Po gefasst, sagt die Frau. "Ich wusste nicht, was ich tun sollte", zitiert sie die "Sunday Times". 
  • Eine 24-jährige Anwältin berichtet, dass ein anderer "führender deutscher Europaparlamentarier" ihr eines Tages den Weg versperrt, ihre Brust berührt und ihr Komplimente gemacht habe. Anschließend habe er sie dem Bericht zufolge zu Getränken einladen wollen. "Es war empörend, aber ich habe nur nervös gelacht", zitiert die Zeitung die Anwältin.
Erlebnisse wie diese kennen viele Frauen aus eigener Erfahrung. Sechs Frauen haben uns ihre Geschichten erzählt:

Was also tun?

Unsere Redakteurin Dilan Gropengiesser meint: Wir sollten die Me-Too-Bewegung als Revolution verstehen – und auch Männer müssen sich beteiligen.

Hast du Ähnliches erlebt? Hier findest du Hilfe

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Tel.: 08000 116016) bietet rund um die Uhr direkte kostenfreie Hilfe in 15 verschiedenen Sprachen an. Möglich sind auch Online-Beratungen.

Die Telefonseelsorge von evangelischer und katholischer Kirche ist unter Tel.: 0800 1110111 kostenfrei zu erreichen.

Speziell für muslimische Frauen bietet das Muslimische SeelsorgeTelefon kostenfreie Hilfe unter Tel.: 030 443509821.

Die Hilfsorganisation Caritas bietet Online-Beratungen und direkte Hilfe vor Ort: In vielen Städten betreibt die Caritas Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst, wenn du persönliche Hilfe benötigst.

Opfer von Kriminalität und Gewalt können sich an den Weißen Ring wenden, der telefonisch und persönlich weiterhilft. Das bundesweite Opfer-Telefon ist aus jedem Ort Deutschlands ohne Vorwahl unter Tel.: 116006 zu erreichen.


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