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"Ich gebe nicht auf, bis sich etwas tut."

Wut, Trauer, Hoffnung – das sind die Emotionen, die 800.000 Menschen am Samstag in die Welt geschrien haben. Beim "March for our Lives" in Washington demonstrierten sie für schärfere Waffengesetze.

Organisiert haben die Demo die Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida. Dort hatte ein 19-Jähriger Schüler im Februar 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen. Seine halbautomatische Waffe hatte er legal gekauft.

Seitdem gehen Schüler in ganz Amerika auf die Straße, eine nationale Protestbewegung ist entstanden, sie ist die größte seit Jahrzehnten. Wir haben die Schüler gefragt, warum sie protestieren – und wie sie schaffen wollen, woran die Generationen vor ihnen gescheitert sind: Endlich vernünftige Waffengesetze gegen die US-Waffenlobby durchsetzen.

Olivia Dotson

17 Jahre, aus Des Moines/Iowa(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"Für mich stand sofort fest, dass ich heute nach Washington komme. Jeder einzelne hier zeigt den Politikern, dass sie nicht einfach so weitermachen können. Das lassen wir nicht zu. Wir müssen endlich diese Gesetze anpassen, wir brauchen strengere und zeitgemäße Regeln. Es ärgert mich, dass ich jetzt schon weiß, dass es noch lange dauern wird, bis sich etwas ändert, dass wir erst alle bürokratischen Hürden aus dem Weg räumen müssen. Aber ich gebe nicht auf, bis sich etwas tut."

Rory McCarthy

18 Jahre, Minneapolis/Maryland(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"Ich war zwölf Jahre alt, als Sandy Hook passiert ist. Dass sich seitdem nichts verändert hat, ist schrecklich. In anderen Ländern werden nach einem Amoklauf Konsequenzen gezogen. Aber jetzt bin ich alt genug, um mich dafür einzusetzen: Im Herbst sind Wahlen, ich gehe auf Demonstrationen und engagiere mich. Ich habe mich in der Schule nie unsicher gefühlt, aber das haben die Schüler in Great Mills oder an der Marjory Stoneman Douglas High School vorher bestimmt auch nicht. Ich habe Hoffnung, dass sich jetzt etwas tut."

Lamont Hall

17 Jahre, Pocomoke City/Maryland(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"Meine Oma war dagegen, dass ich heute an diesem Marsch teilnehme. Sie meint, unsere Generation würde sich selbst entmachten, wenn wir auf Waffen verzichten. Ich sehe das anders: Wir brauchen keine Waffen, um Macht zu haben. Ich lebe in einer kleinen Stadt, nach dem Marsch will ich dort Veranstaltungen und Demonstrationen organisieren, damit alle sich mit dem Thema beschäftigen."

Bodhi Scott

15 Jahre, Austin/Texas(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"In meinem Heimatstaat Texas gibt es sehr lasche Waffengesetze, Waffen dürfen sogar offen sichtbar getragen werden. Ich erinnere mich an eine Situation in einem Hotel, ich war glaube ich acht Jahre alt. Ein Mann kam mit einer großen Schusswaffe herein, als wäre es das normalste auf der Welt - ich finde es einfach nicht sicher. Ich darf erst in drei Jahren wählen, aber bis dahin spreche ich mich wann immer es geht für strengere Gesetze aus, gehe auf Demonstrationen und will helfen, dass sich so viele junge Leute wie möglich als Wähler registrieren lassen."

Angela Pierre-Louis

18 Jahre, Rhode Island(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"Es scheint so normal, dass wir an den Schulen trainieren, wie wir uns bei einem Amoklauf verhalten sollen. Neuerdings sagen sie, wir sollen uns nicht verstecken, sondern verteidigen. Das kann es doch nicht sein, das ist doch verrückt! Ich dachte immer, die Erwachsenen machen das schon, wir Teenager können doch nichts tun. Was seit Parkland passiert ist, zeigt, dass das nicht stimmt: Wir können bald wählen, eines Tages sitzt unsere Generation im Kongress und Weißen Haus. Ich denke auch darüber nach, in die Politik zu gehen."

Cyanne John-McClean

19 Jahre, Fort Lauderdale/Florida(Bild: SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall)

"Ich bin nur 30 Minuten von Parkland entfernt zur Schule gegangen, ich kenne viele Schüler dort und war oft da. Ich hab mich vorher auch schon politisch engagiert, bei 'Black lives matter'. Aber der Amoklauf dort ist für uns jeden in meiner Generation ein einschneidendes Erlebnis. Für mich steht fest: Ich muss mehr machen, muss mich richtig einbringen. Ich habe gerade angefangen zu studieren, wenn es klappt, werde ich Anwältin. Ich will eines Tages meinen Kindern sagen können, dass sich der Umgang mit Waffen geändert hat, weil wir etwas dafür getan haben."

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