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Eine Kampagne sammelt Geld für den nächsten Prozess.
Werden Frauen benachteiligt, wenn sie in Formularen und Verträgen als "Kunde" bezeichnet werden?

Die 80-jährige Marlies Krämer sagt: Ja. Daher kämpft sie derzeit gegen die Sparkasse für ihr Recht auf eine weibliche Anrede. In Briefen der Bank wird sie stets als "Kontoinhaber" oder "Kunde" angesprochen. Sie will das ändern.

Krämer zog zunächst vor das Landgericht Saarbrücken, später vor den Bundesgerichtshof. In beiden Instanzen hat Krämer verloren. Begründung: Das mit der männlichen Anrede war schon immer so. (bento)

Aber Marlies Krämer will weitermachen – und bekommt nun von ganz vielen Unterstützerinnen Hilfe.

Auf Gofundme.com gibt es seit Freitag die Kampagne "Für das Recht eine Kundin zu sein". Das ursprüngliche Ziel waren 3000 Euro, bis Dienstagmorgen sind bereits mehr als 4000 Euro zusammengekommen.

Hinter dem Aufruf soll Marlies Krämer selbst stecken.

Im Kampagnentext schreibt sie, sie will mit Sprache Realität schaffen. Die weibliche Sprachform anzuerkennen, sei ein "Schlüssel zur Gleichberechtigung". Da sie bisher vor Gericht verloren hat, brauche sie finanzielle Unterstützung um weiter zu klagen. 

Über sich selbst schreibt sie bescheiden:

"Ich bin 80 Jahre alt, Feministin und setze mich seit Jahrzehnten für eine faire Gesellschaft ein."

Tatsächlich war Krämer bislang immer eine Rebellin:

  • In den 90ern hat sie so lange auf einen eigenen Reisepass verzichtet, bis sie als "Inhaberin" unterschreiben konnte. Vorher stand dort nur "Inhaber".
  • Später hat sie sich auch mit einer Unterschriftensammlung für weibliche Namen für Hochdruckgebiete eingesetzt. Wetterdienste hatten immer nur Tiefdruckgebieten, die Regen und Kälte bringen, Frauennamen gegeben – die sonnigen Hochdruckgebiete wurden nach Männern benannt. 
  • Krämer hatte Erfolg: Mittlerweile gibt es auch ein Hoch Käthe oder Leni. Und umgekehrt ein Tief Ole oder Basti.

Das Gofundme-Team gratuliert ihr in den Kommentaren:

Liebe Marlies, wir wünschen dir viel Erfolg bei deinem Anliegen. Du zeigst uns, dass wir auch noch mit 80+ Jahren die Welt verändern können.

Auch viele andere Spender bejubeln die 80-Jährige. "Nicht alle Heldinnen tragen einen Umhang", schreibt eine. "Wenn ich groß bin, will ich Marlies werden", eine andere.

Marlies Krämer selbst beendet ihren Kampagnenaufruf mit den Worten eines Mannes, Kurt Tucholsky: 

Wer die Sprache beherrscht, beherrscht auch das Denken der Menschen.

Gerechtigkeit

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Ein Tag vor der JVA Neumünster.

Der Anwalt von Carles Puigdemont weiß noch nicht, dass das Urteil schon gefallen ist, als er vor das Tor der Justizvollzugsanstalt Neumünster tritt. "Ich habe mit Carles Puigdemont nicht sprechen können", sagt Jaume Alonso Cuevillas und lächelt gequält.