Bild: Petros Giannakouris/ AP/ dpa

Martin Schulz (SPD) kämpft darum, Kanzler zu werden. Wie?

Indem er ständig von mehr Gerechtigkeit spricht – und einen Zehn-Punkte-Plan zur Zukunft Deutschlands entwickelte. Neu ist seine Taktik, auch auf das Thema Flüchtlinge zu setzen. Am Wochenende warnte er in der "Bild am Sonntag" vor einer neuen Flüchtlingskrise. 

Er sagte: Wer auf Zeit spiele und das Thema Flüchtlinge bis zur Bundestagswahl ignorieren wolle, verhalte sich zynisch. "Wenn wir jetzt nicht handeln, droht sich die Situation zu wiederholen."

Was ist dran an seiner Aussage? Spitzt sich die Flüchtlingskrise wirklich wieder zu? Ein Überblick:  
Wie viele Flüchtlinge kommen im Süden Europas an?

2015 musste vor allem Griechenland die Herausforderung bewältigen, in kurzer Zeit sehr viele Menschen aufzunehmen. Zeitweise erreichten bis zu 6800 Menschen täglich die Küsten. 

In diesem Sommer liegt der Fokus auf ItalienLaut UNO-Flüchtlingswerk erreichten von Januar bis Ende Juli mehr als 90.000 Menschen die Küste. An manchen Tagen in den vergangenen Wochen waren es mehr als 5000 pro Tag. (SPIEGEL ONLINE) Dass die Zahl in den Sommermonaten steigt, ist nicht außergewöhnlich. Grund ist schlicht das Wetter.

Welche Route nehmen viele Flüchtlinge heute?

Im vergangenen Sommer verlief der Weg für viele vor allem über sie sogenannte Balkanroute – also von der Türkei aus mit Booten nach Griechenland, dann über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien nach Österreich, Deutschland und in andere EU-Länder.

Viele Flüchtlingsboote kamen also über das östliche Mittelmeer (885.000 laut Frontex-Schätzungen in 2015), nach dem EU-Türkei-Flüchtlingsdeal wurden es weniger. Jetzt geht die Hauptroute über das zentrale Mittelmeer, also von Libyen nach Italien. (Tagesschau)

Damit geht einher, dass weniger Syrer, Iraker oder Afghanen unter den Flüchtlingen sind. Zurzeit kommen Flüchtlinge vor allem aus Afrika nach Europa. Viele zum Beispiel aus Nigeria oder der Elfenbeinküste. Aber auch aus Bangladesh stammen viele der Geflüchteten. 

Im Fall dieser Länder fliehen viele nicht vor Bürgerkriegen oder politischer Instabilität. Sie geben ihre Heimat vor allem wegen Armut und Perspektivlosigkeit auf

Wie viele kommen in Deutschland an?

Schulz mahnt, es könne eine Situation wie 2015 entstehen, als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen wären. Nach amtlichen Angaben waren es lediglich 890.000. Von so vielen Menschen ist bislang nicht auszugehen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt an, dass 2017 etwa 15.000 Menschen monatlich einen Asylantrag stellten – 80 Prozent weniger als in 2016.

(Bild: SPIEGEL ONLINE)
Hat Schulz nun recht mit seiner Warnung?

Die derzeitigen Zahlen belegen es nicht. Sie sind niedriger als in den vergangenen beiden Jahren.

Doch die Zukunft bleibt ungewiss. Wenn Europa es nicht schafft, den Kampf gegen die Fluchtursachen zu intensivieren, müssen weiterhin Hunderttausende ihre Heimat verlassen. Wie man für Frieden und Stabilität sorgen kann, sollte die wichtigere Frage im Bundestagswahlkampf sein.


Musik

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