Bild: Mediamarkt
Lasst mich selbst entscheiden, was für ein Mann ich bin.

Wir Männer haben es nicht leicht. Überall lauern Gefahren für unsere Männlichkeit: "Weicher" sollen wir sein und ständig haben wir Belästigungsvorwürfe am Hals – nur weil wir einer Frau ein Kompliment gemacht haben...mit den Händen...an ihrem Hintern. Na ja, jedenfalls: Wie soll man da noch ein richtiger Mann sein?

Immerhin sind wir in der Werbung noch richtige Kerle. Da kriegt der bärtige, kohleverschmierte Arbeiter von der hübschen Barkeeperin einen Whisky in die Hand gedrückt und der verschwitzte Bauarbeiter darf hübschen Mädels hinterherpfeifen. Und nun sind bei Mediamarkt auch noch die "Männertage" gestartet – geil!

Aber Moment, dabei geht es um... Gefühle. Wie jetzt: Was gibt es denn noch außer Hunger, Durst und Lust?!

Zunächst einmal geht es bei den "Männertagen" um Angebote, von denen Mediamarkt offenbar annimmt, dass sie jeder Mann haben will. Zum Beispiel einen Robo-Staubsauger – weil wir Männer natürlich zu faul zum Saubermachen sind. Dazu gibt es Shitstorm-erregende Plakate wie dieses:

Aber man beachte den Text, den Schauspielerin Sophia Thomalla zu ihrem Poster der Kampagne schreibt. Die "Männertage" sind nämlich doppeldeutig gemeint – als Aktionstage und Anspielung auf die weibliche Periode. Oder um es mit Thomallas unangenehmen Worten zu sagen: "Nicht nur wir Frauen gehen den Männern immer gehörig auf den Sack, wenn wir unsere Phasen haben. Männer können genauso launisch, bockig und gereizt sein."

Wow... Aber konzentrieren wir uns mal auf das Positive: Immerhin werden Männern hier mal Gefühle zugesprochen.

Auch, wenn diese offenbar ungezügelte Wut sich nur durch unbändigen Konsumdrang beherrschen lässt...

Ich will trotzdem wissen, was dahinter steckt und zunächst lässt mich die Webseite zu den Männertagen hoffen, dass hier aufgeklärt werden soll. Offenbar hat Mediamarkt eine Studie in Auftrag gegeben, bei der herauskommt: Ja, auch wir Männer haben Gefühle. Überraschung.

Darin geben zwei von drei Männern an, Stimmungsschwankungen zu haben, sich mehr als einmal im Monat reizbar oder antriebslos zu fühlen. Nur 24 Prozent der Partnerinnen seien verständnisvoll, wenn ihr Partner sich so fühle. Man könnte sich hier natürlich die Frage stellen, warum sich so viele Männer so oft negativ fühlen und die Gesellschaft wenig Verständnis zeigt. Schließlich bekommen Männer noch immer oft zu hören: "Stell dich nicht so an", "Männer weinen nicht", "Sei kein Mädchen".

Denn ganz ehrlich: Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft, wenn Menschen das Gefühl haben, sie müssten ihre Emotionen permanent unterdrücken.

Also: Was tun? Mediamarkt verspricht therapeutischen Erfolg durch Konsum. Kauft Elektrogeräte und alles wird gut. Und nennt diese Gefühle einfach "Männertage".

Zwei Probleme. 

Es ist verdammt arrogant gegenüber Frauen, die wirklich eine Periode haben. Denn das bedeutet nicht einfach, klischeehafte Stimmungsschwankungen zu haben, sondern ist oft mit starken Schmerzen verbunden, die sogar bis zur Ohnmacht führen können.

Zweitens sorgen genau solche beknackten Rollenbilder dafür, dass sich Männer weiterhin nicht trauen, über ihre echten Gefühle zu reden. Und das hat schwere Folgen: In Deutschland begehen jedes Jahr dreimal so viele Männer Suizid wie Frauen. Neben Fehldiagnosen reden Männer viel weniger über Depressionen, weil sie das Gefühl haben, sie müssten das gesellschaftlich dominierende Bild des starken Mannes aufrecht erhalten. (swr.de)

Aber nein, bei Mediamarkt ist das alles nur "Mimimi":

Mediamarkt ist natürlich nicht der einzige Schuldige und Männer nicht die einzigen Opfer. Frauen sind von Stereotypen oder Sexismus in der Werbung noch häufiger und stärker betroffen. Sie werden ständig sexualisiert und sind häufiger Opfer von Gewalt. Das hängt auch miteinander zusammen. Eine gemeinsame Studie der Unis Wien und Triest hat gezeigt: Männer haben weniger Mitgefühl mit Frauen, wenn diese ständig als Sexobjekte dargestellt werden (bento). 

Und selbst wenn Werbung sich an Männerklischees bedient, betrifft das oft auch Frauen. Da gibt es den Getränkemarkt, der damit wirbt: "Die Mama bringt’s, der Papa trinkt’s." Oder die Supermarktkette Real, die für eine Backmischung wirbt mit dem Slogan: "Jetzt kriegen’s auch Männer gebacken." Oder wenn Edeka meint, Männer würden sich nur über ihr Grillfeuer definieren.

Lasst Frauen und Männer normale Menschen sein – und BITTE lasst mich selbst entscheiden, was für ein Mann ich bin.

Klar, ich hätte auch gerne eine Playstation, so wie Jürgen Vogel auf seinem Media-Markt-Plakat. Aber mein Gefühlsspektrum geht, wie das aller Männer, darüber hinaus. Ich stehe auch auf ein gutes Grillsteak und ein gutes Bier. Aber ich lasse es mir nicht von meiner Freundin bringen und kann auch alleine ganz gut backen und kochen. Ich bin nicht so unsicher, dass ich mich über Klischees definieren muss.

Ich stehe dazu, wenn ich bei Filmen weine oder deprimiert im Bett liege. Das sind nicht irgendwelche Männertage, sondern echte Gefühle, die echte Menschen haben – unabhängig vom Geschlecht. Ich brauche keinen Konsum, um diese Emotionen zu überspielen, sondern, dass man mich ohne Klischees ernst nimmt.

Denn Emotionen haben kein Gender.


Gerechtigkeit

Kim und Kanye zahlen für private Feuerwehr – andere sind den Bränden ausgeliefert
Warum man die Aktion trotzdem nicht ganz verteufeln sollte.

Das Paradies brennt. Tausende Feuerwehrleute sind im Einsatz. Die Brände komplett zu löschen ist aussichtslos, es geht nur noch darum, sie einzudämmen. Die Rauchbelastung ist enorm. 

Aber während Kleinstädte wie Paradise im Norden Kaliforniens durch die Waldbrände dem Erdboden gleich gemacht werden (bento), haben Kim Kardashian und Kanye West laut Medienberichten ihr Grundstück in den Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem Brand schützen können. Ist das gerecht?

Was ist passiert?

In den Waldbränden, die derzeit in Kalifornien in den USA wüten, sind schon über 60 Menschen gestorben. Das sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat. 

Vor allem zwei Großbrände richten Chaos in Kalifornien an: Im Norden ist es das "Camp-Fire", das unter anderem den Ort Paradise komplett zerstört und die meisten Menschenleben gekostet hat. 

Im Süden Kaliforniens bei Malibu, nordwestlich von Los Angeles, wütet das "Woolsey Fire". Hier sind viele Promi-Villen abgebrannt, unter anderem die von Thomas Gottschalk, Gerard Butler und Miley Cyrus. (bento)

Einige wurden aber auch verschont: Kim Kardashian und Kanye West zum Beispiel haben offenbar private Feuerwehrleute engagiert, um ihr Anwesen und die der direkten Nachbarn mit Brandhemmern zu schützen. Erfolgreich. Ihre Häuser stehen noch. Und die Nachbarn sind den Wests extrem dankbar. (TMZ)

Ist das jetzt "Survival of the richest"?

Dass Reiche ihre Kinder auf bessere Schulen und Privat-Unis schicken können, ist schon lange Gang und Gäbe. Mit einer besseren Ausbildung bekommt man später auch die besseren Jobs und bleibt über Generationen reich. (bento)

Aber gilt das jetzt auch für Sicherheit? Können sich Reiche heute in allen Bereichen bessere Dienstleistungen kaufen: neben Bildung und Gesundheitsfürsorge auch noch Polizeiarbeit und Brandbekämpfung?

In den USA gibt es Versicherungsgesellschaften, die privaten Feuerschutz anbieten (Insurance Journal). Logisch: Wenn eine Promi-Villa im Wert von mehreren zig Millionen Dollar abbrennt, würde das die Versicherung mehr Geld kosten, als wenn sie eigene Leute hinschickt, die die Villa schützen. Die Policen kosten von mehreren tausend Dollar bis zu mehreren zehntausend Dollar – je nach Größe und Lage des versicherten Anwesens. 

Die Versicherungen bieten ihren Kunden Beratung und die Installation von Schutzmaßnahmen (wie Sprenkleranlagen, das Beschneiden von Bäumen, damit sie nicht so schnell Feuer fangen, und das Verteilen von Brandhemmern bei nahenden Feuern). Das Geschäft ist ziemlich lukrativ. (NBC News)

Aber ist das wirklich so verurteilenswert?

Seien wir ehrlich: Wenn wir könnten, würden wir es doch genauso machen. Hätten wir das Geld, würden wir uns den bestmöglichen Schutz für unsere Familien und unser Hab und Gut kaufen – so wie es Kim Kardashian und Kanye West auch getan haben. Und die Häuser ihrer direkten Nachbarn haben sie durch ihren Schutz gleich mit geschützt. Dass das Ehepaar mit seinem Geld aber auch nicht die komplette Nachbarschaft oder ganz Kalifornien schützen kann, ist auch klar.

Generell private Feuerwehrleute verteufeln, sollte man nicht. Das sagt auch die staatliche Feuerwehr in Kalifornien: Tatsächlich helfen die privaten Brandbekämpfer der "normalen" Feuerwehr durch ihre präventiven Maßnahmen, die so ein paar Feuer weniger zu löschen hat, betont Scott McLean, der stellvertretende Informationschef der staatlichen Feuerwehr in Kalifornien, gegenüber NBC. 

Die einzigen Kontroversen, die die normale Feuerwehr mit den privaten Feuerwehrleuten hat, ist die Zuständigkeit und Organisation bei tatsächlichen Bränden. Wenn die privaten Feuerwehrleute auch Brände löschen wollen, sollten sie an den Einsatzbesprechungen der Feuerwehr teilnehmen, damit sich niemand im Wege steht. (NBC News)

Doch zuletzt steht noch immer die ethische Frage im Raum und sollte nicht vergessen werden: Die "normale" Feuerwehr löscht Brände und es ist ihnen egal, wer in dem Haus wohnt. Die privaten Feuerwehrleute retten nur bestimmte Häuser.

Wie gesagt: Man sollte private Feuerwehrleute nicht komplett verteufeln. Toll finden, muss man sie trotzdem nicht. 

Arme Menschen dürfen nicht auf der Strecke bleiben – erst Recht nicht, wenn es um Leben und Tod geht. 

Die Großbrände und die Gefahren in Kalifornien sind ein großes Stück weit menschengemacht – unter anderem durch den Klimawandel. Der kalifornische Feuerexperte Kurt Henke, langjähriger Feuerwehrchef im Bezirk Sacramento, sagt gegenüber der dpa: "Früher gab es alle sechs bis acht Jahre ein verheerendes Feuer, jetzt haben wir zwei bis vier Megabrände pro Jahr." 

Und die Brände werden in den nächsten Jahren voraussichtlich eher schlimmer und häufiger. Eine Entwicklung, die wahrscheinlich schon läuft: Seit 1932 dokumentiert Kalifornien Waldbrände. Neun der zehn größten Brände haben ab dem Jahr 2000 stattgefunden. (SPIEGEL ONLINE)

Zusätzlich dringt der Mensch aber auch immer weiter in natürliche Waldbrandgebiete vor. Waldbrände sind in Kalifornien tatsächlich etwas natürliches – nur sollten sie eigentlich den Menschen nicht so tangieren, da sie in ursprünglich unbesiedelten Gebieten stattfinden. "Wir expandieren zu sehr in Regionen, wo die Feuergefahr sehr hoch ist", meint Feuerexperte Henke. Mit fast 40 Millionen Einwohnern ist Kalifornien der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. 

So sind hier also doch wieder der Mensch und die Politik in der Verantwortung. Es muss mehr gegen den Klimawandel getan werden. Und der Mensch sollte akzeptieren, dass es noch Gebiete gibt, in denen die Natur stärker ist als er.