Kann ja mal passieren 😉

Ihr müsst leider draußen bleiben: Das galt für uns, die unter 30-Jährigen, diese jungen Leute, den Nachwuchs. Mal wieder. Es war kein Platz beim Brexit-Talk von Maybrit Illner am Donnerstagabend. Als Jüngste war die Journalistin Carolin Roth in der Runde. Sie ist Mitte 30. Die gesamte Talkrunde brachte es im Durchschnitt auf ein Alter von rund 57 Jahren.

Das kann nur ein bedauerlicher Irrtum sein. 

Schließlich müssen die wichtigen politischen Umwälzungen immer auch mit denjenigen diskutiert werden, die noch am längsten mit deren Konsequenzen zu leben haben.

Also mit uns. Wir können gleich einen weiteren Irrtum der Sendung aufdecken: Die zu diskutierende Frage an sich. Sie lautet "Bye-Bye Britannia – überlebt die EU den Brexit?" Dabei ist für uns längst klar: Die Europäische Union muss den Brexit überleben. Eine europäische Gemeinschaft ist für die meisten von uns nicht verhandelbar. 

Wir sind mit der EU aufgewachsen, haben vom freien Handel profitiert, von offenen Grenzen und vor allem vom friedlichen Miteinander der Mitgliedstaaten. Dass die EU bestehen muss, ist für uns klar. Genauso klar sehen wir die Risse, die zu lösenden Probleme.

Die Frage muss also nicht lauten "Überlebt die EU den Brexit?", sondern "Was tun wir, damit Europäerinnen und Europäer wieder an die EU glauben können?" Wir müssen klären, wie man die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern angehen kann, wie wir zu menschenrechtlichen Standards in allen Mitgliedstaaten zurück kehren, was wir gemeinsam mit unseren europäischen Partnern beim Klimaschutz erreichen wollen. 

Um solche Fragen zu diskutieren, braucht Maybritt Illner aber junge Politikerinnen und Politiker, zum Beispiel diejenigen, die für die anstehende Europawahl kandidieren. Zwar wehren sich die Parteien gegen all zu viel Nachwuchs auf ihren Europalisten. Aber es gibt ihn. Und der Nachwuchs kann debattieren, allemal besser als die graue Illner-Runde.

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In der Sendung zeigte sich nämlich schnell der nächste Irrtum: Die gestellte Frage wurde gar nicht diskutiert. Stattdessen ging es – wie nun schon seit fast zwei Jahren – wieder darum, wer von welchem Szenario (harter Brexit, neuer Deal, zweites Referendum) der größte Nutznießer oder Verlierer sein würde, Großbritannien oder die EU. 

Besonders viel Redezeit gönnte sich dazu die Brexit-Aktivistin Gisela Stuart. Außenminister Heiko Maas hingegen wirkte eher unbeteiligt. Und der Einzige, der mehrfach bemüht war, die Zukunft ins Spiel zu bringen, war der konservative österreichische Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Er wies mehrfach darauf hin, dass die Jugend für Europa sei, die dürfe man nicht vergessen, denen müsse man auch Lösungen anbieten – doch davon wollten die Runde nichts wissen.

Stattdessen diskutierte man lieber die Anti-Europapolitik der AfD. Der 77-jährige Parteichef Alexander Gauland will das Europarlament abschaffen, in seiner Rechtsaußenpartei träumen einige vom EU-Austritt. Was das hier für eine Rolle spielt? Unklar. Wahrscheinlich hatte die Illner-Redaktion einfach Lust auf plumpe Provokation, schließlich sind sich die europäischen Staaten mit einer Ausnahme beim Brexit ziemlich einig.

Ganz zum Schluss hatte der 62-jährige Sobotka doch noch die Idee zu fragen, was denn nun die großen Herausforderungen Europas seien. Darüber ließe sich ganz wunderbar streiten. Die Sendung war aber zu Ende. Keine Zeit für die Zukunft, nur Ideen von gestern. Wir haben viel zu tun.

Korrektur: Frau Roth ist Mitte 30, nicht Mitte 40. Wir haben ihre Altersangabe korrigiert.


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