Bild: Olga Baczynska
Autorin Madeleine Hofmann erklärt, wieso alte Politiker endlich Platz machen sollten.

Belächelt, unterbrochen, nicht ernst genommen: Vor knapp einem Jahr schilderten viele Nachwuchspolitiker unter #diesejungenleute zum ersten Mal, was man als einigermaßen junge Politikerin oder junger Politiker in den alternden deutschen Parteien so erlebt. Nun ist ein Buch zum Thema erschienen

Autorin Madeleine Hofmann, 31, fordert die Alten auf: "Macht Platz!".

📖 Macht Platz!

Das Buch von Madeleine Hofmann: "Macht Platz! Über die Jugend von heute und die Alten, die überall dick drin sitzen und über fehlenden Nachwuchs schimpfen". Hier auf Amazon kaufen.

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Sie hat mit uns über #diesejungenleute gesprochen und verraten, wer ihr Hoffnung macht.

bento: Madeleine, zu Beginn des Buches schreibst du: "Die Zukunft reicht nur bis zur nächsten Bundestagswahl." Was meinst du damit?

Madeleine Hofmann: Ich vermisse eine Politik, die sich Gedanken darüber macht, wie unsere langfristige Zukunft aussieht. Stattdessen geht es darum, bestimmte Bevölkerungsgruppen zufrieden zu stellen. Meistens sind es ältere Menschen. Weil das für die Wahl am meisten bringt.

bento: Dein Argument ist: Die Jungen haben bei politischen Entscheidungen nichts zu melden. Woran machst du das fest?

Madeleine Hofmann: Die Zahlen sind deutlich: Junge Leute sind in wichtigen Gremien gar nicht vertreten. Und im Bundestag oder in den Landtagen sind wir viel schlechter vertreten als die Älteren. Dazu kommt: Wir befinden uns in einer demokratischen Ausnahmesituation. Es gibt viele alte Menschen, die immer länger leben.

Und dann sind da noch die sogenannten Babyboomer, also die Generation, die jetzt bald in Rente gehen wird. Die sind selbst sehr viele, haben aber eher wenig Kinder bekommen. Die Generationen danach, auch unsere, wurden kleiner. Die Älteren bilden eine viel größere Lobby als die Jungen, sie sind für Politiker viel interessanter. Sie kommen öfter vor, in der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien. Das ist zwar immer so, aber durch die aktuellen Größenverhältnisse der Generationen wird dieser Effekt verstärkt.

bento: Vor knapp einem Jahr hat bento #diesejungenleute mit einem Artikel über den Umgang mit Kevin Kühnert ausgelöst. Viele junge Politikerinnen und Politiker haben auf unseren Aufruf hin geschildert, was es bedeutet, als junger Mensch in die Politik zu gehen. Für dein Buch hast du mit vielen von ihnen gesprochen. Was glaubst du, warum werden sie nicht ernst genommen?

Madeleine Hofmann: Leider ist es wohl auch eine Grundeinstellung: Den Jungen fehle es an Erfahrung, heißt es oft. Die Generation wird massiv unterschätzt. Gerade ältere Männer sind irritiert, wenn junge Frauen eine Meinung äußern. Die haben sich oft jahrzehntelang in denselben Zirkeln bewegt, das sind die gar nicht gewohnt.

bento: Hast du eine Idee davon, wie es sich auf unseren Alltag auswirkt, dass die Alten viele und die Jungen so wenige sind?

Madeleine Hofmann: Jüngere und ihre Zukunft werden in vielen Lebensbereichen nicht mitgedacht. Wenn es um Klima, Bildung, Rente oder befriste Arbeitsverträge geht, werden junge Leute und ihre Interessen oft benachteiligt.

bento: Das Problem illustrierst du unter anderem mit dem sogenannten Parlament der Generationen. Was hat es damit auf sich?

Madeleine Hofmann: Das war eine Versuch mit bayerischen Bürgerinnen und Bürgern: Ein Parlament wurde nicht nach Parteien sondern nach Altersgruppen aufgeteilt. Jüngere haben zusammen eine Gruppe gebildet und Ältere ebenfalls. Das Größenverhältnis der Gruppen entsprach der aktuellen Altersstruktur und in einem zweiten Versuch der Altersstruktur Deutschlands im Jahr 2050 – also einer Gesellschaft, die noch deutlich älter ist als die aktuelle.

bento: Also gab es eine Partei nur aus jungen Menschen und eine Partei, in der die Alten saßen?

Madeleine Hofmann: Genau, dazu noch zwei Parteien für die Altersgruppen dazwischen. Die verschiedenen Parteien haben dann diskutiert und plötzlich wurde deutlich, wie wenig die jungen Leute sind, selbst wenn sie entsprechend ihrer Anzahl in der Bevölkerung repräsentiert werden. Sie hatten kaum eine Chance in den Debatten, ihre Ideen wurden abgetan. Viele Ältere wussten zum Beispiel nicht, was eine Mitfahrgelegenheit oder Uber ist.

Das Experiment hat deutlich gemacht, worauf wir zusteuern. Eine Welt, in der viele Zukunftsthemen keine Rolle spielen.

bento: Das klingt apokalyptisch.

Madeleine Hofmann: Die jungen Leute, die dort mitgemacht haben, waren auch total erschrocken. Ihnen war nicht bewusst, wie machtlos sie sind. Ihre Themen haben einfach nicht stattgefunden.

bento: Mit dem Gegensatz Alt gegen Jung kann man gut provozieren, aber bringt er uns auch weiter?

Madeleine Hofmann: Alt gegen Jung allein reicht nicht, das ist klar. Allein schon weil auch junge Menschen furchtbar alt sein können in ihrer Sichtweise und umgekehrt. Der linke US-amerikanische Politiker Bernie Sanders ist das beste Beispiel. Er hat neue Ideen, hat Lust, Zukunft zu gestalten, statt den Laden nur zu verwalten.

Ich möchte mit dem Buch auf keinen Fall einen Krieg der Generationen anzetteln, was mir gerne unterstellt wird. Aber es gibt ein großes Ungleichgewicht zwischen Alten und Jungen in Deutschland. Und wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir es abbauen.

bento: Am Ende des Buches entwirfst du ein positives Zukunftsszenario: Wiesen voller Bienen, plastikfreie Supermärkte und eine sozialere Gesellschaft. Junge Konservative scheinen in deiner Utopie nicht wirklich einen Platz zu finden.

Es stimmt natürlich, unsere Generation ist nicht nur links und progressiv, einige sind bei der AfD. Sie ist sogar die Partei mit den meisten jungen Abgeordneten. Aber es gibt einige Fragen, die entlang von Generationengrenzen verlaufen. Beim Thema Rente sind sich zum Beispiel die Jugendorganisation verschiedener Parteien einig: Wir brauchen ein langfristiges Konzept, keine Wahlkampfgeschenke.

bento: Du schreibst: Macht Platz! Die Älteren werden wahrscheinlich nicht freiwillig Platz machen. Wie nehmen wir ihn uns?

Madeleine Hofmann: Bisher funktioniert es nicht. Die Parteien muss man deshalb zwingen. Das Konzept der Jugendquote liegt ja bereits auf dem Tisch. Die Idee: Ein bestimmter Anteil wichtiger Positionen oder vielversprechender Listenplätze muss an junge Leute vergeben werden. Oder eine sogenannte Neuenquote: Da gehen die Plätze an Menschen, die bisher keine wichtige Funktion inne hatten. So wird ebenfalls eine Durchmischung erzwungen.

Ich fände es auch gut, wenn Bundestagsabgeordnete nach zwei Wahlperioden mal eine Runde aussetzen müssten.

bento: Wer oder was macht dir Mut?

Madeleine Hofmann: Zum Beispiel die kleine Stadt Stadt Monheim am Rhein in NRW. Da gibt es seit ein paar Jahren eine Jugendpartei. Die stellt inzwischen den Bürgermeister und hat die meisten Sitze im Gemeinderat. Auch 90-Jährige haben die Partei gewählt. Sie begründen das damit, dass man merke, wie sehr die Mitglieder ihre Stadt verändern wollten und wie kreativ ihre Ideen seien. Das ist das, was auf Bundesebene derzeit fehlt: der Mut, wirklich etwas verändern zu wollen, statt immer nur das Jetzt zu verwalten.

bento: Ist das Problem nicht auch, dass die Mehrheit der jungen Politiker, vielleicht sogar die ganze Generation, letztendlich viel zu brav sind, wenn es darauf ankommt?

Madeleine Hofmann: Es ist natürlich schwierig: Diejenigen, die in der Politik weit kommen wollen, müssen immer das System im Blick haben. Die wissen, dass man es sich schnell mit der eigenen Partei verscherzen kann. Johanna Uekermann hat sich zum Beispiel als damalige Juso-Vorsitzende mit Sigmar Gabriel angelegt und ist heute immer noch nicht im Bundestag. Weil sie keinen guten Listenplatz bekommt.

bento: Was hilft dagegen?

Madeleine Hofmann: Die Jungen müssen sich zusammenschließen.

bento: Banden bilden?

Madeleine Hofmann: Ja, eine Art überparteiliche Initiative, zumindest bei einigen Themen. Eigentlich müssten sich Philipp Amthor und Kevin Kühnert zusammentun und beim Thema Rente deutlich machen, dass sie gerne einen Plan hätten, mit dem auch unsere Rente gesichert wird und nicht nur die unserer Eltern. Die Schülerinnen, die jetzt jeden Freitag die Schule schwänzen, um für das Klima zu kämpfen, machen es vor:

Wir müssen uns unsere Zukunft zurückholen.

Streaming

Dönerduft und U-Bahn-Luft: Die erste Folge von GNTM im Speed-Check

Heidi Klum ist zurück, und natürlich hat sie "Mädchen" mitgebracht. Am Donnerstag ist die 14. Staffel "Germany's Next Topmodel" gestartet. Wer dieses Großereignis verpasst hat (oder noch einmal in süßen Erinnerungen schwelgen möchte), kann hier das Wichtigste in unserem GNTM-Schnellcheck nachlesen.

Die Schnellzusammenfassung von "Germany's Next Topmodel 2019" Folge 1: 

Heidi stellt das neue Konzept vor (bahnbrechend!). Die Jury besteht nur noch aus ihr (überfällig!). Massencastings gibts nicht mehr (zeitsparend!). Stattdessen 50 Einladungskarten (handsigniert!) und ein Abendessen (opulent!). Danach wird aussortiert (rabiat!). 

Anschließend die erste Fashion-Show (unterirdisch!). Im U-Bahn-Schacht scheitern einige an Michalskys Roben (tragisch!). Der Rest darf mit auf die Model-Reise (aufregend!).