Zwei Perspektiven zur Aktion: Von den Aktivisten – und Söders Büro

Sie stehen stumm mitten im Raum, drehen Wasserflaschen auf und übergießen sich damit. Dann sacken sie in sich zusammen, fallen auf den Boden. Minutenlang bleiben sie reglos liegen.

Mit einer Protestaktion wollten Studierende in München am Donnerstag ein Zeichen gegen die Asylpolitik der CSU setzen – vor den Augen von Markus Söder.

Der bayerische Ministerpräsident war zu Gast in der Münchner Filmhochschule HFF, dort begann am Donnerstag der Kongress "Bayern Digital", ausgerichtet von der bayerischen Regierung. Das Bundesland wird von der CSU geführt.

Studentinnen und Studenten hatten vom Besuch mitbekommen – und spontan die Aktion geplant. Die wichtigsten Antworten:

1

Was genau ist passiert?

Söder sollte zur Eröffnung des Kongresses in das Audimaxx der HFF kommen. Etwa 35 Studierende haben sich kurz vor Beginn der Veranstaltung im Vorraum versammelt – und sich dort mit Wasser übergossen. 

(Bild: Michael Trammer)

Einige trugen Rettungswesten. Der Protest lief stumm ab – er sollte so schweigend an die Ertrinkenden im Mittelmeer erinnern.

(Bild: Michael Trammer)

Wer zum dem Event wollte, musste warten. Oder über die am Boden liegenden Studierenden steigen.

(Bild: Michael Trammer)

2

Was sagen die Studierenden?

Marlena Molitor war eine der Protestierenden und studiert an der HFF. "Als wir hörten, dass Söder sich die Ehre gibt, wollten wir etwas machen", sagt die 23-Jährige zu bento. Gemeinsam mit anderen hätten sie die Aktion sehr kurzfristig geplant, es seien Studierende verschiedener Fachrichtungen zusammengekommen – "eine Aktivistengruppe sind wir aber nicht".

Es sollte darum gehen, für Flüchtlinge ein Zeichen zu setzen.

Anwesende hätten auf die Aktion sehr unterschiedlich reagiert: "Einige applaudierten, andere bedankten sich bei uns", sagt Marlena. Allerdings habe es auch Besucher gegeben, die "sehr boshaft" waren und "mit Genuss über uns drüber stiefelten". Ein Mann habe geraunt, dass sie für Flüchtlinge sehr helle Haut hätten.

Die negativen Kommentare hätten sie nicht überrascht:

Dass rechtes Gedankengut so präsent ist – na ja, es ist halt Bayern.

3

Wie reagierte Söder?

Söder selbst habe die Aktion kurz wahrgenommen. Als er ins Foyer kam, lagen die Studierenden am Boden, sagt Marlena: "Er hat etwa drei, vier Sekunden auf uns gestarrt, dann ist er rasch in einen Aufzug geflohen."

Ein Pressesprecher der bayerischen Staatskanzlei bestätigte gegenüber bento, dass Ministerpräsident Söder am Kongress in der HFF teilnahm. Ob und was er von dem Protest mitbekommen hat, wollte der Sprecher nicht näher kommentieren:

"Während der Aktion war der Ministerpräsident bereits auf dem Weg in den Veranstaltungssaal, in den er durch einen der beiden Haupteingänge geführt wurde. Nähere Hintergründe zu der Aktion sind nicht bekannt."

Die Frage, was Söder zur Kritik der Studierenden an seiner Asylpolitik zu sagen hat, ließ die Staatskanzlei unbeantwortet.

Deutschland hat seine Asylpolitik aktuell unter CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer deutlich verschärft und setzt sich für mehr Kontrollen im Mittelmeer ein. Allein im Juni sind dort laut IOM insgesamt 629 Flüchtlinge ertrunken. Die bislang höchste Zahl in diesem Jahr.


Korrektur: In einer vorherigen Version des Textes bezeichneten wir den Sprecher der bayerischen Staatsregierung als Sprecher der CSU. Das haben wir geändert.


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