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6 Männer in 70 Jahren sind genug.

María Emma Mejía hat eine hektische Zeit hinter sich. Die 70. Jubiläumsdebatte der Vereinten Nationen, zuvor der Papstbesuch und der Nachhaltigkeitsgipfel, dann eine große Frauenkonferenz und die Visite ihres Präsidenten Juan Manuel Santos Calderon: "Zu viel, zu viel", lacht Kolumbiens Uno-Botschafterin.

María Emma Mejía(Bild: Reuters)

Ein Reizthema jedoch brodelte allenfalls am Rande der Tagesordnung hoch. Es liegt Mejía mehr am Herzen als andere: die Wahl des nächsten Uno-Generalsekretärs. Besser gesagt: die Wahl der ersten Uno-Generalsekretärin. Ende 2016 läuft die Amtszeit des glücklosen Uno-Chefs Ban Ki Moon aus. Der Südkoreaner ist der achte Mann an der Spitze des 1945 gegründeten Staatenbunds. Warum also jetzt nicht mal eine Frau? "Was für eine Gelegenheit für eine Frau, die Welt zu führen", sagt Mejía.

Nach außen hin engagiert sich die Uno bereits lobenswert für Frauen. Bei einem Uno-Event zum 20. Jahrestag der Pekinger Frauenkonferenz forderten viele Staats- und Regierungschefs - darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel - "volle und gleiche Rechte für die halbe Weltbevölkerung", wie Ban es sagte.

Doch wenn es um sie selbst geht, versagt die Uno bisher. Nur rund ein Drittel der Uno-Topmanager sind Frauen.


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Das soll sich nun ändern. Als Mejía ihren Posten 2014 antrat, fiel der 62-Jährigen - die zuvor Model, Journalistin und Außenministerin war - sofort auf, wo es der Organisation an Frauen mangelte: ganz oben.

Was für eine Gelegenheit für eine Frau, die Welt zu führen.
María Emma Mejía

"Ich begann mit ein paar Kollegen darüber zu reden", sagt sie. "Ich war überrascht, wie unverstanden das Thema Frauen an der Uno war. Anderswo wurde es zu einem wichtigen Thema, nur an der Uno nicht."

Mejía gründete die Group of Friends in Favor of a Woman for Secretary-General of the United Nations. Inzwischen sind Vertreter von 45 Mitgliedsstaaten dabei, knapp ein Viertel aller Staaten also. Deutschland und Japan, zwei der Top-Geberländer der Uno, machen auch mit. "Die Zeit ist gekommen für eine Frau", schrieben sie jetzt in einer Resolution.

Doch das Problem ist tief im System verwurzelt. Kandidatur und Wahl des Generalsekretärs entschieden sich bisher hinter den verschlossenen Türen des Sicherheitsrats. Die Vetomächte einigten sich vorab auf einen Namen, die "Abstimmung" in der Vollversammlung war nur noch eine Formsache.

Immerhin beschloss die Vollversammlung Anfang September eine erste Öffnung des obskuren Verfahrens. Alle 193 Uno-Staaten sind nun eingeladen, Spitzenkandidaten vorzuschlagen - inklusive Frauen. Der Halbsatz verlor sich aber auf Seite 26 der 80-seitigen Resolution.