Bild: Getty Images/David Ramos

45 Milliarden Dollar, das ist mal eine Ansage. Mark Zuckerberg will fast seine kompletten Anteile an dem von ihm gegründeten Facebook in seine Initiative geben (bento), die Forschung finanzieren soll. Das hat er in einem vielbeachteten Facebook-Post an seine neugeborene Tochter geschrieben.

Man muss Zuckerberg dafür nicht unreflektiert in den Himmel loben, dazu ist sein Versprechen noch viel zu unkonkret. Die Anteile will er nicht sofort spenden, sondern im Laufe seines Lebens. In den kommenden drei Jahren will er Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar an die „Chan Zuckerberg Initiative“ weiterreichen – die selbstredend seine Frau und er kontrollieren.

Priscilla and I are so happy to welcome our daughter Max into this world!For her birth, we wrote a letter to her about...

Posted by Mark Zuckerberg on Dienstag, 1. Dezember 2015


Was die genau fördern soll, darüber bleibt der Facebook-CEO ziemlich vage: Auf „personalized learning, curing disease, connecting people and building strong communities“ soll sie sich fokussieren.

Nicht jeder dieser Zwecke ist zwangsläufig wohltätig: Was Zuckerberg unter „connecting people“ versteht, kann man sich vorstellen. Liest man Zuckerbergs pathetische Ankündigungen neuer Facebook-Features, weiß man, dass der Chef sein Unternehmen längst als soziales Projekt zum Wohle der Menschheit ansieht. Das ihn ganz nebenbei auch zum Multimilliardär gemacht hat.

Am schwersten wiegt wohl die Befürchtung, die Initiative könnte in Wahrheit vor allem Zuckerbergs Wohlergehen fördern. Der CEO spendet seine Anteile nicht, sondern überführt sie in eine Stiftung. Dort zahlt er erstmal weniger Steuern, der Zweck bleibt somit erstmal offen.

Auch Lidl ist als Stiftung organisiert. Die Kunden der Supermarktkette merken wohl eher selten, dass sie ihren Einkaufswagen gerade durch eine wohltätige Organisation schieben.

Viele Fragen hat Zuckerberg offengelassen. „We understand you'll have many questions about why and how we're doing this“, erklärt er in seinem Brief sogar selbst. Dennoch setzt er, bei allem berechtigen Misstrauen, ein positives, nachahmenswertes Zeichen.

Er hat ein Versprechen abgegeben, an dem ihn die Öffentlichkeit nun messen kann. Manchen gilt der 45-Milliarden-Dollar-Schwur als „größtes Marketing-Budget der Welt“; es wäre aber eine riesige Marketing-Katastrophe für Zuckerberg, wenn sich seine Initiative am Ende als schäbiges Steuersparmodell herausstellte.

Falls sich Zuckerberg dann doch nicht so bereitwillig von seinen Milliarden trennen will, wie er jetzt ankündigt, bricht er das Versprechen an seine eigene Tochter.

Wer öffentlich spendet, setzt auch einen sozialen Standard.

Deswegen sollte man die „Zuckerberg Chan Initiative“ auch nicht vorschnell als PR-Gag eines regelmäßig in der Kritik stehenden Großkonzerns aburteilen. Klar, Zuckerberg könnte seine Milliarden über die Jahre auch heimlich spenden, wie es die Aldi-Gründer und viele andere deutschen Milliardäre tun. Ist es nicht sogar sympathischer, Gutes zu tun und nicht darüber zu reden?

Vielleicht. Aber auch eine vergebene Chance. Wer öffentlich spendet, setzt auch einen sozialen Standard. Wenn Zuckerberg bis zu seinem Lebensende all seinen Reichtum spendet, warum dann nicht auch Martin Winterkorn, lange Jahre bestbezahlte Manager Deutschlands?

Auch der Ex-VW-Chef spendet nach eigenen Angaben viel Geld an Ärmere, aber redet so gut wie nie darüber. Winterkorn könnte aber jederzeit damit aufhören, die Öffentlichkeit würde es wohl nicht bemerken. Schlimmer noch: Milliardäre, die freiwillig nie einen Cent geben, müssen diese Einstellung in Deutschland selten rechtfertigen. Wer öffentlich spendet, wird in der Regel heftiger kritisiert als der, der gar nicht spendet.

Für Mark Zuckerberg ist das nun keine Option mehr.