"Nimm einen Grünton für die besonders roten Stellen", empfiehlt die Make-up-Expertin. Dann erkenne man die Verletzung nicht mehr so gut. So könnten Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, ohne Scham auf die Straße – als sei nichts gewesen.

Dieser Schönheitstipp wurde tatsächlich gezeigt. Der marokkanische Staatssender M2 hat ihn bereits vergangenen Mittwoch in seinem Frühstücksprogramm "Sabahiyat" ausgestrahlt, am Freitag lud er ihn dann auch auf YouTube hoch – also ausgerechnet am Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen.

Die fragwürdige Schmink-Aktion lief in der Rubrik "Beauty", zu sehen ist ein Model, das aufgeschminkte blaue Flecken auf Wangen und unter dem Auge trägt. Eine Expertin zeigt, wie sich diese Flecken am besten überschminken lassen. So könne man wieder ein Leben führen und auf Arbeit gehen. Am Ende wünscht sie "bessere Tage".

Häusliche Gewalt ist in Marokko ein großes Problem

Laut einer marokkanischen Studie von 2009 waren zwei Drittel aller Frauen im Land bereits Opfer sexueller Gewalt. Die meisten Übergriffe werden von Ehemännern verübt. Vergewaltigung in der Ehe stellt im marokkanischen Gesetz bislang kein Verbrechen dar, viele Frauen verschweigen die Übergriffe.

Auch die "Schminktipps" des Senders wurden zunächst kaum diskutiert. Erst am Freitag sammelten sich einige empörte Stimmen im Netz. Frauen und Männer kritisierten, dass der Sender am eigentlichen Problem vorbei arbeite:

1/12

Der Sender reagierte rasch und veröffentlichte auf Facebook eine Entschuldigung. Die Aktion von "Sabahiyat" entspreche nicht der eigentlichen Richtlinie des Senders, man setze sich sonst für Frauenrechte ein.

Im Netz glaubte man dem Sender, mehr oder weniger. "Gott und das Internet verzeihen euch", twitterte ein Nutzer scherzhaft:


Fühlen

Wie Menschen nach einem Suizid-Versuch weiterleben

Die Frau, die sie am meisten liebte, schubste und schlug sie. Trotzdem schaffte es Dese'Rae L. Stage, 33, nicht, ihre Freundin zu verlassen. Zu sehr fühlte sie sich von ihr abhängig, so erinnert sie sich heute.

Ärzte diagnostizierten Stage 2004 eine bipolare Störung – mal hatte sie starke Depressionen, mal besonders viel Energie, war rastlos. 2005 versuchte sie zum ersten Mal, Suizid zu begehen, jahrelang hatte sie sich bereits selbst Verletzungen zugefügt.

Stage tat es an diesem Abend nicht. Ihre Freundin kam früher nach Hause als geplant.

Als Stage eines Tages herausfand, dass ihre Freundin sie betrogen hatte, wollte sie sich endgültig das Leben nehmen. Dieses Mal kam ihre Freundin nicht, obwohl Stage sie gebeten hatte. Stattdessen rief die Frau die Polizei. Stage kam in ein Krankenhaus.