Bild: Carlos Gil/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Der Weg nach Europa führt derzeit für Tausende Migranten über Marokko. Nach Zählung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Jahresbeginn knapp 24.000 Menschen von Marokko über das Mittelmeer nach Spanien gelangt – das sind fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. 

Längst hat die sogenannte Westmittelmeerroute die Zentralroute, die von Libyen nach Italien führt, als wichtigste Transitroute über das Mittelmeer abgelöst. (bento)

Was sind die Gründe dafür?

  • Die sogenannte Balkanroute ist seit Jahren de facto geschlossen. Der Seeweg von Libyen nach Italien ist weit und gefährlich – zudem machen Migranten aus dem subsaharischen Afrika wenn möglich einen Bogen um Libyen wegen der verheerenden Lebensbedingungen für Flüchtlinge dort. 
  • Zwischen der marokkanischen Küste und der Südspitze Spaniens liegen hingegen an der engsten Stelle nur 14 Kilometer – trotzdem sind seit Jahresbeginn mindestens 300 Menschen auf der Westroute ertrunken, dreimal mehr als im gleichen Zeitraum 2017.
  • Ein weiterer Grund sind die Regierungswechsel in Italien und Spanien. Während die neue rechtspopulistische Führung in Rom einen rigiden Antiflüchtlingskurs fährt, zeigt sich die sozialistische Regierung in Madrid offener für die Nöte der Migranten.
  • Hinzu kommen die Spannungen im westafrikanischen Mali. Im Vorfeld der Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag hat dort die Gewalt wieder zugenommen. Deshalb stieg auch die Zahl der Menschen, die aus Mali über Marokko gen Europa geflüchtet sind.

Doch dann gibt es da noch Gerüchte, dass die Regierung in Marokko selbst ihren Beitrag dazu leiste, dass mehr Migranten über das Mittelmeer nach Europa gelangen. 

Demnach wolle die Führung in Rabat damit Geld und politische Zugeständnisse von der Europäischen Union erpressen. Im Juni hatte die EU Marokko und Tunesien bereits 55 Millionen Euro zugesagt. Mit diesem Geld sollten beide Länder im Kampf gegen Schleuser unterstützt werden.

Doch weil die Flüchtlingskrise das beherrschende Thema in vielen EU-Staaten ist, kalkuliert Rabat, dass die Europäer auch bereit wären, noch mehr Geld zu geben, damit Marokko Migranten an der Überfahrt hindert. Anfang August signalisierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits, dass man bereit sei, Geld nachzuschießen, auch wenn das Budget begrenzt sei.

Das nordafrikanische Land hat Unterstützung aus dem Ausland dringend nötig. In Teilen des Landes gehen seit mehr als einem Jahr Menschen aus Protest gegen steigende Preise, Arbeitslosigkeit und Korruption auf die Straße. Erst in der vergangenen Woche feuerte König Mohammed VI seinen Wirtschafts- und Finanzminister Mohamed Boussaid.

Zuvor hatte sich der Monarch äußerst unzufrieden über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes geäußert. Deshalb sind unter den Migranten, die von Marokko gen Spanien aufbrechen, inzwischen mehr und mehr Marokkaner. Die Zahl der marokkanischen Neuankömmlinge auf der iberischen Halbinsel hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Gibt es Beweise für die Absprachen?

Belege dafür, dass der marokkanische Sicherheitsapparat die Schlepper wissentlich gewähren lässt, gibt es bislang nicht. Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass die Polizei in den vergangenen Jahren keine Scheu gezeigt habe, hart gegen Migranten vorzugehen. 

Regelmäßig gab es Razzien gegen illegale Camps in der Umgebung der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Menschrechtsgruppen warfen den Sicherheitskräften wiederholt exzessive Gewalt und rassistisch motivierte Übergriffe gegen Schwarzafrikaner vor.

Wie werden Geflüchtete aufgenommen?

Ähnlich wie in Libyen sind auch in Marokko Vorurteile gegenüber Schwarzen weit verbreitet. Diese treffen zum einen die Menschen aus der seit den Siebzigerjahren von Marokko besetzten Westsahara. Sie treffen aber auch Migranten aus den Ländern südlich der Sahara. Es ist durchaus üblich, dass Gemeinden es verbieten, Wohnungen an Schwarzafrikaner zu vermieten. Über derartige Fälle berichten zwar die unabhängigen Medien im Land – öffentliche Aufregung über diese staatliche Diskriminierung ist aber bislang ausgeblieben.

All das hat jedoch kaum Auswirkungen auf die Migrationsströme, sagt Anna Fonseca, IOM-Chefin in Marokko. "Migration ist wie Wasser. Man kann sie nicht aufhalten. Wenn man eine Route schließt, wird sich eine andere öffnen."

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


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