Ein kleines Mädchen postet ein Foto auf Twitter. Darauf hält sie ein selbstgeschriebenes Schild: "Danke, meine Freundin J. K. Rowling für die Bücher". Das O von Rowling ist als Herzchen gemalt. Im Tweet dazu schreibt sie "Mit Liebe aus Aleppo".

Der Tweet wirkt surreal, ein Liebesgruß aus einer verlorenen Welt:

Und doch ist er echt. Die "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling antwortet dem Mädchen, sie schickt Grüße zurück und hofft, dass es Bana, dem Mädchen, gut gehe.

Wer ist Bana?

Bana al-Abed ist ein siebenjähriges Mädchen aus dem Osten von Aleppo. Der Stadtteil ist das am härtesten umkämpfte Gebiet im gesamten syrischen Bürgerkrieg – Rebellen haben sich hier verschanzt, syrische und russische Flugzeuge werfen beinahe täglich Bomben aus der Luft (bento). Bis zu 300.000 Zivilisten sind zwischen den Fronten eingeschlossen, eine davon ist Bana.

Vor knapp zwei Monaten hat sie einen Twitter-Account gestartet, um von diesem Alltag am Abgrund zu berichten. Mittlerweile hat sie mehr als 90.000 Follower. Ihre Tweets sind mal melancholisch, mal zynisch. Immer wird aber sichtbar, in welcher Notlage das Mädchen aufwachsen muss.

Das twittert Bana aus Aleppo:
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Den Account betreibt Bana nicht allein. Aktivisten, die in Aleppo leben, haben bento bestätigt, dass ihre Mutter Fatima hinter dem Twitter-Konto steckt; die meisten Tweets würden eigentlich von ihr stammen. Dem Inhalt tut das keinen Abbruch: Die Tweets erzählen vom Schicksal einer Familie, die nicht zur Waffe greift – und trotzdem Teil dieses Konflikts ist.

In Syrien haben ursprünglich Rebellen gegen die Soldaten des Diktators Baschar al-Assad gekämpft. Heute engagieren sich Länder wie Russland und die USA im Konflikt. Die Türkei und der Iran sind mit Soldaten im Land aktiv – islamistische Milizen mit Kämpfern aus aller Welt haben Gebiete erobert. Den syrischen Zivilisten bleiben oft nur soziale Netzwerke, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

So ist die Lage in Aleppo

Die ehemals größte Stadt in Syrien ist seit Jahren am härtesten umkämpft. Das Assad-Regime, Rebellen, Kurden und Islamisten beherrschen je Stadtteile – die Zivilisten in der Stadt leiden in allen Vierteln. Die größte Gefahr geht von der syrischen Armee aus: Mit Unterstützung Russlands wirft sie immer wieder zersplitternde Fassbomben über Aleppo ab.

"Wenn die Bomben fallen, zittern unsere Herzen zuerst, dann die Häuser."
Fatima, Banas Mutter

Dem britischen "Guardian" hatte Banas Mutter via Skype ein Interview gegeben. Sie sagt, ihre Tochter habe nicht verstanden, warum sich die Welt nicht für Syrien interessiere. Daraufhin habe sie den Account gestartet, um Bana selbst eine Stimme zu geben.

Diese Stimme wurde inzwischen eben unter anderem auch von Rowling gehört. Bana und ihre beiden jüngeren Brüder gehen nicht mehr zur Schule – der Schulweg ist zu gefährlich, viele Gebäude sind zerstört (Lies hier, was ein Lehrer aus Aleppo erzählt). Weil es aber viele Bilder gibt, auf denen Bana Bücher liest, schickte Rowling Ebooks, wie sie auf Twitter verriet.

Der Schrecken in Zahlen – So steht es um den Syrienkrieg:
Der Syrienkrieg begann im März 2011 – nach wenigen Wochen friedlichen Protests.
Knapp eine halbe Millionen Menschen sind ums Leben gekommen – jeder zehnte Syrer.
Nachweislich wurden Giftgas und geächtete Splitterbomben eingesetzt.
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 70,5 Jahre auf 55,4 Jahre gesunken.
Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen davon im eigenen Land.
Drei Millionen Menschen haben Syrien verlassen, die meisten leben in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern.
85 Prozent der Menschen in Syrien lebten 2015 in Armut. Zwei Drittel aller Syrer haben ihre Jobs verloren.
Jeder Fünfte verdient sein Geld nun mit dem Krieg: als Kämpfer, Kidnapper, Plünderer oder Schleuser.
Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zur Schule.
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In der vergangenen Woche hat das syrische Regime seine Luftschläge auf Aleppo deutlich erhöht, Hunderte Bomben fielen täglich. Durch die Angriffe wurden nun alle Krankenhäuser in Ost-Aleppo zerstört. Die Menschen sind den Angriffen nun schutzlos ausgeliefert.


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