2016 war, in einem Wort, schrecklich: Das Jahr brachte uns den Aufstieg der AfD, Donald Trump und den Brexit. Schlimmer hätte es kaum laufen können. Zuvor konnten wir noch glauben, am Ende würde irgendwie alles gut. 2016 nahm uns diesen Glauben.

Und 2017? Schickt die SPD Martin Schulz als Kanzlerkandidat ins Rennen.

Wenn etwas passt, dann das – denn Martin Schulz ist die Antithese zu diesem Jahr des politischen Grauens, die logische Antwort auf...

...den Aufstieg der AfD

Die AfD gibt vor, eine Alternative für Deutschland zu sein. Ihr Name ist der einzig halbwegs intelligente Gedanke, den diese Partei je hervorgebracht hat. Denn tatsächlich sind Alternativen in der Politik wichtig. Und irgendwann hat die SPD aufgehört, eine zu sein. Den bisherigen Vorsitzenden Sigmar Gabriel kennt man als Merkels Kronprinzen aus der Großen Koalition. Niemand nimmt ihm mehr ab, dass er alles anders machen möchte – oder auch nur ein wenig besser machen könnte.

Das könnte sich mit Schulz ändern. Er ist unverbraucht. Für die Entscheidungen der Großen Koalition kann ihn niemand verantwortlich machen, er war ja nicht dabei. Im besten Fall geht es nun im Wahlkampf zwischen SPD und CDU heftig zur Sache, und die etablierten Parteien müssen nicht bedröppelt zusehen, wie die AfD einen Großteil der Aufmerksamkeit verschlingt, nur weil sie ein Tabu nach dem anderen bricht. Der SPD täte das gut, schließlich hat auch sie viele Wähler an die AfD verloren. Martin Schulz könnte zumindest die zurückholen, die sich nicht vollends im rassistischen Weltbild der AfD verheddert haben.

...den Brexit

Angela Merkel wird in ihrem Leben wohl kaum einen Menschen mehr von der EU überzeugen. Wenn sich Marine Le Pen, Frauke Petry und Geert Wilders in Koblenz treffen, um den Untergang der EU zu planen, kommt von ihr: nichts. Schulz hingegen wirbt unermüdlich für seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der Mann ist die EU. Als er in seiner letzten Rede als EU-Parlamentspräsident seinen Abschied verkündete, klatschten die europakritischen Rechtspopulisten erleichtert Beifall. Schulz war stolz drauf.

Im Interview mit bento erzählte er, wie sehr ihn die Tränen der jungen Brexit-Gegner rührten. Tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass der Brexit den Beginn vom Ende der EU markiert. Dabei sind sich die meisten Experten einig: Die EU ist eine gute Idee. Denn nur durch sie können wir noch Banken regulieren, oder globale Unternehmen dazu zwingen, ihre Steuern zu zahlen. Einzelnen Staaten fehlt dazu längst die Macht. Schulz betont das bei jeder Gelegenheit. Und man nimmt ihm seine Begeisterung auch ab.

...Donald Trump

Wenn wir 2016 eines gelernt haben, dann wie wichtig Emotionen im Wahlkampf sind. Mit trockenen Fakten allein gewinnt kein Politiker mehr genug Anhänger. Das hat uns Donald Trump gezeigt – und auch Bernie Sanders. Trump gewann, weil er die Wut und Unzufriedenheit der Wähler aufgriff. Sanders gelang das auch. Allerdings verwandelte Sanders die Wut der Wähler nicht in Fremdenhass, sondern in linke, sozialdemokratische Positionen (NZZ) – und begeisterte mit seinen kämpferischen Reden viele junge Leute.

Auch Schulz ist wirklich wütend, wenn er die hohe Jugendarbeitslosigkeit anprangert. Oder Unternehmen kritisiert, weil sie kaum Steuern zahlen. Wenn ein Neonazi in der Parlamentsdebatte zu weit geht, schmeißt er ihn halt raus. Rumms. Lieber zu energisch für die eigenen Ideale eintreten, als zu zaghaft.

Nach diesem Jahr ist Martin Schulz also der Kanzlerkandidat der SPD.

Und wenn jemand dafür sorgen kann, dass 2017 nicht zu einem zweiten 2016 wird, dann er.

Fühlen

Diese Bilder zeigen, wie sich eine Depression anfühlt

Depressionen fesseln einen Menschen oft plötzlich in seinem Körper. Nichts geht mehr, die Gedanken kreisen endlos, alles ist mühsam, schwer. In Deutschland ist jeder Fünfte einmal im Leben davon betroffen, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Weltweit leiden laut World Health Organisation rund zehn Prozent an Depressionen oder Angstzuständen. Matteo Rigosa (23) aus Italien ist einer von ihnen.

In der Slideshow kannst du dir die Werke von Matteo ansehen: